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Warum bleibt das Azoren-Hoch weiter aus?

Eine Reihe von Faktoren, die durch den Klimawandel bedingt sind, führt dazu, dass der Azoren-Antizyklon zunehmend über dem Mittelmeerraum flüchtet, was das Fortbestehen des "heißen" afrikanischen Vorgebirges begünstigt.

Sonnenschein meer
Das Azoren-Hoch beherrschte einst die Sommer im Mittelmeerraum.

In den letzten Jahren waren die für die Mittelmeerregion charakteristischen Sommer dadurch gekennzeichnet, dass das Azoren-Hoch dem Mittelmeer fernblieb.

Wie schon in den letzten 15-20 Jahren bleibt das Azorenhoch auch in diesem Jahr wieder auf den Mittelatlantik beschränkt und breitet sich in Richtung der hohen Breiten aus, bis hin zu Island, den südlichsten Küsten Grönlands und sogar Skandinavien, anstatt seinen östlichen Rand in Richtung des zentralen und westlichen Mittelmeers zu strecken, wie es in den klassischen "Mittelmeersommern" oft der Fall war.

Das durch das ozeanische Hochdruckgebiet entstandene "Vakuum" wird folglich umgehend durch das Aufsteigen des "heißen" afrikanischen Vorgebirges gefüllt, das sich von der Sahara bis zu den europäischen Küsten erstreckt.

Warum fehlt das Azoren-Hoch aktuell?

Jüngste Studien und Beobachtungen haben gezeigt, dass das Fehlen des Azorenhochs mit der Bildung einer Art permanenter "barischer Lücke" über dem Mittelmeer zusammenhängt. Diese "barische Lücke" wird umgehend durch das Aufsteigen des drückenden und warmen subtropischen libysch-algerischen Hochdruckgebiets in das Herz des Mittelmeers gefüllt.

In der Praxis hat sich in den letzten Sommern über dem Mittelmeerraum zunehmend ein Gebiet mit mittleren Druckwerten (1015-1016 hPa) gebildet, das sich über sehr große Gebiete von Spanien bis zur Ägäis erstreckt.

Diese Dynamik begünstigt die Vorstöße des afrikanischen Antizyklons in Richtung der mediterranen Breiten, während der "Kollege" der Azoren seinen Schwerpunkt in der Mitte des Ozeans behält.

Der schwächste Jetstream

Dieses Missverhältnis zwischen Wetter und Klima, das in den letzten Jahren immer häufiger auftritt, wird durch eine entlang der Meridiane orientierte atmosphärische Zirkulation verursacht, die durch die Verlangsamung des "Jetstreams" entlang der mittleren und hohen Breiten des Nordatlantiks während der Sommersaison entsteht.

Der "Jetstream" ist im Sommer immer weniger intensiv. Ein schwächerer "Jetstream" führt zur Bildung immer größerer, stationärer planetarer Wellen (sogenannte "Rossby-Wellen").

Für viele Klimaforscher und Meteorologen ist die Abschwächung dieser sehr starken Luftströmung, die in der oberen Troposphäre, in Höhen über 10.000 Metern, vorherrscht, auf den deutlichen Temperaturanstieg in der Arktis zurückzuführen.

Korrelationen mit steigenden Temperaturen in der Arktis

Die Temperaturanomalien, die im Sommer in der Arktis herrschen, begünstigen ein frühzeitiges Abschmelzen des Meereises auf der Eisscholle, wodurch weite Bereiche eisfreier Gewässer frei werden, wie es in der Barentssee und der Karasee entlang der russischen Arktisküste zunehmend der Fall ist.

Das Abschmelzen des Meereises am Nordpol hat schwerwiegende Folgen auf globaler Ebene, auch bei uns, angefangen bei der Abschwächung des "Jetstreams".

Der Einfluss der abrupten Erwärmung der Arktis

Wenn die Meereisblöcke, aus denen das Schelfeis des Arktischen Ozeans besteht, schmelzen, verringert sich die Fläche, die dem sogenannten "Albedo-Effekt" unterliegt, erheblich, was wiederum zu einer Abschwächung des "horizontalen Temperaturgradienten" zwischen der arktischen Region und den gemäßigten mittleren Breiten führt.

Die Abschwächung der "thermischen Gradienten" zwischen den mittleren und hohen Breiten hat als erstes Ergebnis eine deutliche Abschwächung der Strömung des Hauptarms des "polaren Jetstreams" mit der daraus resultierenden Wellenbildung.

Dieser Effekt trägt zu lang anhaltenden barischen Konfigurationen bei, die zu intensiven Hitzewellen und einer Persistenz der monatlichen Temperaturanomalien über besonders große geografische Gebiete führen, wodurch die atmosphärischen Muster im Laufe der Zeit viel stabiler werden, sogar über Wochen oder Monate.