Beide Male kam danach der Schnee: Über dem Nordpol bahnt sich an, was es bisher nur in zwei Wintern gab

Beide Male kam danach der Schnee: Über dem Nordpol bahnt sich an, was es bisher nur in zwei Wintern gab

Zweimal geriet der Polarwirbel bisher Ende November aus dem Takt. Beide Male kam der Schnee später, aber er kam. Jetzt bahnt sich das schon Anfang November an.

Wer heute früh die Scheibe freikratzt oder durch den Nebel zur Arbeit fährt, bekommt davon nichts mit. Trotzdem spielt sich rund 30 Kilometer über der Arktis gerade etwas ab, das es seit Beginn der Auswertungen Ende der 1950er-Jahre so noch nie gegeben hat. Der Polarwirbel gerät ins Wanken, und die Westwinde rund um den Nordpol sollen nach den aktuellen Berechnungen genau in diesen Tagen komplett kippen.

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Bisher lag der früheste Termin für einen solchen Einbruch beim 28. November. Das gab es genau zweimal, 1968 und 2025. Diesmal wäre es gut drei Wochen früher so weit. Ein Blick zurück lohnt sich deshalb, denn beide Winter nahmen danach eine Wendung, mit der kaum jemand gerechnet hatte.

Sechs Wochen später lag der Norden unter Schnee

Der jüngste Fall liegt noch kein Jahr zurück. Ende November 2025 brach der Wirbel ein, doch bei uns blieb es zunächst ruhig. Der Dezember wurde sogar der zweitsonnigste seit 1951, und viele hatten den Winter schon abgeschrieben.

Was kommt denn da diesen Winter auf uns zu? Hat der Winter 2026/27 Überraschungspotenzial?
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Dann kam der Januar. Um den 8. Januar traf der Schnee den Norden mit voller Wucht, am 11. Januar sackte das Thermometer in Bremen auf minus 13,5 Grad. Im Nordwesten war es nach der Zahl der Schneedeckentage der schneereichste Januar seit 2010. Zwischen dem Bruch hoch über der Arktis und dem Winter vor der Haustür lagen rund sechs Wochen.

1969 versank Deutschland im Schnee

Nach dem Ereignis von 1968 ging es schneller los. Zum Jahreswechsel herrschte im ganzen Land Winter, und am 1. und 2. Januar 1969 fiel in Süddeutschland teils mehr als ein halber Meter Neuschnee. In den Niederungen lag der Schnee stellenweise bis zu 75 Zentimeter hoch, das Räumen von Straßen und Schienen verschlang Unsummen.

Der Höhepunkt folgte aber erst Mitte Februar. Bei teils strengem Dauerfrost tobte ein Schneesturm über dem Westen und Nordwesten, im norddeutschen Flachland lagen bis zu 50 Zentimeter Schnee, und der Verkehr kam vielerorts zum Erliegen. Limburg an der Lahn meldete minus 19,4 Grad. Im März gab es im Norden sogar meterhohe Verwehungen, ganze Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten.

Der Haken an der Geschichte

Zwei Fälle ergeben allerdings noch keine Regel. Der Januar 1969 fiel trotz des weißen Starts insgesamt zu warm aus. Auch der Winter 2025/26 lag am Ende 1,6 Grad über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990 und verabschiedete sich mit Vorfrühling. Ob der Polarwirbel damals wirklich den Ausschlag gab, lässt sich nicht beweisen.

Der Winter 2026/27 könnte auch in Deutschland für einige weiße Überraschungen sorgen.
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Dazu kommt das ungewöhnlich frühe Datum. Im November ist der Wirbel noch im Aufbau, die Wettermodelle betreten also Neuland. Außerdem mischt ein Super-El-Niño mit, der Westeuropa eher milde Monate verspricht. Kälte fließt nach so einem Bruch auch längst nicht immer zu uns, manchmal trifft es ganz andere Regionen.

Sankt Martin wird wohl eher nass als weiß

Für die nächsten Tage ändert der Rekord ohnehin wenig. Nachts bleibt es teils frostig, dazu hält sich vielerorts zäher Nebel. Ab dem 10. November setzt sich dann wahrscheinlich von Westen milderes und wechselhaftes Wetter durch.

Das Szenario mit kontinentaler Kaltluft und strengem Nachtfrost rund um den 11.11. hat zuletzt deutlich an Rückhalt verloren. Wer mit der Laterne oder zum Sessionsauftakt unterwegs ist, packt also besser den Regenschirm ein. Ganz sicher ist das zwar noch nicht, nach Schnee im Flachland sieht es derzeit aber nicht aus.

Im Advent zeigt sich, ob sich die Geschichte wiederholt

Spannend wird es danach. Bis so eine Störung unten ankommt, dauert es meist zwei bis sechs Wochen. Rechnet man ab jetzt, landet man grob zwischen dem 18. November und Mitte Dezember, also mitten in der Adventszeit.

Die Langfristmodelle zeigen außerdem für Januar und Februar die nächste, womöglich noch stärkere Störung des Wirbels. Gegen den Frost steht die gewaltige Wärme aus dem Pazifik. Wer diesen Zweikampf gewinnt, kann heute niemand seriös sagen. Der Eiskratzer darf aber schon mal im Auto bleiben.