Urzeitliche Waldbrände nahe dem Südpol: So haben Feuer einst antarktische Moore entstehen lassen
Vor 90 Millionen Jahren brannten nahe dem Südpol regelmäßig Wälder. Ein neuer Blick auf einen Bohrkern aus der Westantarktis zeigt nun, dass Feuer dort nicht nur möglich waren, sondern offenbar die Entwicklung früher Torfmoore beeinflussten. Die Funde zeichnen das Bild eines warmen, feuchten und zugleich feuergeprägten Ökosystems.

Die Landschaft der Oberkreide unterschied sich radikal von der heutigen Antarktis. Wo heute ein kilometerdicker Eisschild liegt und Jahresmitteltemperaturen um minus 30 Grad herrschen, wuchs vor rund 90 Millionen Jahren ein gemäßigter Regenwald. Nadelbäume und Baumfarne prägten sumpfige Gebiete, in denen Dinosaurier lebten.
Das Klima war trotz der Nähe zum Südpol erstaunlich mild. Die mittlere Jahrestemperatur lag bei etwa zwölf Grad Celsius. Auf Phasen relativer Trockenheit folgten monsunartige Regenzeiten – während der rund viermonatigen Polarnacht blieb der Wald jedoch dauerhaft ohne Sonnenlicht.
Holzkohle verrät Brände
Im Jahr 2020 hatte das Team um den Meeresgeologen Johann Klages vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) bereits berichtet, dass es einen außergewöhnlich gut erhaltenen Waldboden aus dem Amundsenmeer entdeckt hatte. Pollen, Sporen und ein dichtes Wurzelnetz zeugten davon, dass dort ein Regenwald existiert haben musste. Der Fundort lag tektonisch bedingt nur etwa 900 Kilometer vom damaligen Südpol entfernt.
Nun wurde derselbe Sedimentbohrkern mit weiteren Methoden untersucht. Dabei fanden sich mikroskopisch kleine Holzkohlepartikel über den gesamten relevanten Abschnitt verteilt, zunehmend im jüngeren Sediment. Die Analysen sprechen dafür, dass vor allem weiches Nadelholz bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen brannte.

Das deutet auf bodennahe Feuer hin, die nicht zwangsläufig die Baumkronen erfassten. Zusätzliche Hinweise liefert Bernstein, der als Baumharz aus verbrannten Stämmen ausgetreten sein könnte, als natürlicher Wundverschluss. Aufschlussreich sind zudem zahlreiche Sporen des Torfmooses Sphagnum, das auf die ersten Hochmoore hinweist, die im Umfeld der ersten regelmäßigen Bränden entstanden.
Aus diesen Spuren ergibt sich, dass Feuer und Moorbildung zusammenhingen. Der Regenwald wurde durch zunehmende Brände und die starke jahreszeitliche Trockenheit schrittweise offener. Dadurch konnten sich Torfmoose ausbreiten, und aus den sumpfigen Waldflächen entwickelten sich torfgeprägte Moorgebiete. Innerhalb dieser Moore dürften später erneut bodennahe Schwelbrände aufgetreten sein.
Andere klimatische Bedingungen
Als Ursache der Brände kommen laut den Forschenden vor allem Gewitterblitze infrage. Vulkangebiete lagen mindestens 400 Kilometer entfernt, sodass Lava und Ascheströme wahrscheinlich nicht die Auslöser waren. Feuer könnten damit ein natürlicher Bestandteil des damaligen Ökosystems gewesen sein.

Die Studie ist auch für die Gegenwart relevant. Moore speichern große Mengen Kohlenstoff über lange Zeiträume und beeinflussen damit den globalen Kohlenstoffkreislauf. In einem wärmeren Klima können Sumpfgebiete schneller verlanden, derweilen häufigere Brände den sich ausbreitenden Wald bremsen und die Entwicklung offener, torfreicher Lebensräume fördern.
Die Forschenden sehen deshalb Parallelen zu heutigen Hochmooren, die ebenfalls von Feuer und Wasserhaushalt geprägt werden. Zugleich zeigt der antarktische Fund, wie stark sich Ökosysteme unter deutlich höheren CO₂-Konzentrationen verändern können. In der Oberkreide lag der atmosphärische CO₂-Gehalt etwa vier- bis sechsmal höher als heute.
Der Bohrkern liefert damit nicht nur einen Blick auf eine längst verschwundene Landschaft. Er dokumentiert auch eine frühe Verbindung von Wald, Feuer und Torfbildung und macht sichtbar, wie eng Kohlenstoffspeicherung und Klimaentwicklung miteinander verflochten sind.
Artikelreferenz
Salzmann, U., Bauersachs, T., Klages, J. P., et al. (2026). Co-evolution of wildfires and early Sphagnum-peatlands near the Cretaceous South Pole. Communications Earth & Environment.