Eigentlich dürfte das gar nicht passieren: Polarwirbel droht Rekord-Kollaps – Winter 2026/27 wird zum Wetter-Krimi

Das gab es seit Beginn der Auswertungen noch nie: Schon Anfang November droht dem Polarwirbel ein Major Warming. Und das mitten im Super-El-Niño. Was das für unseren Winter bedeutet.

Der kommende Winter 2026/27 könnte völlig anders ausfallen als ihn die langfristigen Wettermodelle derzeit berechnen.
Der kommende Winter 2026/27 könnte völlig anders ausfallen als ihn die langfristigen Wettermodelle derzeit berechnen.

Hoch über der Arktis bahnt sich gerade etwas an, das selbst erfahrene Meteorologen staunen lässt. In rund 30 Kilometern Höhe sollten die Westwinde um den Nordpol jetzt eigentlich Woche für Woche zulegen. Stattdessen brechen sie regelrecht ein.

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Um den 4. November könnten sie nach den aktuellen Wettermodellen sogar komplett kippen und von Osten wehen. Genau das ist das Kennzeichen eines Major Warming, einer plötzlichen Stratosphärenerwärmung. So früh im Jahr gab es das seit dem Start der systematischen Auswertung Ende der 1950er-Jahre noch nie. Der bisherige Rekord stammt vom 28. November, erreicht 1968 und noch einmal im vergangenen Jahr.

Polarwirbel vor dem Kollaps: Die Modelle rechnen mit einer Windumkehr

Die Zahlen haben es in sich. Beim europäischen Wettermodell zeigte zuletzt die große Mehrheit der Berechnungen eine Windumkehr, beim amerikanischen Modell waren es rund sieben von zehn. Nur die KI-Variante blieb deutlich zurückhaltender.

Klirrende Kälte im kommenden Winter 2026/27? Der Winter birgt jedenfalls Überraschungspotenzial.
Klirrende Kälte im kommenden Winter 2026/27? Der Winter birgt jedenfalls Überraschungspotenzial.

Gleichzeitig soll sich die Luft in der Stratosphäre um mehr als 20 Grad über den Normalwert erwärmen. Der Polarwirbel könnte dabei in zwei Kerne zerreißen, einen Richtung Sibirien und einen über Nordamerika oder dem Atlantik. Noch ist das eine Prognose. Aber selten waren sich die großen Modelle bei einem so ungewöhnlichen Ereignis so nah.

Super-El-Niño passt überhaupt nicht ins Bild

Besonders verblüffend ist der Zeitpunkt. Ein starker El Niño sorgt zusammen mit westlichen Höhenwinden in den Tropen normalerweise für einen stabilen Polarwirbel zum Winterstart. Störungen folgen in solchen Jahren meist erst in der zweiten Winterhälfte.

Diesmal läuft es komplett anders. Eine kräftige Hochdruckblockade zwischen Skandinavien und dem Ural schickt große Wellen nach oben, die gegen den Wirbel anrennen. Der ist im Herbst noch im Aufbau und entsprechend leicht aus dem Takt zu bringen. Schon vergleichsweise wenig Druck kann da offenbar reichen.

Dieser Rekord wäre wie 49 Grad in Boston

Wie außergewöhnlich das Ganze ist, zeigt ein Vergleich aus den USA. Dort liegt der Hitzerekord von Boston bei gut 41 Grad. Der neue Polarwirbel-Rekord wäre nach Ansicht eines führenden Forschers so, als würde die Stadt plötzlich 49 Grad erreichen.

Das ist mehr als eine nette Anekdote. Weil es für ein solches Ereignis keinen Vorläufer gibt, tun sich auch die Wettermodelle schwer. Sie betreten Neuland, und jede neue Berechnung kann das Bild wieder verschieben.

Das bedeutet der Polarwirbel-Rekord für Deutschland

Sofort wird es deswegen nicht eisig. Ein Major Warming braucht meist zwei bis sechs Wochen, bis es sich am Boden bemerkbar macht. Für Deutschland wird damit vor allem die Zeit von Mitte November bis in den Dezember interessant.

Kühlere Tage in der ersten Novemberhälfte wären also noch keine direkte Folge. Und längst nicht jede Störung schlägt bis nach unten durch. Wohin die Kälte am Ende fließt, ist jedes Mal anders. Einige Berechnungen sehen sie allerdings eher über Teilen von Europa und Asien als im Nordosten der USA.

Der eigentliche Winter-Krimi kommt erst noch

Spannend bleibt vor allem der Blick auf Januar und Februar. Die Langfristmodelle zeigen für den Hochwinter die nächste, möglicherweise noch stärkere Störung des Polarwirbels. Auch im letzten Super-El-Niño-Winter wurde der Wirbel im Januar 2016 stark gestreckt, Kälte erreichte damals Nordamerika und Europa.

Gegen den Frost steht aber der gewaltige Wärmeschub aus dem Pazifik, der Westeuropa eher milde Monate verspricht. So könnte ein Winter mit extremen Gegensätzen entstehen, in dem milde Phasen und plötzliche Kälte aufeinanderprallen. Wie dieser Zweikampf ausgeht, kann heute niemand seriös sagen.