In 80.000 Jahren nach Alpha Centauri: Eine Reise, die nur 15 Millionen Dollar kosten soll
Eine kleine Sonde, ein Budget von höchstens 15 Millionen Dollar und eine Reisezeit von rund 80.000 Jahren: Fermi Explorer plant einen ungewöhnlichen ersten Schritt in den interstellaren Raum. Ziel ist der nächstgelegene Nachbar unseres Sonnensystems, das Sternsystem Alpha Centauri.

Es ist ein Ziel für ferne Generationen. Die Fermi Explorer Mission will bis Ende 2029 eine Raumsonde in Richtung Alpha Centauri starten. Das rund 4,4 Lichtjahre entfernte Sternsystem ist der nächste stellare Nachbar der Sonne. Die geplante Flugzeit beträgt allerdings etwa 80.000 Jahre – ein Zeitraum, der die Lebensspanne sämtlicher heute lebender Menschen bei weitem übersteigt.
Gerade darin sieht Mitgründer und Präsident Philip Johnston den Sinn des Projekts. „Wir hoffen, sowohl die Ersten zu sein, die aufbrechen, als auch die Letzten, die Alpha Centauri erreichen“, erklärte er. „Keiner von uns wird hier sein, wenn diese Reise endet, und genau das ist der Punkt.“
Solarantrieb statt Science-Fiction
Die Organisation verfolgt damit bewusst einen anderen Ansatz für interstellare Reisen als bisherige, womöglich spektakulärere Konzepte. Statt auf eine futuristische Hochgeschwindigkeitsantriebstechnik setzt sie auf elektrische Solarantriebe, die bereits im Weltraum erprobt wurden. Das Ziel lautet nicht, Alpha Centauri innerhalb eines Menschenlebens zu erreichen, sondern überhaupt eine realistisch umsetzbare Mission zu starten.

Nach dem Start soll die Sonde zunächst etwa zwölf Jahre lang die Sonne umkreisen. Mithilfe mehrerer gezielter Triebwerksmanöver soll sie dabei schrittweise Geschwindigkeit aufbauen. Ein sogenannter Perihel-Pump soll schließlich dafür sorgen, dass die Sonde genügend Energie erhält, um das Sonnensystem zu verlassen und ihren langen Flug zwischen den Sternen anzutreten.
Bei der Missionsplanung arbeitete Fermi Explorer mit dem Physik-KI-Labor Physical Superintelligence zusammen. Dessen Analyse führte unter anderem zur Ausarbeitung des Manövers. Die Organisation will zudem ihre Forschung, Simulationen und Daten öffentlich zugänglich machen, damit Fachleute, Studierende und interessierte Laien die Annahmen überprüfen und eigene Vorschläge entwickeln können.

Das Vorhaben erinnert an das Projekt Breakthrough Starshot, das 2016 mit einem Budget von rund 100 Millionen Dollar angekündigt wurde. Winzige, lichtgetriebene Sonden sollten Alpha Centauri innerhalb von ungefähr 20 Jahren erreichen. Einen konkreten Starttermin gibt es dafür noch nicht. „Wir wollten nicht noch ein Breakthrough Starshot machen“, sagte Johnston dem MIT Technology Review. „Wir wollen unbedingt etwas, das tatsächlich startet.“
Kleine Sonde, große Botschaft
Fermi Explorer kalkuliert für Konstruktion, Start und Betrieb mit weniger als 15 Millionen Dollar ein. Die Sonde soll mindestens ein Kilogramm Nutzlast in einem abgeschirmten Würfel von zehn Zentimetern Kantenlänge transportieren. Wissenschaftliche und künstlerische Beiträge sollen in einem dreimonatigen Auswahlverfahren gesammelt werden.
Geplant ist außerdem eine digitale Kopie der Voyager-Goldenen Schallplatte sowie Botschaften von Kindern aus aller Welt. Die beiden Voyager-Sonden sind bisher die einzigen von Menschen gebauten Raumfahrzeuge, die das Sonnensystem verlassen haben. Voyager 1 bewegt sich mit rund 60.900 Kilometern pro Stunde durch den interstellaren Raum – Alpha Centauri liegt jedoch etwa 40 Billionen Kilometer entfernt.
Garrett Jameson, der ehemalige US-Luftwaffenoffizier und operative Leiter der Mission, sieht deshalb vor allem einen symbolischen Wert: „Der inspirierendste Teil dieser Mission ist, dass Menschen nicht auf Erlaubnis oder perfekte Bedingungen warten müssen.“ Man könne „die Einschränkungen annehmen, das bauen, was jetzt möglich ist, und der nächsten Generation etwas Bedeutendes hinterlassen“.
Damit versteht sich Fermi Explorer weniger als Versprechen auf eine schnelle Ankunft, denn als Startpunkt einer interstellaren Ära. Ob die Sonde tatsächlich 2029 abheben wird, wird sich noch zeigen. Doch selbst ein Flug, dessen Ziel erst in 80.000 Jahren erreicht wird, könnte schon heute eine Frage beantworten: ob die Menschheit den ersten Schritt zu einem anderen Stern wagt.