„Kein gutes Gefühl“: Wetterforscher Habermehl warnt vor Märzkälte – kommt der Frühling deutlich später?

Droht ein Kälteschock im März 2026? Ein Zitat sorgt für Alarm. Doch hinter der Schlagzeile steckt eine deutlich komplexere Wetterwahrheit.

Die Schlagzeilen klingen dramatisch: „Eis-März 2026“, „Spätwinter ohne Ende“, „Frühling auf unbestimmte Zeit verschoben“. Ein Satz sorgt besonders für Aufmerksamkeit: „Die Signale sind ungewöhnlich“, heißt es aus der Wetterforschung.

Sei einer der Ersten, der die neuesten Wetter-Updates erhält, indem Du unserem neuen WhatsApp-Kanal beitrittst. Folge uns und schalte die Benachrichtigungen ein.

Schnell entsteht der Eindruck, als stehe Mitteleuropa vor einem erneuten Wintereinbruch. Doch wie belastbar sind solche Aussagen wirklich? Der März ist meteorologisch ein klassischer Übergangsmonat, in dem extreme Ausschläge deutlich wahrscheinlicher sind als in stabilen Sommer- oder Wintermonaten.

Warum Märzkälte sofort alarmiert

Der März steht emotional für den Neubeginn. Längere Tage, höherer Sonnenstand und erste milde Phasen prägen die Erwartungen. Kommt es dann zu Frost oder Schnee, wirkt das wie ein Rückschritt. Meteorologisch ist das jedoch kein Ausnahmezustand.

Statistisch gehören Spätwinterlagen mit Kaltluftvorstößen bis in den März hinein zur Normalität. Der Unterschied liegt vor allem in der Wahrnehmung, denn in den vergangenen Jahren trat der Frühling häufig sehr früh und sehr dominant auf.

Die Rolle der Großwetterlagen

Für längerfristige Einschätzungen blicken Meteorologen nicht auf einzelne Tiefs, sondern auf großräumige Zirkulationsmuster. Entscheidend sind der Polarwirbel, die nordatlantische Strömung und blockierende Hochdruckgebiete. Gerät dieses System ins Ungleichgewicht, kann kalte Luft weit nach Süden ausgreifen. Das bedeutet jedoch meist keine anhaltende Dauerfrostlage, sondern einen Wechsel zwischen milden und kalten Phasen, typisch für den Spätwinter.

Der Start in den März 2026 scheint nicht wirklich warm ausfallen zu wollen, im Norden sogar eher "zu kalt".
Der Start in den März 2026 scheint nicht wirklich warm ausfallen zu wollen, im Norden sogar eher "zu kalt".

Das Zitat, das für Unruhe sorgt

Der oft zitierte Satz „Wir sehen erhöhte Kälterisiken im Übergang zum Frühling“ wird häufig verkürzt wiedergegeben. Wichtig ist das Wort Risiken. Wetterforschung arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit festen Vorhersagen. Ein erhöhtes Risiko für Kälteepisoden bedeutet nicht, dass der gesamte März kalt verläuft oder der Frühling ausfällt. Genau diese Differenzierung geht in vielen Schlagzeilen verloren.

Verschiebt sich der Frühling wirklich?

Langfristige Klimadaten zeigen sogar, dass der phänologische Frühling im Mittel früher beginnt. Gleichzeitig bleiben späte Kälterückfälle bestehen. Das wirkt widersprüchlich, ist aber erklärbar. Ein insgesamt wärmeres Klima schließt kurze, markante Kältephasen nicht aus. Der Frühling kann früh starten und dennoch durch Frost unterbrochen werden. Von einer echten Verschiebung der Jahreszeiten kann meteorologisch keine Rede sein.

Kommt der Märzwinter nach Deutschland? Bleiben Schnee und Kälte deutlich länger als üblich?
Kommt der Märzwinter nach Deutschland? Bleiben Schnee und Kälte deutlich länger als üblich?

Fazit: Zwischen Alarm und Realität

Ein eisiger März 2026 ist nicht ausgeschlossen, aber auch keine belastbare Prognose. Wahrscheinlicher ist ein wechselhafter Monat mit milden Abschnitten und einzelnen Kälteeinbrüchen. Der Frühling kommt, vielleicht zögerlich, vielleicht holprig, aber nicht gar nicht. Wer nur die Schlagzeile liest, sorgt sich. Wer die Zusammenhänge kennt, bleibt gelassen.