Bitterkalt, windig und trüb trotz Hochdruck? - Meteorologe erklärt "die Kälte an Nord- und Ostsee im Frühjahr"
Mal wieder dominiert "Hochdruck ohne Ende" das Wetter in Deutschland. An den Küsten von Nord- und Ostsee bedeutet das in diesen Tagen aber nicht nur eitel Sonnenschein und zudem ist es hier auch deutlich kälter als weiter im Landesinneren. Warum aber ist das so?

Die Wetterlage in Deutschland ist auch in diesem Frühjahr wieder ausgesprochen hochdrucklastig und damit in vielen Regionen auch viel zu trocken. Durch die Lage des Hochs ist die Luftmasse aber eher kühl und in den klaren Nächten kommt es verbreitet zu Bodenfrost, teilweise auch noch zu Luftfrost.
Während es aber Richtung Süden und Südwesten Deutschlands mit Werten um 20 Grad tagsüber recht frühlingshaft ist, sind die Temperaturen im Norden und Nordosten deutlich gedämpfter. Hier werden trotz Sonnenschein kaum 15 Grad erreicht. Noch kälter blieb und bleibt es an den Küsten von Nord- und Ostsee, wo am Donnerstag teilweise keine 10 Grad (Bremerhaven 9,6°C) erreicht wurden.
Meerwasser noch kalt vom Winter
An der Nordsee blieb es besonders zwischen der Weser- und der Elbmündung teilweise den ganzen Tag trüb durch Hochnebel, wodurch die Erwärmung zusätzlich gedämpft wurde. Statt nach Frühling fühlte es sich hier eher wie im Herbst an. Mit der nordwestlichen Strömung bildeten sich über dem noch kalten Nordseewassers ausgedehnte und flache Hochnebelfelder, die in der Nacht zum Freitag ins Landesinnere bis teilweise an die nördliche Mittelgebirgsgrenze zogen.
Tagsüber hat die Sonne jetzt Ende April allerdings schon genügend Kraft, um die Hochnebelfelder in den meisten Regionen aufzulösen, schafft es aber nicht überall. Durch die fehlende Sonne wird die Luft dann tagsüber kaum mehr wärmer. Dafür bleiben unter den dichten Wolken die Nächte frostfrei, da die nötige Ausstrahlung fehlt.
WIND-UPDATE
— Meteored Deutschland (@MeteoredDE) April 24, 2026
nordfriesischen Küste Böen um 55 km/h (Bft 7) aus NW
️ Tagsüber: erneut auffrischend, bis 60 km/h (Bft 7) möglich
Na zu Sa: zunehmend windig verbreitet Bft 7, exponiert stürmische Böen (Bft 8)
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Warum es im Frühjahr aber auch mit viel Sonnenschein an den Küsten und auf den Inseln von Nord- und Ostsee tagsüber oft deutlich kälter als im Landesinneren ist, hat mit der Wassertemperatur zu tun. Das Wasser von Nord- und Ostsee ist nach dem Winter noch kalt und die aktuellen Wassertemperaturen liegen nur bei 6 bis 10 Grad.
Kommt der Wind vom Meer, was bei der derzeitigen Nordwest- bis Nordströmung fast überall der Fall ist, sind die Lufttemperaturen auf den Inseln und direkt an den Küsten denen der Wassertemperatur fast identisch. Mit dem teilweise stürmischen Wind fühlen sich diese Temperaturen dann sogar noch kälter an (Windchill). Im Herbst dreht sich dieser Effekt übrigens um, dann ist es bei Hochdruckwetter am Meer häufig noch wärmer als im Landesinneren, da das Wasser noch die Wärme vom Sommer "gespeichert" hat.
Stürmisch kalter Samstag, ab Sonntag wieder Sonne
Am Samstag nähert sich dem Küstengebiet eine schwache Kaltfront, wodurch die Wolken zeitweise auch mal dichter ausfallen können. Ein paar Tropfen Regen können nicht ausgeschlossen werden, meist bleibt es aber trocken. Im Laufe des Tages wird es aber durch die großen Luftdruckgegensätze immer windiger und so können am Nachmittag durchaus Böen der Stärke 7 bis 8 (ca. 60 bis 70 km/h), insbesondere an der Westküste Schleswig-Holsteins und an der Ostsee auch mal Stärke 8 bis 9 (70 bis 80 km/h) oder sogar noch etwas mehr, erreicht werden. Dazu bleibt es mit Höchstwerten um 10 Grad sehr frisch.
Am Sonntag und auch an den Tagen danach dominiert dann wieder der Hochdruckeinfluss und die Sonne scheint auch an den Küsten und auf den Inseln wieder häufig. Es bleibt mit der nördlichen und nordöstlichen Strömung aber kühl und die Höchstwerte liegen nur bei 10 bis 13 Grad. Der Wind schwächt sich allerdings deutlich ab und damit werden die Nächte besondere Richtung Landesinneren deutlich kälter mit 1 bis 5 Grad und der Gefahr von Bodenfrost.
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