Vier Meter Wasser in weniger als einer Stunde: Valencia 2024 versinkt – Simulationen helfen Menschenleben zu retten
Eine DANA – ein isoliertes Höhentief, das extreme Starkregen auslöst – verwandelte Valencia 2024 in Minuten in ein überflutetes Stadtgebiet.

Am 29. Oktober 2024 traf ein DANA – ein isoliertes Höhentief in der oberen Atmosphäre, das heftigen Starkregen und Überschwemmungen auslöst – die Region Valencia. Innerhalb weniger Minuten verwandelten sich Straßen und Plätze in reißende Flüsse, Häuser wurden überflutet und Menschen verloren ihre sichere Umgebung.
Meteorologisch entsteht eine DANA, wenn kalte Luft in der Höhe von der warmen, feuchten Mittelmeerluft am Boden getrennt wird, was extreme Instabilität erzeugt und heftige Niederschläge begünstigt.
Dank neuer hydraulischer Modelle können Wissenschaftler nun die Strömungsgeschwindigkeiten, Wasserstände über vier Meter und die Ausbreitung der Flut genau nachvollziehen.
Gleichzeitig zeigen die Simulationen, wie Rettungskräfte künftig Menschen gezielter schützen und vermisste Personen schneller lokalisieren können. Historische DANA-Ereignisse wie 1982 und 2019 verdeutlichen: Solche extremen Wetterlagen sind in Spanien keine Ausnahme, sondern eine ernsthafte Gefahr, die Stadtplanung, Infrastruktur und das tägliche Leben direkt beeinflusst.
Simulation der Hochwasserdynamik: Saint-Venant-Gleichungen in Aktion
Die Grundlage der Studie ist eine zweidimensionale hydraulische Modellierung, physikalisch basierend auf den Saint-Venant-Gleichungen. Diese Gleichungen beschreiben die kontinuierliche Bewegung von Wasser in Flüssen und Überflutungsgebieten und berücksichtigen sowohl die Geschwindigkeit als auch die Wassertiefe in jedem Punkt des Gebiets.
Im Unterschied zu einfachen eindimensionalen Modellen ermöglicht die zweidimensionale Simulation, räumlich komplexe Strömungen und Überflutungsmuster nachzubilden.
So lassen sich nicht nur maximale Wasserstände berechnen, sondern auch Geschwindigkeiten, Fließrichtungen und Energieverteilungen.
Das Modell berücksichtigt dabei die realen Geländestrukturen, Straßen, Bebauung und Vegetation – entscheidend für präzise Vorhersagen in städtischen Gebieten.
Infrastruktur verstärkt die Gefahr
Die Analyse zeigt, dass Verkehrswege wie die Autobahn V-31 Rückstaueffekte erzeugten und den Hochwasseranstieg in umliegenden Gebieten verstärkten.
Gleichzeitig folgten die Fluten den natürlichen Geländestrukturen und alten Flussläufen, was die Simulationen besonders realistisch machte. Historische geomorphologische Muster wirken also heute noch bei Extremereignissen nach.
Ein innovativer Ansatz für Rettungskräfte
Ein Kernstück der Studie ist die Nutzung der hydraulischen Energie der Strömung als Indikator für die Transportkraft des Wassers. So lässt sich nachvollziehen, wo Wasser besonders viel mitreißt – und wo die Energie abnimmt, also die Bereiche, in denen vermisste Personen am wahrscheinlichsten zu finden wären.
Die Methode wurde anhand der Flut von 2024 modelliert, und die erstellten georeferenzierten Karten könnten künftig Rettungskräften helfen, Menschen gezielter zu lokalisieren. Damit stellt die Simulation einen wichtigen Fortschritt für das operative Hochwassermanagement dar.

Klimawandel und zukünftige Risiken
Die Ereignisse von Valencia verdeutlichen, dass Extremniederschläge durch den Klimawandel zunehmen. Wärmere Luft speichert mehr Feuchtigkeit, punktuelle Starkregenereignisse wie die DANA werden häufiger, und städtische Verdichtung verstärkt Überflutungsrisiken.
Simulationen wie die von Vallés Morán ermöglichen es, präventive Maßnahmen zu planen, Gefahrenzonen zu identifizieren und Rettungseinsätze zu optimieren – bevor die nächste Welle kommt.
Hydraulik als Lebensretter
Die Studie zeigt eindrücklich: Hydraulik ist mehr als Theorie. Sie kann in Echtzeit Entscheidungsgrundlagen liefern, Menschenleben retten und Schäden reduzieren. Die Valencia-Flut war eine Katastrophe – künftige Ereignisse müssen es nicht sein, wenn Wissenschaft, Technik und Einsatzplanung Hand in Hand gehen.
Quelle
Vallés Morán, F. J. (2025). Simulación hidráulica de la inundación y flujos desbordados en la DANA del 29 de octubre de 2024 en l’Horta Sud (Valencia). Cuadernos de Geografía de la Universitat de València, 1(114-15), 375–395.