Oliven, Mandeln oder sogar Reis: Studie sagt radikalen Wandel der heimischen Landwirtschaft voraus

Der Klimawandel könnte die Landwirtschaft in Deutschland grundlegend verändern. Eine neue Studie zeigt nun, dass Franken bis zum Ende des Jahrhunderts klimatisch Norditalien ähneln könnte – was sich auch auf Anbau, Erträge und Sortenwahl auswirken dürfte.

Wenn die globale Erwärmung mit dem bisherigen Tempo fortschreitet, könnte der Anbau von Oliven und anderen mediterranen Pflanzen zur landwirtschaftlichen Norm werden. Bild: VALERIE/Pixabay
Wenn die globale Erwärmung mit dem bisherigen Tempo fortschreitet, könnte der Anbau von Oliven und anderen mediterranen Pflanzen zur landwirtschaftlichen Norm werden. Bild: VALERIE/Pixabay

Die Landwirtschaft in Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Jahrzehntelang galt das Land als vergleichsweise stabiler Agrarstandort mit nur seltenen großflächigen Ernteausfällen. Doch seit etwa 2015 haben extreme Wetterlagen spürbar zugenommen.

Hitzewellen und langanhaltende Trockenperioden führen inzwischen in rund der Hälfte aller Fälle zu Ertragseinbußen. Der Klimawandel wird damit zunehmend zu einem Risiko für landwirtschaftliche Betriebe.

Wie stark sich die Bedingungen künftig verändern könnten, hat nun ein Forschungsteam der Julius-Maximilians-Universität Würzburg untersucht. Im Rahmen des EU-Projekts BigData@Geo 2.0 analysierten die Wissenschaftler, welche klimatischen Bedingungen in der Region bis zum Jahr 2100 zu erwarten sind, vorausgesetzt, die globale Erwärmung bleibt weitgehend ungebremst.

Franken als mitteleuropäische Modellregion

Für die Untersuchung wurde bewusst die Region Franken ausgewählt, vor allem aufgrund ihrer Landschaft. Die Topographie reicht dort von tief liegenden Flusstälern bis zu Mittelgebirgsregionen mit Höhen von über 1000 Metern, was Franken zu einer Art verkleinertem Abbild der geographischen und klimatischen Unterschiede in weiten Teilen Zentraleuropas macht.

Entwicklungen, die sich hier abzeichnen, könnten künftig auch andere Regionen Deutschlands betreffen. Die Studienergebnisse haben deshalb überregionale Bedeutung.

Verantwortlich für die Untersuchung war ein interdisziplinäres Team aus Klimaforschung, Informatik und Fernerkundung. Erstautorin war die Klimatologin Dr. Luzia Keupp aus der Arbeitsgruppe von Professor Heiko Paeth. Die Studie wurde im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht.

Klimatische Zukunft Europas

Um mögliche Entwicklungen greifbarer zu machen, griff das Team auf sogenannte Klima-Analoge zurück. Dabei werden Regionen ermittelt, deren heutiges Klima den prognostizierten Bedingungen einer anderen Region in der Zukunft entspricht.

Für die Analyse verglichen die Forschenden 28 klimatische Kennzahlen miteinander. Zusätzlich wurden Bodenparameter wie Ton- und Sandanteile sowie der pH-Wert einbezogen.

Unsere Analysen zeigen eine massive Verschiebung der Klimazonen.

„Die höheren Mittelgebirgsregionen Frankens werden künftig ein Klima erleben, wie wir es heute aus dem norddeutschen Tiefland kennen“, erklärt Luzia Keupp. Die tiefergelegenen Täler hingegen würden Bedingungen erreichen, die heute typisch für die norditalienische Po-Ebene oder die Gascogne in Südwestfrankreich seien.

Neue Kulturen kündigen sich an …

Die Entwicklung hätte erhebliche Folgen für die Landwirtschaft. Einige heute verbreitete Kulturen könnten künftig deutlich an Bedeutung verlieren. Besonders betroffen wären Pflanzen, die weniger Hitze vertragen, vor allem Gerste und Zuckerrüben sowie bestimmte Futterpflanzen wie Silomais oder Futterölsaaten.

Die am häufigsten vorkommenden Kulturpflanzen in Franken unter den heutigen Klimabedingungen (oben) und unter den Bedingungen, die am Ende unseres Jahrhunderts vorherrschen (unten). Bild: Keupp, Hotho, Dech & Paeth, 2026
Die am häufigsten vorkommenden Kulturpflanzen in Franken unter den heutigen Klimabedingungen (oben) und unter den Bedingungen, die am Ende unseres Jahrhunderts vorherrschen (unten). Bild: Keupp, Hotho, Dech & Paeth, 2026

Andere Kulturen könnten hingegen stabil bleiben oder sogar profitieren. Dazu gehören etwa Roggen, Weizen, Raps und Mais. Auch der Weinbau dürfte nach Einschätzung der Forschenden in vielen Teilen Frankens an Bedeutung gewinnen.

Darüber hinaus eröffnen sich möglicherweise ganz neue Anbaumöglichkeiten. Durch die klimatische Annäherung an mediterrane Regionen könnten künftig auch Pfirsiche, Mandeln, Haselnüsse, Kastanien oder sogar Oliven wirtschaftlich interessant werden. Selbst Reis wäre unter bestimmten klimatischen Bedingungen denkbar. Außerdem könnte Sorghum, eine hitzeresistente Hirseart, an Bedeutung gewinnen.

… mit großen Einschränkungen

Allerdings lassen sich solche Szenarien nicht ohne Weiteres auf die Praxis übertragen. „Die nötige Wärme allein macht aus Franken noch kein Reisanbaugebiet“, sagen die Forschenden. Ein entscheidender Unterschied liegt etwa in der Wasserversorgung. Während Reisfelder in Norditalien vom Schmelzwasser der Alpen profitieren, fehlen vergleichbare Ressourcen in Franken völlig.

Auch beim Olivenanbau bleiben Risiken. Schon ein einzelner Kälteeinbruch mit Temperaturen unter minus 8,3 Grad Celsius könnte ganze Bestände zerstören. Neben klimatischen Faktoren spielen auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte eine Rolle, ebenso erfordern neue Kulturen Anpassungen in vielen Bereichen.

„Der Anbau neuer Sorten erfordert neues Fachwissen, spezielle Technik sowie völlig neue Logistikketten und Märkte.“

– Dr. Luzia Keupp, Klimatologin, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Erstautorin

Besonders bei Dauerkulturen wie Obstbäumen oder Weinreben ist die Planung komplex. Solche Pflanzen bleiben oft über Jahrzehnte auf denselben Flächen und zählen zu den kapitalintensivsten Investitionen eines Betriebs. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet das langfristige Investitionen und strategische Entscheidungen.

Mehr Hitze, längere Vegetationsperiode

Sollte sich der Klimawandel tatsächlich ungebremst fortsetzen, erwartet die Studie tiefgreifende Veränderungen für Franken. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte das regionale Klima dem heutiger Gebiete im nördlichen Mittelmeerraum ähneln. Gleichzeitig dürfte sich die Vegetationsperiode um etwa 70 bis 80 Tage verlängern.

Gleichzeitig nehmen Wetterextreme zu. Prognostiziert wird eine durchschnittliche sommerliche Erwärmung um rund vier Grad Celsius. Neben häufigeren Starkregenereignissen wird auch die Zahl der Dürretage deutlich steigen – eine Herausforderung, auf die sich Landwirtschaft und Politik schon heute vorbereiten müssen.

Quellenhinweis:

Keupp, L., Hotho, A., Dech, S., & Paeth, H. (2026): Undamped climate change poses the need for substantial shifts in cultivated crop types in Germany. Scientific Reports.