Hundertjähriger Kalender sagt Hitze ab 8. Mai voraus – Meteorologe Habermehl: „Die Modelle sehen es fast genauso"
Ein 400 Jahre alter Bauernkalender prophezeit ab dem 8. Mai eine Hitzewelle. Ausgerechnet ECMWF und NOAA stützen die alte Prognose jetzt erstaunlich deutlich. Meteorologe Habermehl erklärt, was wirklich dahintersteckt.

Ich muss ehrlich sein: In meiner beruflichen Laufbahn habe ich den Hundertjährigen Kalender eher selten ernst genommen. Aber bei der Prognose für diesen Mai habe ich doch gestutzt. Das Werk geht auf den fränkischen Zisterzienser-Abt Mauritius Knauer zurück, der zwischen 1652 und 1658 im Kloster Langheim das Wetter protokollierte und daraus einen Sieben-Jahres-Zyklus bastelte.
Jedes Jahr bekommt einen Planeten zugeordnet – 2026 ist ein Merkurjahr. Und für ebendiesen Merkur-Mai verspricht der Kalender ab dem 8. Mai eine „schön warme und trockene Zeit", teils so heiß, dass das Pflanzenwachstum stockt. Ab dem 24. Mai folgt nach kurzer Abkühlung gleich die nächste Trockenperiode.
Was ECMWF und NOAA tatsächlich rechnen
Nun zu den Daten, mit denen ich wirklich arbeite. Sowohl das europäische ECMWF-Modell als auch die amerikanische NOAA berechnen den Mai 2026 derzeit zu warm – in der Mitte und im Süden Deutschlands teils bis zu zwei Grad über dem langjährigen Klimamittel.
Zusätzlich zeichnet sich zum Monatsstart ein Omegahoch zwischen England und Skandinavien ab, in dessen Einflussbereich Deutschland mit ruhigem, sonnigem Wetter und Spitzenwerten von bis zu 27 Grad liegen kann. Das ist kein typisches Maiwetter mehr – das geht schon in Richtung Juni. Und ja, das deckt sich im Zeitfenster erstaunlich gut mit dem, was Knauer notiert hat.
Warum das trotzdem kein Beweis für Merkur ist
Bevor jetzt die Esoterik-Ecke jubelt: Der Sieben-Jahres-Zyklus hat physikalisch nichts mit der Atmosphäre zu tun. Die Planeten haben auf unsere Troposphäre exakt null messbaren Einfluss – das ist seit Galilei sauber abgeräumt.
Dass der Kalender gelegentlich trotzdem trifft, hat einen nüchternen Grund: Er sagt für den Mai in Mitteleuropa meistens warmes, trockenes Wetter voraus – und das passt statistisch ohnehin in etwa sechs von zehn Jahren. Durch den Klimawandel inzwischen noch häufiger. Die letzten vier Maimonate waren allesamt zu mild. Das ist kein Rauschen mehr, das ist ein Signal.
Eisheilige – die Lücke, die Knauer übersah
Was der alte Abt schlicht nicht auf dem Zettel hatte, ist die Klassiker-Falle im Mai: die Eisheiligen zwischen dem 11. und 15. Mai. Der Nordatlantik ist in dieser Jahreszeit noch kühl, der Sonnenstand aber fast hochsommerlich. In dieser Konstellation schiebt sich regelmäßig ein Kaltluftvorstoß aus Skandinavien bis nach Mitteleuropa – im Einzelfall mit Nachtfrost in Bodennähe.
Die aktuellen Kontrollläufe lassen mir genau dieses Szenario für die Monatsmitte noch bemerkenswert offen. Mein Rat aus der Gärtnerpraxis: Tomaten, Gurken und Paprika würde ich bis nach Pfingsten noch nicht ungeschützt draußen lassen.
Der zweite blinde Fleck: die Unwettersaison
Und da ist noch ein Punkt, bei dem der Kalender schweigt – die erste scharfe Gewittersaison des Jahres. Wenn warme Feuchtluft aus dem Süden auf kühlere Höhenluft trifft – und genau dieses Setup deutet sich für die zweite Monatshälfte an –, sind die Zutaten für kräftige Unwetter mit Hagel, Sturmböen und Starkregen gegeben. Der Mai 2026 hat nach heutigem Stand das Potenzial, hier früh und deutlich zuzuschlagen. Mit Merkur hat das übrigens auch nichts zu tun, sondern mit Thermodynamik.
Mein Fazit
1. Mai: nach jetzigem Stand freundlich, fast schon frühsommerlich – ideal fürs lange Wochenende. Christi Himmelfahrt am 14. Mai: da wäre ich vorsichtig, das fällt mitten in die kritische Eisheiligen-Phase.
Pfingsten am 24./25. Mai: sieht momentan gut aus, wird aber erst in rund zehn Tagen wirklich belastbar. Der Merkur kann für all das nichts, und der Abt auch nicht. Der Mai liefert selten komplett glatte Wochen – das war vor 400 Jahren nicht anders als heute. Nur heiß wird er inzwischen eben häufiger. Und daran ist nicht die Planetenkonstellation schuld.
Verpassen Sie nicht die neuesten Nachrichten von Meteored und genießen Sie alle unsere Inhalte auf Google Discover völlig KOSTENLOS
+ Folgen Sie Meteored