5.100 Hitzetote in wenigen Tagen: Warum der Mensch gegen Hitze nahezu wehrlos ist – und Kälte viel besser übersteht
Vor Kälte können wir uns schützen. Wir ziehen eine Jacke an, heizen Wohnungen, nutzen Decken, Mützen und Handschuhe. Während Kälte durch zusätzliche Isolation abgewehrt werden kann, besitzt der menschliche Körper gegen extreme Hitze nur einen entscheidenden Schutzmechanismus: die Verdunstung von Schweiß.

Leider kann man dem Körper nicht beliebig viele „Kühlschichten“ anziehen. Er muss überschüssige Wärme aktiv an seine Umgebung abgeben.
Dabei gelten die Gesetze der Thermodynamik. Der Körper erzeugt selbst in Ruhe ständig Wärme durch den Stoffwechsel.
Diese metabolische Wärme muss zusammen mit der von außen aufgenommenen Energie abgeführt werden. Dafür stehen grundsätzlich vier Wege zur Verfügung.
Wärmestrahlung, Konvektion, Wärmeleitung und Verdunstung
Solange die Luft kühler als die Haut ist, kann Wärme über Strahlung und Luftbewegung abgegeben werden. Steigt die Umgebungstemperatur jedoch in die Nähe der Hauttemperatur von etwa 33 bis 35 Grad, schrumpft dieses Temperaturgefälle.
Dann bleibt praktisch nur noch die Verdunstung von Schweiß als wirksame Kühlung. Genau hier beginnt die physikalische Falle!
Die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts zeigen, wie dramatisch die Folgen sein können. Für die außergewöhnliche Hitzeperiode Ende Juni 2026 schätzt das RKI rund 5.100 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland. Die Übersterblichkeit in der Kalenderwoche vom 22. bis 28. Juni lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei etwa 6.800 Fällen.
Schweiß kühlt nicht – erst seine Verdunstung tut es
Schwitzen allein senkt die Körpertemperatur noch nicht. Entscheidend ist, dass der Schweiß auf der Haut tatsächlich verdunstet.
Für den Übergang von flüssigem Wasser zu Wasserdampf wird viel Energie benötigt. Diese sogenannte Verdampfungsenthalpie wird der Haut entzogen – dadurch entsteht Verdunstungskälte.
Ein Gramm verdunstendes Wasser nimmt bei körpernahen Temperaturen ungefähr 2,4 Kilojoule Wärme auf.
Verdunstet Schweiß effektiv, kann der Körper deshalb beträchtliche Wärmemengen abführen.
Bleibt der Schweiß dagegen als Flüssigkeit auf der Haut stehen oder tropft herunter, ist der Kühlungseffekt deutlich geringer.
Wie viel Wasser noch verdunsten kann, hängt vom Wasserdampf-Partialdruck der Umgebungsluft ab. Trockene Luft besitzt noch eine hohe Aufnahmefähigkeit für zusätzlichen Wasserdampf. Feuchte Luft dagegen ist bereits stark mit Wasserdampf beladen.
Der Unterschied zwischen dem Dampfdruck an der feuchten Haut und dem Dampfdruck der Umgebung wird kleiner – und damit bricht auch die Verdunstungsleistung ein.
Die Feuchtkugeltemperatur zeigt die Grenze der Verdunstung
Genau diesen Prozess beschreibt die Feuchtkugeltemperatur, auch Kühlgrenztemperatur genannt. Sie ist die niedrigste Temperatur, auf die sich eine feuchte Oberfläche durch Verdunstung abkühlen kann.
Traditionell wird sie mit einem Psychrometer gemessen:
Dabei stehen zwei Thermometer nebeneinander.
- Das eine misst die normale Lufttemperatur, die sogenannte Trockenkugeltemperatur.
- Das zweite ist mit einem feuchten Stoff umgeben und wird belüftet. Verdunstendes Wasser entzieht ihm Wärme und kühlt es ab.
Der Unterschied zwischen beiden Messwerten heißt psychrometrische Differenz. Ist die Luft trocken, verdunstet viel Wasser: Die Differenz ist groß. Bei hoher relativer Luftfeuchtigkeit fällt sie kleiner aus. Bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit kann praktisch kein zusätzliches Wasser mehr verdunsten; beide Thermometer zeigen nahezu denselben Wert.
Für den Menschen bedeutet das: Je näher Feuchtkugel- und Lufttemperatur zusammenrücken, desto schlechter funktioniert das körpereigene Kühlsystem.
Warum der Körperkern gefährlich heiß wird
Kann der Organismus die aufgenommene und selbst produzierte Wärme nicht mehr abgeben, entsteht eine positive Wärmebilanz. Die überschüssige Energie wird im Körper gespeichert. Mediziner sprechen von Wärmespeicherung beziehungsweise einem Anstieg des sogenannten Heat Storage.
Die Körperkerntemperatur steigt. Gleichzeitig erweitert der Körper die Blutgefäße der Haut, um mehr warmes Blut an die Oberfläche zu transportieren. Diese kutane Vasodilatation belastet den Kreislauf, weil das Herz schneller pumpen muss.
Durch starkes Schwitzen verliert der Körper zusätzlich Wasser und Elektrolyte.
Das Blutvolumen nimmt ab, die Herzfrequenz steigt weiter und die Durchblutung lebenswichtiger Organe kann beeinträchtigt werden.
Die Folge reicht von Erschöpfung, Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen bis zu Hyperthermie, Hitzekollaps und Hitzschlag. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, da ihre Schweißproduktion, Durstwahrnehmung und Kreislaufanpassung häufig eingeschränkt sind. Auch Herz-, Lungen- und Nierenerkrankungen erhöhen das Risiko erheblich.
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— Meteored Deutschland (@MeteoredDE) July 13, 2026
Bis 20°C in 1500 Metern Höhe über dem Südwesten
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Die Hitzebelastung nimmt weiter zu
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Die alte 35-Grad-Grenze greift zu kurz
Lange galt eine Feuchtkugeltemperatur von 35 Grad als theoretische Überlebensgrenze. Diese Annahme beruhte jedoch auf stark vereinfachten Modellen.
Neuere physiologische Untersuchungen zeigen, dass kritische Grenzen deutlich früher erreicht werden. Je nach Alter, Geschlecht, Sonneneinstrahlung, Bewegung und Luftfeuchtigkeit können bereits Feuchtkugeltemperaturen zwischen etwa 22 und 34 Grad gefährlich werden. Besonders bei direkter Sonne und körperlicher Aktivität erhöht sich die aufgenommene Strahlungs- und Stoffwechselwärme zusätzlich.
WBGT: Der moderne Hitze-Index für den Menschen
Noch aussagekräftiger als die Feuchtkugeltemperatur ist der sogenannte WBGT (Wet Bulb Globe Temperature). Dieser Index wird weltweit im Arbeits-, Gesundheits- und Sportbereich verwendet, um die tatsächliche Hitzebelastung des Menschen zu bewerten.
Der WBGT kombiniert gleich mehrere Einflussgrößen:
- Lufttemperatur
Feuchtkugeltemperatur (Luftfeuchtigkeit und Verdunstung)
Schwarzkugeltemperatur (Sonnen- und Wärmestrahlung) - Dadurch zeigt der WBGT nicht nur, wie heiß die Luft ist, sondern wie stark der menschliche Körper tatsächlich belastet wird.