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Schon einmal von Schiffs- und Ladungsschweiß gehört?

An manchen Tagen geht der Blick in die Ferne. Da packt einen ein Fernweh und man möchte einfach anheuern auf einem großen Schiff und raus über die sieben Weltmeere die große weite Welt erkunden.

Containerschiff
Bei Fahrten in andere Klimazonen kann - durch die veränderten Witterungsbedingungen - die Ladung Schaden nehmen

Wo soll es hingehen? In die Südsee vielleicht, oder einfach über den Äquator, rum um das legendäre und berüchtigte Cap Hoorn, um die Südspitze Südamerikas. Oder soll zuerst den polaren Regionen ein Besuch abgestattet werden, was bei den erneut heiße Wetteraussichten für die nächste Woche sicherlich auch nicht so verkehrt wäre. Aber leider wird der Verfasser dieser Zeilen doch hierbleiben und die weite Welt nur in seiner Fantasie erkunden können. Vielleicht schifft er sich virtuell auf einem der unzähligen, tagtäglich die Weltmeere bereisenden Containerschiffe ein.

Dann wird er natürlich - als Meteorologe, der er nun einmal ist - sofort die verschiedenen Klimazonen im Sinn haben, die ‚sein‘ Schiff bereist. Nun, und genau da gibt es dann einige Probleme. Denn beim Transport von Ladungsgütern durch unterschiedliche Klimazonen kann es zu erheblichen Schäden und Verlusten kommen, die durch starke Belastungen aufgrund der speziellen Temperatur und Feuchteeinflüsse auftreten. Die Schäden können sogar im schlimmsten Fall zu Ladungs- und Schiffsbränden führen.

Aus diesem Grund nehmen Reedereien meist eine klimatologische Beratung in Anspruch, um zu erfahren, welchen meteorologischen Bedingungen das Ladegut während des Transports ausgesetzt ist und wie man den Gefahren mit geeigneten Gegenmaßnahmen begegnen kann.

Die wohl bedeutendste Ursache für die witterungsbedingte Schädigung des Ladegutes ist die Kondenswasserbildung, in der Seefahrt auch als auch Schweißbildung bezeichnet.

Generell tritt die Kondenswasserbildung ein, wenn sich die Luft unter den sogenannten Taupunkt abkühlt. Das ist beispielsweise auch der Fall, wenn einem im Biergarten ein kühles Getränk gebracht wird. Dann kühlt sich die Luft im direkten Umfeld des kalten Glases auch unter ihren Taupunkt ab und der Wasserdampf der Luft kondensiert auf der Glasaußenseite, wo sich dann die bekannten und oft auch von der Werbung in Szene gesetzten Tröpfchen bilden.

Schiffsschweiß

polare Klimazone
Bei Fahrten von warmen in kühle, polare Klimazonen besteht die Gefahr von Schiffsschweiß

Doch bevor der Verfasser in andere Sphären abdriftet, zurück zu unserer Seereise. Fährt das Schiff nun aus feuchtwarmen Gebieten in höhere Breiten, so kommt es aufgrund des deutlichen Rückgangs der Luft- und Wassertemperatur auch zu einer Abkühlung der Innenwände und Decken der Laderäume, bzw. der unklimatisierten Container. Damit kann im Inneren rasch der sogenannte Schiffsschweiß (oder auch Containerschweiß) entstehen. Die Folgen können dann beispielsweise Schimmelbildung, Verrottung der Verpackung, Selbsterhitzung sein oder – wenn Rohkaffee geladen wurde, kann dieser regelrecht muffig werden, was jetzt auch noch so förderlich für einen leckeren Kaffee ist.

Ladungsschweiß

tropische Klimazone
Bei Fahrten von kühlen in feuchtwarme, tropische Klimazonen besteht die Gefahr von Ladungsschweiß

Nimmt das Schiff die andere Route, also fährt es aus einer kühleren Klimaregion in feuchtwarme Klimazonen, so kann der sogenannte Ladungsschweiß entstehen. Dies ist der Fall, wenn die Außenluft an das noch kühle Ladungsgut gelangt (wir erinnern uns an das kühle Getränk im Biergarten). Die möglichen Wirkungen hierbei sind beispielsweise die Korrosion von Metallen, das Verklumpen von Zucker, das Abbinden von feucht gewordenem Zement und verschimmelte oder auch abgefallene Etiketten von verrosteten Konservendosen und vieles mehr. Anzumerken sei, dass es auch zu Schäden kommen kann, wenn die salzhaltige Meeresluft in den Frachtraum eindringt und dort für eine erhöhte Korrosionsgefahr oder sonstige Beeinträchtigung des Ladegutes sorgt.

Damit ist verständlich, dass neben der normalen Wetterberatung, die die Fahrt des Schiffes über das Meer begleitet, auch eine meteorologische Beratung für die Lagerung des Frachtgutes notwendig ist, sodass geeignete Maßnahmen (wie Kühlung oder Heizung, bzw. Frachtraumluftentfeuchtung) ergriffen werden können. Aber mit diesem im Sinn nimmt jetzt die virtuelle Reise ihren Lauf und der Verfasser wünscht Ihnen (aus der Südsee, der Karibik, oder eben vom Kap Hoorn) einen schönen weiteren Tag.