Uralter Kalender-Fehler: Der echte Martinstag kommt erst am 21. November und kippt alle Winter-Bauernregeln

Uralter Kalender-Fehler: Der echte Martinstag kommt erst am 21. November und kippt alle Winter-Bauernregeln

Kaum jemand weiß es: Seit 1582 stimmt bei den alten Wetterregeln das Datum nicht mehr. Was das für Martini, Kathrein und unseren Winter bedeutet, überrascht selbst Wetterfans.

Am 11. November ziehen wieder Kinder mit Laternen durch die Straßen, irgendwo schmort die Martinsgans im Ofen, und früher war das auf den Höfen der wichtigste Stichtag im Herbst. Fürs Wetter galt Martini als Schicksalstag. Wer an diesem Tag zum Himmel schaute, wollte wissen, wie der Winter wird.

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Dabei steckt in der Sache ein Fehler, den kaum jemand kennt. Der Feiertag selbst steht richtig im Kalender, daran gibt es nichts zu rütteln. Die alten Bauernregeln sind aber aus dem Takt geraten und schauen seit über 400 Jahren auf den falschen Tag. Wetterkundlich liegt der echte Martinstag rund um den 21. November.

Zehn Tage, die einfach verschwanden

Schuld ist eine Kalenderreform. Der julianische Kalender aus der Römerzeit rechnete das Jahr mit 365,25 Tagen. Das ist rund elf Minuten zu lang. Über die Jahrhunderte läpperte sich das zu ganzen Tagen zusammen, und das Datum lief der Sonne langsam davon.

Bis Montag ist in Sachen Niederschlag laut europäischem Wettermodell ECMWF in Deutschland nichts zu erwarten.
Bis Montag ist in Sachen Niederschlag laut europäischem Wettermodell ECMWF in Deutschland nichts zu erwarten.

Im Herbst 1582 griff die Kirche ein. Auf Donnerstag, den 4. Oktober, folgte direkt Freitag, der 15. Oktober. Zehn Tage waren weg. Die katholischen Gebiete Deutschlands zogen bald nach, die protestantischen ließen sich bis 1700 Zeit. Die Bauernregeln behielten trotzdem ihre alten Daten.

Der Beweis steckt in einem alten Spruch

Wer eine Wetterregel aufschreibt, meint eigentlich einen Sonnenstand, auch wenn er ein Datum nennt. Ein Bauer, der im 15. Jahrhundert am Martinstag aufs Feld ging, erlebte das Licht, das wir heute um den 20. November haben. Seine Erfahrung gehört also in eine spätere Ecke unseres Kalenders.

Am 11. November finden in Deutschland wieder die traditionellen Martinsumzüge statt.
Am 11. November finden in Deutschland wieder die traditionellen Martinsumzüge statt.

Wie groß die Verschiebung war, zeigt der Spruch Sankt Luzen macht den Tag stutzen. Der Luzientag ist der 13. Dezember, und tatsächlich lag die Wintersonnenwende damals ungefähr dort. Heute fällt sie auf den 21. oder 22. Dezember. Beim Siebenschläfer ist es dasselbe: Aus dem 27. Juni wird rechnerisch der 7. Juli.

Zehn Tage ändern im November eine Menge

Mitten im November verliert der Tag in Mitteldeutschland innerhalb von zehn Tagen rund eine halbe Stunde Licht. Auch die Mitteltemperatur sinkt in dieser Zeit im Schnitt um etwa ein Grad. Im Bergland ist das oft genau der Unterschied zwischen kaltem Regen und der ersten Schneedecke.

Damit klingt die bekannteste Regel plötzlich anders: Hat Martini einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart. Schnee am 11. November ist im Flachland eine Seltenheit, zehn Tage später wirkt er schon viel weniger exotisch. Nach derselben Rechnung wandert Kathrein vom 25. November auf den 5. Dezember und Andreas vom 30. November auf den 10. Dezember.

Warum zehn Tage nur die Faustregel sind

Ganz so einfach ist die Rechnung allerdings nicht. Die Lücke wuchs mit der Zeit: Im 14. Jahrhundert betrug sie acht Tage, im 15. Jahrhundert neun, erst 1582 waren es zehn. Heute sind es sogar 13 Tage. Deshalb feiern orthodoxe Kirchen, die am alten Kalender festhalten, Weihnachten am 7. Januar.

Für die Wetterregeln zählt aber die Lücke aus der Zeit, in der sie entstanden sind. Und genau das lässt sich selten sagen, denn die meisten Sprüche haben keine Geburtsurkunde. Manche sind deutlich jünger als 1582 und müssten gar nicht verschoben werden. Die zehn Tage bleiben deshalb eine Näherung, und zwar eine ziemlich brauchbare.

Was das für Ihren Winter bedeutet

Eine verlässliche Winterprognose liefert auch der verschobene Martinstag nicht. Ein einzelner Tag sagt wenig über drei Monate aus, egal, wo er im Kalender steht. Am Ende entscheiden Großwetterlagen, der Jetstream und der Polarwirbel. Dazu kommt: Viele Sprüche stammen aus einer deutlich kälteren Klimaphase und galten oft nur für eine Region.

Wertlos sind die alten Regeln deshalb nicht. Dahinter steckt die Beobachtung, dass sich bestimmte Witterungen um gewisse Zeiten wiederholen. Wer sie richtig nutzen will, schaut besser auf einen Zeitraum als auf einen einzelnen Tag. Die Laternen gehören also weiter auf den 11. November. Wer die Wetterregel testen möchte, sollte noch zehn Tage warten.