Zufriedenheit am Wohnort: Wo viele Gleichgesinnte leben, ist man besonders glücklich
Verheiratet, unverheiratet oder allein: Wie zufrieden Menschen sind, hängt nicht allein vom Beziehungsstatus ab, sondern auch vom Umfeld. Jüngste Untersuchungen zeigen, dass für das Wohlbefinden vor allem wichtig ist, welche Lebensform in der Umgebung vorherrscht.

Menschen in einer romantischen Beziehung bewerten ihr Leben generell positiver als Singles. Doch wie groß dieser Unterschied ausfällt, hängt offenbar davon ab, wie viele Menschen am eigenen Wohnort ebenfalls in Partnerschaften leben.
Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie, die unter Leitung von Dr. Tita Gonzalez Avilés vom Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie, Bildung und Lernen der Otto-Friedrich-Universität Bamberg entstanden ist. Die Untersuchung wurde in der Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlicht.
Das Umfeld entscheidet
Studiengrundlage waren Daten von 382.078 Erwachsenen aus 379 Regionen Großbritanniens. Die Angaben stammten aus dem Big Personality Test, einer umfangreichen Online-Erhebung der University of Cambridge und der BBC. Als „verpartnert“ galten alle Personen, die zum Zeitpunkt der Befragung eine romantische Beziehung angaben – unabhängig davon, ob sie verheiratet waren.
Dabei zeichnete sich ab, dass Paare im Schnitt zufriedener als Singles waren. Allerdings vergrößerte sich dieser Abstand, wenn besonders viele Menschen in Beziehungen lebten. In Regionen mit einem geringeren Anteil an Paaren waren wiederum weniger Menschen zufrieden.

Bemerkenswert ist, woher der Unterschied stammt. Die Zufriedenheit der Singles unterschied sich zwischen den Regionen kaum. Dagegen waren Menschen in Partnerschaften in Gegenden mit vielen Paaren besonders zufrieden.
Die Forschenden vermuten dahinter einen sogenannten Person-Kultur-Abgleich: Menschen fühlen sich wohler, wenn ihre eigene Lebensweise dem entspricht, was in ihrer Umgebung üblich ist. „Menschen leben nicht losgelöst von ihrem Umfeld“, erklärt Gonzalez Avilés. „Regionale Normen und soziale Erwartungen können beeinflussen, wie Menschen ihre eigene Lebenssituation wahrnehmen und bewerten.“
Die Idee des Person-Kultur-Abgleichs (person–culture match) geht zurück auf eine Studie aus dem Jahr 2010, nach welcher die Kultur, die einen direkt umgibt, wie ein Verstärker wirkt. Stimmen die eigenen Persönlichkeitsmerkmale mit den vorherrschenden Merkmalen der Umgebung überein, stärke das Selbstwertgefühl und Wohlbefinden, so die Theorie.

Laut der neuen Studie könnten also Paare dort, wo Partnerschaften dominieren, mehr soziale Anerkennung und Zugehörigkeit erfahren. Dafür könnte es letztlich verschiedene Gründe geben: Paarbeziehungen können in eher von Pärchen geprägten Gegenden als gesellschaftlicher Idealzustand erscheinen. Gemeinsame Aktivitäten, Freundeskreise und soziale Unterstützung könnten stärker auf Paare ausgerichtet sein. Singles könnten dagegen eher das Gefühl bekommen, nicht dem vorherrschenden Lebensmodell zu entsprechen.
Über Regionen und Stadtviertel hinaus
Um andere Erklärungen auszuschließen, berücksichtigten die Forschenden auch andere Faktoren, unter anderem Alter, Einkommen, Bildung, Gesundheit und Persönlichkeitsmerkmale. Zusätzliche statistische Prüfungen bestätigten das Ergebnis.
Auch eine Untersuchung auf deutlich kleinerer Ebene kam zu demselben Befund. In 218 Londoner Stadtvierteln zeigte sich ein vergleichbares Muster.
Die Studie belegt damit nicht, dass eine hohe Zahl von Paaren Menschen automatisch glücklicher macht. Sie weist vielmehr darauf hin, dass Beziehungserfahrungen vom sozialen und geografischen Kontext geprägt werden. Künftige Forschung sollte deshalb klären, welche Normen, sozialen Erfahrungen und institutionellen Bedingungen hinter den regionalen Unterschieden stehen.
Artikelreferenz
Gonzalez Avilés, T., Neyer, F. J., Rentfrow, P. J., & Ebert, T. (2026). Ties That Bind, Places That Matter: The Life-Satisfaction Gap Between Partnered and Single Individuals Varies Across Regions. Psychological Science.
Fulmer, C. A., Gelfand, M. J., Kruglanski, A. W., et al. (2010). On “Feeling Right” in Cultural Contexts: How Person-Culture Match Affects Self-Esteem and Subjective Well-Being: How Person-Culture Match Affects Self-Esteem and Subjective Well-Being. Psychological Science.