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Fische am Himmel!

Jedes Mal ist es eine Freude, wenn sie am Himmel auftauchen oder besser gesagt zu stehen scheinen. Auch für den erfahrenen Meteorologen dessen Blick sich nunmehr seit über 30 Jahren fast durchweg gen Himmel richtet und der sie schon so unzählige Male durfte. Nun, die Rede ist von Wolken, genauer gesagt von einer speziellen Wolkenart: Den lenticularis Wolken, im Volksmund auch gerne als fliegende Untertassen oder in Föhnfische bezeichnet.

lenticularis Wolke
einzelne lenticularis Wolke über dem Schwarzwald (Foto: Malte Neuper)

Geht man systematisch vor so bezeichnet ‚lenticularis‘ im Wolkenbenennungsschema lediglich eine Wolkenart. Diese kann innerhalb aller Wolkenfamilien, also den hohen, mittelhohen und tiefen Wolken auftreten. Am spektakulärsten ist sie aber eindeutig im Zusammenhang mit den mittelhohen Wolken der Gattung Altocumulus, um dann eben als Altocumulus lenticularis durchzugehen bzw. abgekürzt als Ac len.

Doch der Reihe nach. Lenticularis ist abgeleitet vom Lateinischen ‚lens‘ also der Linse und zielt damit recht eindeutig auf ihr linsenförmiges Aussehen ab. Andere Form-Assoziationen sind zigarrenförmig, fischförmig oder eben die berüchtigte fliegende Untertasse. Böse Zungen behaupten, dass, da es zu Letzterer leider kein lateinisches Pendant gibt, eben die Linse bei der Benennung herhalten musste.

Bildung der 'stehenden' Wolke

Nun, wie dem auch sei. Bei der lenticularis - in welchem Wolkenstockwerk sie auch immer erscheinen mag - handelt es sich in den allermeisten Fällen um eine orografische Wolke. Genauer gesagt, bildet sie sich, wenn feuchte Luft über ein Hindernis (also einen Hügel oder Berg) strömt. Wenn dann noch die atmosphärische Schichtung stabil ist, das heißt, dass vertikale Umlagerungen unterdrückt werden bzw. einer vertikalen Ablenkung der Luft in der Form entgegengewirkt wird, dass das abgelenkte Luftpaket wieder in sein Ausgangsniveau ‚gedrückt‘ wird, dann ist der Weg zumindest einmal offen zur Bildung eben jener aparten Gebilde von kondensiertem Wasserdampf. Stromab (alos quasi hinter) vom Hindernis kann sich nämlich eine Wellenförmige Bewegung ausbilden, in der die Luft auf der eine Seite der Welle nach oben strömt, um dann hinter dem Wellenscheitel wieder abzusinken.

Wenn die Luft ausreichend feucht ist, dass sie im aufsteigenden Ast der Luftbewegung sich ausreichend bis zum Taupunkt abkühlt, dann können in den Wellenköpfen eben die lenticularis Wolken entstehen. Aber anders als ihre anderen Wolken-Schwestern und -Brüder bewegen sich die lenticularis Wolken nicht mit dem Wind als solchem durch die weite Himmelslandschaft, sondern scheinen regelrecht - solange die Windgeschwindigkeit konstant ist - am Himmel zu stehen. Ihre Position bleibt fix wie eine Wasserwelle in einem rauschenden Bach hinter einem großen Stein.


Allerdings ist anzumerken, dass innerhalb der Wolke die Luft recht rasch einströmt, darin dann die Wolkentröpfchen entstehen, aber im absteigenden Ast der Welle die Luft wieder absinkt, sich erwärmt, wodurch schließlich die Wolkentröpfchen rasch (also am Wolkenende) verdunsten. Die Wolke an sich besteht nicht aus auf der Stelle in der Luft schwebenden Tröpfchen, sondern wird quasi an der einen Seite kontinuierlich gebildet, um an der anderen Seite sich kontinuierlich aufzulösen. Die Luft strömt durch also durch die Wolke hindurch.

Gestapelte Föhnfische

gestapelte lennticularis Wolke
Andeutungen einer 'Stapelung' der Lenticularis-Wolke durch unterschiedlich feuchte Luftschichten (Foto: Malte Neuper)

Eine spektakuläre Sonderform der lenticularis Wolken entsteht, wenn die Luftströmung Schichten feuchter Luft enthält, die jeweils durch trockenere Luft getrennt sind. Dann können sich stapelförmige lenticularis Wolken bilden. Also wie ein Stapel schön geschwungener Teller. Im Französischen wird daher diese Form als "pile d’assiettes bezeichnet.

An den Nordhängen des Riesengebirges, wo diese Stockwerks-lentis häufiger auftreten nennt man sie dagegen ‚Moazagottl-Wolken‘, zu Ehren des Schäfer Gotthelf Motz (auf Schlesisch „der Moatza Gottl“), der diese Wolken hier oft beobachtete und vor allem eingehend beschrieb.

Zu guter Letzt bleibt noch zum einen zu erwähnen, dass die Wolke von Segelfliegern geschätzt wird, zeigt sie doch Langstreckenflug-förderliche Leewellen an. Zum anderen sind viele vermeintliche UFO-Sichtungen auf sie und eben ihr fliegende-Untertassen-ähnliches Aussehen zurückzuführen.