Zum Start des Extremwetterkongresses in Hamburg: METEORED-Talk mit Klimaexperte und Diplom-Meteorologe Dominik Jung
Der Extremwetterkongress Hamburg lenkt die Aufmerksamkeit auf den Klimawandel. Aus diesem Anlass spricht METEORED mit dem renommierten Diplom-Meteorologen Dominik Jung über Deutschlands Zukunft zwischen Hitze, Starkregen und milden Wintern.

Der Extremwetterkongress in Hamburg ist in diesen Tagen ein zentrales Forum für Fachleute, Medien und Politik. METERORED nimmt den Kongress zum Anlass, mit dem renommierten Forscher, Diplom-Meteorologen, Klimaexperten und Sachbuchautor (Alles, was Du übers Wetter wissen musst) Dominik Jung ein Interview über die Zukunft unseres Klimas zu führen. Jung, der seit Jahrzehnten Wetter- und Klimaphänomene wissenschaftlich und journalistisch begleitet und einordnet, macht im Gespräch deutlich: Deutschland steht vor massiven Veränderungen.
Keine Winter mehr wie früher
„Die klassischen Jahreszeiten lösen sich zunehmend auf“, erklärt Jung. „Winter mit Schnee und Eis sind in vielen Regionen Deutschlands fast Geschichte. Stattdessen erleben wir lange, graue Phasen mit mildem Wetter, die kaum noch vom Herbst zu unterscheiden sind.“ Das bedeute nicht, dass Kälte komplett verschwinde – doch die Abweichung werde zur Regel.
Klimamodelle bestätigen diese Tendenz: Die Wahrscheinlichkeit für strenge Winter sinkt drastisch. Kinder, die heute geboren werden, könnten in vielen Regionen Deutschlands kaum noch Schnee im Alltag erleben.
Mehr Extreme als neue Normalität
Ein zweites großes Thema sind die zunehmenden Extreme. „Starkregen, Hitzewellen und Stürme sind keine Ausnahmen mehr, sondern treten häufiger und intensiver auf“, so Jung. Ereignisse wie die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 seien Mahnmale für die neue Realität.
Besonders problematisch seien blockierende Wetterlagen, bei denen Hoch- oder Tiefdrucksysteme über Wochen verharren. „Das führt entweder zu Trockenheit und Dürren oder zu Dauerregen mit Überschwemmungen. Für Landwirtschaft, Energieversorgung und Infrastruktur ist das eine enorme Herausforderung.“
Worauf sich Deutschland einstellen muss
Auf die kommenden Jahrzehnte angesprochen, warnt Jung: „Wir brauchen eine klimafeste Gesellschaft. Das betrifft den Städtebau, die Landwirtschaft und die Energieversorgung gleichermaßen.“ In den nächsten 20 bis 30 Jahren müsse Deutschland massiv investieren, um auf Hitzewellen, Hochwasser und Dürren vorbereitet zu sein.
„Klimaanpassung ist kein Luxus – es ist eine Überlebensstrategie. Städte müssen Hitzeinseln reduzieren, Flüsse und Küsten müssen besser geschützt werden.“
Blick auf die nächsten 50 Jahre
Für einen längeren Zeitraum zeichnet Jung ein klares Bild: „Deutschland wird mediterraner. Der Süden bekommt klimatische Bedingungen wie heute Norditalien, im Norden drohen Sturmfluten und Küstenschäden durch den Meeresspiegelanstieg.“ Städte würden unter immer stärkeren Hitzebelastungen leiden, während Starkregenereignisse häufiger massive Schäden verursachen.
„Ob dieser Wandel kontrollierbar bleibt, hängt davon ab, ob wir Emissionen eindämmen und uns gleichzeitig klug anpassen. Sonst riskieren wir eine Kette von Krisen.“
„Noch ist es nicht zu spät“
Trotz aller düsteren Szenarien bleibt Jung realistisch optimistisch: „Jede eingesparte Tonne CO₂ macht einen Unterschied. Das Klimasystem reagiert langsam, aber es reagiert. Wir können die schlimmsten Folgen noch abmildern.“ Der Extremwetterkongress in Hamburg sei daher ein wichtiger Moment, um über die Handlungsfähigkeit der Gesellschaft zu sprechen.
„Das Klima verändert sich unumkehrbar – doch das Ausmaß bestimmen wir selbst. Jetzt entscheidet sich, ob wir das Ruder noch herumreißen.“