Diese Gebirgsstraße erstreckt sich über 60 Kilometer - und bietet eines der erstaunlichsten alpinen Erlebnisse
Kurven, Kehren, zwei Länder und spektakuläre Bergkulissen: Die Timmelsjoch-Hochalpenstraße ist nichts für schwache Nerven. Aber sie ist ein Traum für alle, die das Autofahren in den Alpen lieben.

Von Österreich nach Italien windet sich die Route durch Hochgebirgslandschaft bis auf 2474 Meter Höhe. Damit ist das Timmelsjoch einer der höchstgelegenen Grenzübergänge zwischen beiden Ländern. Unterwegs wechseln sich schwindelerregende Ausblicke, steile Anstiege und Serpentinen ab. Die Fahrt lässt sich allerdings nicht zu jeder Jahreszeit unternehmen: Schnee, Eis und Lawinengefahr machen die Straße im Winter unpassierbar.
35 Jahre bis zur Fertigstellung
Schon vor Jahrhunderten überquerten Händler und Reisende das Timmelsjoch, um Waren zwischen dem Ötztal und Südtirol zu transportieren. Der Ausbau zu einer modernen Straße erfolgte allerdings erst im 20. Jahrhundert.

Auf italienischer Seite begannen die Bauarbeiten 1933. Ursprünglich entstand eine Militärstraße, über die Truppen rasch in Richtung Österreich verlegt werden sollten. Das Projekt kam jedoch nicht bis zur Passhöhe: Zwei Kilometer vor dem Joch endete die Strecke.
Auf österreichischer Seite wurde das Vorhaben nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben. Zwischen 1955 und 1959 entstand die Nordrampe, die das Ötztal mit dem Pass verbindet: eine mautpflichtige Privatstraße. Seit 1968 ist die Verbindung vollständig und als öffentliche Straße nutzbar. Maut wird nur auf österreichischer Seite erhoben.
Herausforderung für Autofahrer und Radler
Heute ist die Timmelsjoch Hochalpenstraße vor allem eine beliebte Ausflugsroute. Enge Kurven und immer neue Ausblicke machen die Fahrt zum Erlebnis. Allerdings verlangt die Streckenführung Konzentration und Erfahrung. Für große Reisebusse und viele Lkw gelten Einschränkungen oder Fahrverbote.

Auch Rennradfahrer mit guter Kondition stellen sich der Herausforderung. Die Auffahrt von St. Leonhard im Passeiertal zur Passhöhe gehört zu den anspruchsvollsten Alpenanstiegen. Auf etwa 30 Kilometern sind rund 1800 Höhenmeter zu überwinden. Vor allem der letzte Abschnitt verlangt erhebliche Kraftreserven.
Die Öffnungszeiten bestimmt das Wetter. In der Regel ist die Passstraße von etwa Mitte Juni bis Anfang November zwischen 7 und 20 Uhr befahrbar. Der genaue Saisonbeginn und das Ende variieren je nach Schneelage.
Gletscher, Schmuggler, Motorräder
Nicht nur die Fahrt selbst macht den Reiz des Timmelsjochs aus. An der Passhöhe befindet sich das Passmuseum, das sich mit der Geschichte des Übergangs beschäftigt.
Die Architekturstationen entlang der Straße greifen weitere Themen auf: Die Station Fernrohr öffnet einen weitreichenden Panoramablick auf die umliegende Bergwelt, die Station Granat bietet Aussichten auf Moos und das Passeiertal.
An der Station Schmuggler geht es um den früheren grenzüberschreitenden Warenverkehr. Die Station Steg widmet sich unter anderem den Gletschern, der Natur und der Besiedlung des hochalpinen Raums.
Einblicke in die Baugeschichte der Straße vermittelt eine ehemalige Kaserne mit historischen Bildern und Berichten. Auf österreichischer Seite gehört außerdem der Top Mountain Panorama-Restaurant und das Top Mountain Motorcycle Museum mit seiner Oldtimersammlung zu den Stationen.
Artikelreferenz
Allgäuer Zeitung. (2026). Das ist eine der längsten Passstraßen der Welt - sie verbindet zwei Länder.