Wird es genug Nahrung für alle geben? Neue Karte zeigt, wie der Klimawandel die Landwirtschaft bis 2100 verändert
Eine neue Klimakarte zeigt dramatische Veränderungen der weltweiten Landwirtschaft. Während einige Regionen gewinnen, verlieren andere massiv an Ertragspotenzial – mit Folgen für Ernährungssicherheit, Migration und die globale Verteilung von Ressourcen.

Der Klimawandel wirkt sich nicht nur auf Temperaturen und Niederschläge aus, sondern zunehmend auch auf die Fähigkeit von Regionen, Nahrungsmittel zu produzieren.
Wie stark diese Veränderungen bereits heute sind und welche Gebiete künftig besonders betroffen sein könnten, zeigt das neue Projekt CADI (Climate-Driven Agricultural Decline Index).
Die Plattform kartiert Veränderungen der landwirtschaftlichen Produktivität weltweit mit einer Auflösung von rund zehn Kilometern und liefert Projektionen bis zum Jahr 2100.
Anpassungen wie neue Anbaumethoden, andere Kulturpflanzen oder technische Innovationen werden bewusst nicht berücksichtigt.
Hunderte Millionen Menschen leben bereits in betroffenen Regionen
Die Ergebnisse zeigen, dass die Folgen des Klimawandels längst messbar sind. Mehr als 640 Millionen Menschen leben heute in landwirtschaftlichen Regionen, deren Produktionspotenzial gegenüber vor rund 30 Jahren um mehr als zehn Prozent gesunken ist.
Weltweit haben bereits etwa 16 Prozent der Ackerflächen mindestens zehn Prozent ihrer Produktivität eingebüßt.
Besonders betroffen ist der Regenfeldbau, der direkt von natürlichen Niederschlägen abhängig ist. Dort fallen die Verluste teilweise noch deutlich größer aus.
Tropen verlieren, hohe Breiten gewinnen teilweise
Die Veränderungen sind räumlich sehr ungleich verteilt. Besonders starke Einbußen verzeichnen tropische Regionen in Afrika, Südamerika und Teilen Asiens. Dort führen steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und zunehmender Wasserstress zu sinkenden Erträgen.
Gleichzeitig könnten einige Regionen in höheren Breiten vorübergehend profitieren. Dazu zählen Teile Skandinaviens, Finnlands, Kanadas sowie einige Gebirgsregionen Europas. Dort verlängern höhere Temperaturen die Vegetationsperiode und schaffen teilweise günstigere Wachstumsbedingungen.
Allerdings warnen die Wissenschaftler vor Fehlinterpretationen:
Viele dieser Regionen starten von einem vergleichsweise niedrigen Produktionsniveau. Hohe prozentuale Zuwächse bedeuten deshalb nicht automatisch große zusätzliche Erntemengen.
Fast die Hälfte der Weltbevölkerung könnte betroffen sein
Besonders alarmierend sind die Projektionen für die kommenden Jahrzehnte. Gegenwärtig leben etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung in Gebieten mit einem Rückgang der landwirtschaftlichen Produktivität von mindestens fünf Prozent.
Zudem konzentrieren sich die Verluste auf vergleichsweise wenige Gebiete. Bereits heute entfallen 35 Prozent der weltweiten Einbußen auf lediglich fünf Prozent der landwirtschaftlichen Flächen.
Anpassung wird zur entscheidenden Herausforderung
Die Studie versteht sich als Frühwarnsystem für Politik, Landwirtschaft und Entwicklungsorganisationen. Die Forscher betonen, dass die tatsälchigen Auswirkungen maßgeblich davon abhängen werden, wie erfolgreich Anpassungsmaßnahmen umgesetzt werden können.
Neue Pflanzensorten, effizientere Bewässerung, veränderte Anbauverfahren und technologische Innovationen könnten einen Teil der Verluste ausgleichen.
Damit wird deutlich: Der Klimawandel verändert nicht nur das Wetter, sondern zunehmend auch die geografischen Grundlagen der globalen Ernährungssicherheit.
Artikelreferenz
CADI Climate-Driven Agricultural Decline Index. Where will climate change hit agriculture hardest?.