Tauwetter! Meteorologe über Wetterwechsel: "Da wird einem ganz schwindelig"

Von minus 15 Grad zu fast 20 Grad: Deutschland erlebt einen extremen Temperaturwechsel. Viele klagen über Schwindel. Was steckt dahinter – und wie reagiert unser Körper?

Noch in der Nacht auf Freitag wurde im Osten Deutschlands lokal strenger Frost bis minus 15 Grad gemessen. Klare Luft, Hochdruck, eisige Nächte. Doch schon am Wochenende dreht die Strömung auf West, milde Atlantikluft erfasst das Land. Am Sonntag werden im Osten plötzlich 12 bis 13 Grad, im Südwesten sogar bis zu 15 Grad erwartet. Und es geht weiter: Zur Wochenmitte könnten im Südwesten örtlich bis zu 20 Grad erreicht werden – Werte, die sich fast schon sommerlich anfühlen.

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Dieser abrupte Wechsel vom Tiefkühlmodus in den Frühlingsvorgriff betrifft ganz Deutschland. Innerhalb weniger Tage steigt die Temperatur regional um mehr als 30 Grad. Solche Schwankungen sind meteorologisch möglich – für unseren Körper aber eine Herausforderung.

Was passiert im Körper bei Wetterextremen?

Der menschliche Organismus reagiert sensibel auf Temperaturwechsel. Besonders das Herz-Kreislauf-System muss sich anpassen. Bei Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen, der Blutdruck steigt. Wird es plötzlich warm, erweitern sich die Gefäße wieder. Dieser rasche Wechsel kann zu Blutdruckschwankungen führen.

Typische Symptome sind Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Kreislaufprobleme. Manche Menschen fühlen sich benommen oder berichten von Konzentrationsschwierigkeiten. Das liegt daran, dass sich die Durchblutung im Gehirn kurzfristig verändert. Vor allem wetterfühlige Personen spüren solche Umstellungen deutlich.

Biowetter: Mythos oder messbarer Effekt?

Der Begriff Biowetter beschreibt den Einfluss der Atmosphäre auf den Menschen. Neben Temperatur spielen auch Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Wind eine Rolle. Besonders problematisch sind rasche Luftdruckänderungen, wie sie bei Wetterumschwüngen auftreten.

Diesen Wetterwechsel macht nicht jeder Kreislauf mit. Aus "zu kalt" wird nun auch im Nordosten nun "zu warm".
Diesen Wetterwechsel macht nicht jeder Kreislauf mit. Aus "zu kalt" wird nun auch im Nordosten nun "zu warm".

Studien zeigen: Es gibt tatsächlich Zusammenhänge zwischen Wetterwechseln und Beschwerden. Allerdings reagiert nicht jeder gleich. Menschen mit Migräne, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder niedrigem Blutdruck gelten als anfälliger. Auch Infekte können in Phasen starker Schwankungen subjektiv belastender empfunden werden.

Warum fühlt es sich plötzlich wie Sommer an?

Nach Tagen mit Dauerfrost wirkt selbst zweistellige Plusgrade extrem warm. Der Körper hat sich zuvor auf Sparflamme eingestellt. Kommt dann milde Luft mit viel Sonne, steigt nicht nur die Temperatur, sondern auch die Lichtintensität. Das beeinflusst den Hormonhaushalt.

Mehr Licht bedeutet mehr Serotonin-Ausschüttung, weniger Melatonin – wir fühlen uns wacher, manchmal sogar euphorisch. Gleichzeitig kann der schnelle Umschwung aber auch Erschöpfung auslösen. Dieses Wechselbad erklärt, warum manche Menschen gleichzeitig energiegeladen und schwindelig sind.

Kreislauf in Alarmbereitschaft

Besonders kritisch ist die Phase, in der der Körper noch auf Kälte programmiert ist, während draußen schon frühlingshafte Wärme herrscht. Der Organismus braucht Zeit, um Gefäßtonus, Flüssigkeitshaushalt und Blutdruck neu zu regulieren. Wer ohnehin zu niedrigem Blutdruck neigt, spürt die Erweiterung der Gefäße stärker.

Hinzu kommt: Warme Luft enthält mehr Feuchtigkeit. Das kann als schwül empfunden werden, selbst bei moderaten Temperaturen. Das Herz arbeitet intensiver, um die Körpertemperatur stabil zu halten. Die Folge können Schwächegefühl und leichter Schwindel sein.

Tipps gegen Wetter-Schwindel

Ganz verhindern lässt sich die Reaktion nicht. Doch man kann den Körper unterstützen. Wichtig sind ausreichend Flüssigkeit, moderate Bewegung an der frischen Luft und regelmäßige Mahlzeiten. Wechselduschen können helfen, die Gefäße zu trainieren.

Wer unter starken oder anhaltenden Beschwerden leidet, sollte ärztlichen Rat einholen. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um eine vorübergehende Anpassungsreaktion. Das aktuelle Tauwetter zeigt: Unser Körper ist erstaunlich flexibel – auch wenn er bei extremen Wetterwechseln manchmal kurz ins Wanken gerät.