Hamburger sehen Klimawandel zunehmend als persönliche Gefahr: Risikobewusstsein erreicht neuen Höchststand

Die Hamburger Bürgerinnen und Bürger nehmen den Klimawandel immer stärker als unmittelbare Bedrohung wahr. Einer aktuellen Studie zufolge rechnen so viele Menschen wie noch nie damit, persönlich von Naturkatastrophen getroffen zu werden.

Auch in Hamburg spürt man die Veränderungen durch den Klimawandel. Bild: Jonas Tebbe/Unsplash
Auch in Hamburg spürt man die Veränderungen durch den Klimawandel. Bild: Jonas Tebbe/Unsplash

Die Sorge vor den Folgen des Klimawandels nimmt in Hamburg weiter zu. Wie eine aktuelle Langzeitstudie zeigt, empfindet eine stabile Mehrheit den Klimawandel als ernsthafte Gefahr für die Hansestadt. Besonders auffällig ist die Zunahme bei der persönlichen Betroffenheit.

Bereits zum 19. Mal haben Forschende des Helmholtz-Zentrums Hereon gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa Hamburgerinnen und Hamburger zu ihrer Wahrnehmung des Klimawandels befragt. Ziel der seit 2008 laufenden Untersuchung ist es, langfristige gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar zu machen.

Persönliche Betroffenheit auf Rekordniveau

Inzwischen halten es 64 Prozent der Befragten für möglich, selbst von einer Naturkatastrophe betroffen zu sein. Einen höheren Wert gab es seit Beginn der Erhebungen nicht. Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Frauen aus, deren Anteil innerhalb eines Jahres um zwölf Prozentpunkte zunahm.

Studienergebnisse zur Frage, wann die Folgen des Klimawandels in Hamburg spürbar werden (2008–2026). Bild: Nicolaysen & Ratter, 2026
Studienergebnisse zur Frage, wann die Folgen des Klimawandels in Hamburg spürbar werden (2008–2026). Bild: Nicolaysen & Ratter, 2026

Auch das allgemeine Risikobewusstsein bleibt hoch. Wie schon im Vorjahr betrachten 63 Prozent der Befragten den Klimawandel als große oder sehr große Bedrohung für Hamburg.

Nachdem das Risikobewusstsein unter jungen Menschen im vergangenen Jahr zurückgegangen war, zeigt sich nun eine Trendwende. In der Altersgruppe zwischen 14 und 39 Jahren sehen inzwischen 45 Prozent den Klimawandel als große Gefahr. Gleichzeitig ging der Anteil jener deutlich zurück, die das Risiko als vergleichsweise gering einschätzen.

„Mit dieser Langzeitstudie untersuchen wir die tiefgehenden Einstellungen zum Klimawandel sowie Trends, die jenseits tagesaktueller Diskussionen die gesellschaftlichen Einstellungen bestimmen“, erklärt Studienleiterin Prof. Beate Ratter, vom Hereon-Institut für Küstensysteme.

Sturmfluten bleiben größte Sorge

Bei den konkreten Risiken dominiert weiterhin die Sorge vor Sturmfluten und Überschwemmungen. Zwei Drittel der Befragten halten sie für die größte Bedrohung Hamburgs. Gleichzeitig gewinnen Stürme an Bedeutung, während Hitzewellen etwas seltener als zentrales Risiko genannt werden.

Persönliche Vorsorgemaßnahmen für künftige Extremwetterereignisse in Hamburg (2019 bis 2026). Bild: Nicolaysen & Ratter, 2026
Persönliche Vorsorgemaßnahmen für künftige Extremwetterereignisse in Hamburg (2019 bis 2026). Bild: Nicolaysen & Ratter, 2026

Mehr als die Hälfte der Befragten ist inzwischen überzeugt, dass die Folgen des Klimawandels bereits heute spürbar sind. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, die gravierende Auswirkungen erst später oder in einigen Jahrzehnten erwarten, gegenüber 2009 nahezu stagniert. Von einem Zeitraum „in über dreißig Jahren“ gingen im Jahr 2009 nur 9 Prozent aus – bis zum Jahr 2026 waren es nur noch 2 Prozent aller Befragten.

Die Bereitschaft zur persönlichen Vorsorge nimmt zu: Warn- und Wetter-Apps werden weiterhin von drei Vierteln der Befragten genutzt, während inzwischen 57 Prozent Notvorräte anlegen. Dagegen sinkt die Zahl der Menschen mit Versicherungen gegen Klimaschäden auf einen neuen Tiefstand.

„Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der Klimawandel weiterhin von einer stabilen Mehrheit als ernstzunehmende Gefahr eingeschätzt wird“, fasst Hereon-Wissenschaftlerin Johanna Nicolaysen zusammen. „Gleichzeitig verändert sich die gesellschaftliche Debatte über persönliche Betroffenheit, politische Verantwortung und die konkrete Ausgestaltung von Klimaschutzmaßnahmen.“

Artikelreferenz

Nicolaysen, J., & Ratter, B. (2026). Risikobewusstsein Hamburger Bürger_Innen für den Klimawandel 2026. Studie des Helmholtz-Zentrum Hereon.