Die NASA und die ESA haben eine massive Meereshitzewelle festgestellt, die die Rückkehr von El Niño verstärkt
Die vom Satelliten „Sentinel-6 Michael Freilich“ gesammelten Daten zeigen ein riesiges Gebiet mit ungewöhnlich warmem Wasser im Pazifik, das sich bis in Richtung der Küsten Südamerikas erstreckt. Hier erfahren Sie, wie sich dies auf ENSO auswirken könnte.

Ein Satellit, der gemeinsam von der National Aeronautics and Space Administration (NASA) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) betrieben wird, hat eine riesige Warmwassermasse entdeckt, die sich auf die Küsten Südamerikas zubewegt – ein deutliches Zeichen dafür, dass sich das Klimaphänomen El Niño bereits entwickelt.
Diese Erkenntnis lieferte der Satellit Sentinel-6 Michael Freilich, der feststellte, dass der Meeresspiegel vor der Küste Perus um mehr als 6 Zoll über den Durchschnitt gestiegen ist. Dieser Anstieg der Wasserhöhe ist ein direkter Hinweis darauf, dass die Temperaturen unter der Meeresoberfläche ungewöhnlich stark ansteigen.
Als Ursache für diese Erwärmung gelten sogenannte Kelvin-Wellen – gewaltige Unterwasserwellen, die sich von Westen nach Osten über den äquatorialen Pazifik ausbreiten. Sie entstehen, wenn die üblichen Winde ihre Richtung ändern oder nachlassen, wodurch warmes tropisches Wasser in Richtung der Küsten von Kolumbien, Ecuador und Peru strömen kann.
Wissenschaftler der NASA erklären in einem ihrer jüngsten Berichte, dass das diesjährige Phänomen zwar etwas später einsetzte als die historischen Ereignisse von 1997 und 2015, jedoch bereits deren Stärke erreicht.
Rückblick auf ENSO
Die Geschichte dieses Phänomens reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück, als südamerikanische Fischer feststellten, dass sich das Meerwasser extrem erwärmte und die Fischbestände zurückgingen. Da dieses Ereignis oft mit den Feiertagen im Dezember zusammenfiel, nannten sie es „El Niño“ – in Anlehnung an die Geburt des Christkindes.
Seitdem versucht die Wissenschaft, diese Schwankung, bei der sich die Meeresoberfläche erwärmt, sowie ihr kühles Gegenstück, das als La Niña bekannt ist, besser zu verstehen. Diese Phasen beeinflussen häufig die Niederschlagsmengen und Temperaturen weltweit.
Auswirkungen auf die Wetter- und Klimabedingungen weltweit
Wenn sich diese warmen Wassermassen im zentralen und östlichen Pazifik ansammeln, verändern sie die atmosphärische Zirkulation grundlegend und beeinflussen den Jetstream, der für die Steuerung von Stürmen rund um den Globus verantwortlich ist.
Es ist anzumerken, dass das Ausmaß der Schäden direkt von der Intensität des ENSO-Phänomens abhängt. Während moderate Ereignisse nur Auswirkungen in Ländern in der Nähe des tropischen Pazifiks haben, haben stärkere Episoden globale Folgen, die zu schweren Dürren in Afrika oder katastrophalen Überschwemmungen in Regionen wie Kalifornien führen können.

Das liegt daran, dass El Niño seinen Höhepunkt in der Regel zwischen November und Januar erreicht; es werden noch einige Monate vergehen, bis das tatsächliche Ausmaß seiner globalen wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen deutlich wird.
Beobachtung des Pazifischen Ozeans aus dem Weltraum
Um diese enormen Veränderungen zu überwachen, setzen die NASA und die ESA hochpräzise Weltraumtechnologie ein, mit der die Meeresoberfläche alle zehn Tage mit einer Genauigkeit im Bereich von Bruchteilen eines Zolls gemessen werden kann. Die Überwachung der Ozeane ist nichts Neues; sie ist Teil einer lückenlosen historischen Datensammlung, die 1992 mit dem Satelliten TOPEX/Poseidon begann.
Dank dieser Satellitenüberwachung können Wissenschaftler das Verhalten von Kelvin-Wellen vorhersagen, Wettervorhersagen verbessern und Küstengemeinden dabei unterstützen, sich auf mögliche Katastrophen vorzubereiten.

The current satellite is part of the European Union's Earth observation program and is operated through an international collaboration between ESA, NASA, NOAA, and other technical organizations.
Um sicherzustellen, dass die Datenerfassung niemals unterbrochen wird, wurde Ende 2025 ein neuer Zwillingssatellit ins All gebracht, der voraussichtlich bis Ende dieses Jahres die volle Kontrolle über die Mission übernehmen und damit die Zukunft der globalen Klimaprognosen sichern wird.
Jedes El-Niño-Ereignis verläuft völlig anders, doch fast alle führen weltweit zu einem spürbar heißeren Jahr und zu drastischen Beeinträchtigungen in den Bereichen Landwirtschaft, Verkehr und Wasserversorgung.
Quellenhinweis
NASA Science. (June 18, 2026). El Niño Is Underway.
ESA Observing the Earth. (June 15, 2026). Pacific warming signals El Niño has stirred.