Die Vertreter des Zweifels am Klimawandel begründen ihre Haltung
Die neue US-Regierung unter Donald Trump versucht, eine der grundlegendsten Säulen der weltweiten Klimapolitik zu kippen: die wissenschaftliche Erkenntnis, dass die Emission von Treibhausgasen, speziell von Kohlendioxid (CO2) für die Erderwärmung verantwortlich ist.

Um ihre Haltung dazu zu begründen, wurde ein spezieller Studienauftrag erteilt. Mit dem Ergebnis soll jedes bestehende Gesetz beim Kampf gegen die Klimaveränderungen in den USA aufgehoben werden. Betroffen sind alle Bereiche, bei denen Emissionen aus fossilen Energieträgern entstehen. Diese könnten eine komplette Renaissance erfahren.
Fünf Klima-Zweifler geben ihr Urteil ab
Das amerikanische Energieministerium (DOE) hat fünf Wissenschaftler als sogenannten Climate Working Group (CWG) ausgewählt, Diese sind als Zweifler am menschengemachten Klimawandel bekannt. Sie bestreiten die Untersuchungen von 97 % der weltweiten Wissenschaftler , die Maßnahmen gegen den Klimawandel fordern.
Aus dem Auftrag entstand ein Bericht, der genau zu dem Ergebnis kam, dass man erwarten durfte. Der DOE-Bericht erschien am 29. Juli. Nach Meinung der fünf Beauftragten Wissenschaftler sind die Ergebnisse der weltweiten Klimawissenschaft zu unsicher, um Strategien zu rechtfertigen, mit denen die Erderwärmung begrenzt werden soll.
Der nun entstandene Bericht ist auf die Behauptung ausgelegt, dass es zu viele Unsicherheiten gibt, um den Ausstoß von Kohlendioxid von staatlicher Seite aus zu regulieren.
Konträre Kommentare aus der restlichen Klimawissenschaft
Eine Gruppe von mehr als 85 Wissenschaftlern hat sich ausführlich mit dem DOE-Bericht beschäftigt. Sie haben einen mehr als 400-seitigen Kommentar eingereicht, den ich am Ende dieses Artikels verlinkt habe. Der Kommentar wurde zur Überprüfung der DOE, der amerikanischen Umweltschutzagentur EPA und der nationalen Wissenschaftsakademie vorgelegt.
Die Autoren des DOE-Berichts würden zu fehlerhaften Schlussfolgerungen durch selektive Filterung von Beweisen kommen. Diese beinhalten die Überbetonung von Unsicherheiten, falsch zitierte Peer-Reviewed-Forschungsberichte und eine allgemeine, gegensätzliche Meinung der überwiegenden Mehrheit von jahrzehntelangen und von Experten begutachteten Forschungen.
Jeder Zweifel am menschengemachten Klimawandel ist nicht tragbar
Nach dem Kommentar zum DOE-Bericht sollte niemand daran zweifeln, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel real ist, bereits potenziell gefährliche Auswirkungen hat und dass die Menschheit auf dem Weg zu einer enormen Erwärmung ist. Niemand wisse, welche sozioökonomischen Auswirkungen diese Erwärmung haben wird.
Der DOE-Bericht zur Untergrabung wissenschaftlicher Beweise spiegele Taktiken wider, die Jahre auch schon von der Tabakindustrie angewandt wurden, um Zweifel an der Aussage zur Gefährlichkeit des Rauchens zu schaffen.
Obwohl die Überprüfung und der Kommentar nicht explizit auf die Gefahrenpotenzialanalyse der EPA von 2009 eingehe, mache der Prozess der Zusammenstellung eines klar: In den 16 Jahren seit 2009 haben sich die Beweise für den vom Menschen verursachten Klimawandel und seine Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen permanent verstärkt.
Dem Energieministerium DOE wird empfohlen, die gründlich geprüften Bewertungen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaveränderungen (IPCC) und vorliegender nationaler Klimabewertungen zu verwenden, die genauere Darstellungen des mehrheitlichen, wissenschaftlichen Verständnisses des Klimawandels bieten.
Schauprozess gegen den Klimawandel
Es ist aufgrund der bereits erfolgten Entscheidungen der amerikanischen Regierung zu vermuten, dass nicht nur das DOE, sondern vor allen Dingen der amerikanische Präsident Donald Trump, dem DOE-Bericht weiter folgen wird.
Dahinter steht die Aussage, dass die weltweite Klimawissenschaft insgesamt als zu unsicher angesehen wird, um frühere, bereits vorliegende Gefährdungsbefunde zu rechtfertigen.
Alles eine Frage der Skalierung
Ein Vergleich der Berichte des Weltklimarats IPCC und des DOE führt zu folgendem Ergebnis:
Seitenanzahl IPCC Bericht Arbeitsgruppen 1 und 2: 5.300
Anzahl der beteiligten Autoren im IPCC Bericht Arbeitsgruppen 1 und 2: 2400
Anzahl zitierter Studien IPCC Bericht Arbeitsgruppen 1 und 2: 60.000
Dieser Vergleich zeigt, dass der DOE-Bericht 99 % der vom IPCC überprüften wissenschaftlichen Literatur ignoriert. Das ist nicht überraschend, denn fünf Autoren können keine 24.000 Artikel in der wissenschaftlichen Literatur lesen und analysieren. Eine solch umfassende Analyse erfordert Tausende von Mitwirkenden, wie sie das IPCC bei der Erstellung der Berichte beteiligt hat.
Das Erstellen eines solch komplexen Berichts erfordere auch einen viel längeren Zeitrahmen, um den Text zu schreiben. Diese Zeit hatten die DOE-Autoren nicht.
An dieser Stelle ist die Frage erlaubt, wie man eine sinnvolle Diskussion über ein Thema der Wissenschaft führen kann, wenn man fast die gesamte wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema ignoriert.
Die 85 Wissenschaftler, die den 400-seitigen Kommentar zum DOE-Bericht erstellt haben, nennen in ihrer Publikation zahlreiche Beispiele, die zeigen, dass die Autoren des DOE-Berichts über Themen geschrieben haben, die weit außerhalb ihrer Wissensbasis liege. Dies habe zu einem nicht verwertbaren Bericht voller Fehler geführt.
Der Hauptgrund, warum das IPCC Tausende von Autoren hat, sei die Sicherstellung, dass jeder Satz, der in einem IPCC-Bericht und dargelegt wird, von einem Expertenteam mit tiefen und grundlegenden Kenntnissen über das Thema geschrieben sei.
Fazit
Eine wichtige Frage wird sein, ob nicht nur die amerikanische Regierung auf die Begründung von fünf Klimazweiflern, den Autoren des DOE-Berichts, Bezug nehmen wird.
Aussagen beziehungsweise bereits getroffene Entscheidungen anderer Regierungen, auch in Europa, lassen vermuten, dass sich die amerikanische Politik des Zweifels am menschengemachten Klimawandel auch in anderen Teilen der Welt verbreitet. Bei der starken Lobby fossiler Energieträger wird diese Kehrtwende für Jubelstürme sorgen. Für den Kampf gegen den Klimawandel ist das allerdings ein fatales Signal.
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