Nur 1500 Einwohner, aber ein Touristenmagnet: Das macht Greetsiel an der Nordsee so besonders

Hübsche Giebelhäuser, ein gezeitenunabhängiger Hafen und die größte Krabbenkutter-Flotte Ostfrieslands: Das sind nur einige der Gründe dafür, dass dieses historische Fischerdorf der heimliche Star des Nordens ist.

Nicht nur die größte Kutterflotte Ostfrieslands, sondern auch die vielleicht schönste: Greetsiels Hafen. Foto: Adobe Stock
Nicht nur die größte Kutterflotte Ostfrieslands, sondern auch die vielleicht schönste: Greetsiels Hafen. Foto: Adobe Stock

Obwohl das Dorf nur rund 1500 Einwohner zählt, ist es ein echter Publikumsliebling. Greetsiel gehört zu den attraktivsten und authentischsten Orten an der ostfriesischen Nordseeküste. Schon der historische Hafen besitzt Star-Qualität.

Zahlreiche Krabbenfischer prägen das Bild des über 600 Jahre alten Hafens. Mit etwa 25 bis 27 Schiffen verfügt Greetsiel über die größte Krabbenkutter-Flotte Ostfrieslands. Seit 1991 ist er dank des Leyhörner Sielbauwerks gezeitenunabhängig.

Krabben vom Kutter zum zweiten Frühstück

Die Fischer fahren regelmäßig aufs Meer hinaus und bringen vor allem Nordseekrabben zurück, die in Ostfriesland auch Granat genannt werden. Daneben landen gelegentlich auch Plattfische wie Schollen und Seezungen in den Netzen. Frisch gegarte Krabben gibt es direkt am Hafen zu kaufen. An Ort und Stelle eine Portion der regionalen Spezialität zu kaufen, zählt für viele Besucher zu den schönsten Momenten des Tages.

Greetsiels Giebelhäuser zählen zu den schönsten Foto-Spots in Ostfriesland. Foto: Adobe Stock
Greetsiels Giebelhäuser zählen zu den schönsten Foto-Spots in Ostfriesland. Foto: Adobe Stock

Greetsiel liegt in der Gemeinde Krummhörn, etwa 15 Kilometer von den Städten Emden und Norden entfernt. Im Jahr 1388 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Damals hatte die Herrschersippe Cirksena hatte hier ihren Sitz. Auf der Cirksenaburg kam 1462 Edzard der Große zur Welt. Er wurde Graf von Ostfriesland und weitete sein Herrschaftsgebiet bis nach Groningen aus.

Historische Häuser und der Hafen als Herz des Orts

Über Jahrhunderte bestimmte der Hafen das wirtschaftliche Leben Greetsiels. Ein verzweigtes Netz aus Wasserläufen verband das Fischerdorf mit Emden und den umliegenden Ortschaften. Torfschiffe brachten Brennmaterial in die Dörfer der Krummhörn, sogenannte Loogschiffe transportierten Waren in die Marschgebiete.

Besonders reizvoll ist die historische Häuserzeile an der Sielstraße. Die alten Backstein- und Giebelhäuser mit ihren geschwungenen, an niederländische Vorbilder erinnernden Giebeln zählen zu den bekanntesten Fotomotiven Ostfrieslands. Der gesamt Dorfkern steht unter Denkmalschutz.

Zwillingsmühlen mit Geschichte

Schon von Weitem sind die beiden Windmühlen am Ortseingang zu erkennen. Die sogenannten Zwillingsmühlen stehen nur etwa 130 Meter voneinander entfernt am alten Greetsieler Sieltief. Bei beiden handelt es sich um zweistöckige Galerieholländer: Mühlen mit umlaufendem Balkon.

Früher Wirtschaftsfaktor, heute Attraktion: Die Zwillingsmühlen von Greetsiel.
Früher Wirtschaftsfaktor, heute Attraktion: Die Zwillingsmühlen von Greetsiel.

Die Geschichte der Roten Mühle reicht bis 1706 zurück. Nach einem Brand im Jahr 1736 wurde die Mühle wieder aufgebaut, 1920 jedoch erneut durch ein Feuer zerstört. Bereits ein Jahr später erhielt sie ihre heutige Gestalt. Die Grüne Mühle kam 1856 hinzu. Beide Bauwerke dienten zum Mahlen von Getreide und Raps.

Ostfriesentee in der Grünen Mühle

Mit der Industrialisierung und dem Aufkommen leistungsfähiger Mühlenbetriebe verloren sie nach und nach ihre ursprüngliche Funktion. Die Grüne Mühle stellte 1972 den Betrieb ein, die Rote folgte 1985.

Heute werden beide touristisch genutzt: In der Grünen Mühle befinden sich ein Mühlenmuseum und eine Teestube, in der ostfriesische Teekultur gepflegt wird. Die Rote Mühle kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Artikelreferenz

Marcel Prigge. (2026). Beschaulich-idyllischer Hafenort überzeugt Jahr für Jahr aufs Neue.