Dauerhafte Sommerzeit in den USA: Auf dunklen Schulwegen haben Kinder ein höheres Unfallrisiko
Die Abschaffung der Zeitumstellung könnte in den USA unerwartete Folgen haben. Eine ganzjährige Sommerzeit würde unweigerlich dazu führen, dass Millionen Schulkinder noch im Dunklen zur Schule gehen müssten. Experten rechnen mit einem Anstieg der Verkehrsunfälle.

Die Vereinigten Staaten planen, eine dauerhafte Sommerzeit (Daylight Saving Time, DST) einzuführen, also dass die Uhren im Herbst nicht mehr eine Stunde zurückgestellt werden. Wissenschaftler der University of Washington haben darum nun untersucht, wie sich die Sommerzeit auf den Schulweg von Kindern auswirken würde. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass sich in den Wintermonaten die Verkehrssicherheit der jungen Fußgänger erheblich verschlechtern würde.
Hintergrund ist die politische Initiative zur Abschaffung des halbjährlichen Zeitwechsels. Der sogenannte Sunshine Protection Act sieht vor, die Sommerzeit dauerhaft einzuführen; 19 US-Bundesstaaten haben bereits entsprechende Gesetze verabschiedet. Allerdings würde die Regelung dazu führen, dass die Sonne im Winter vielerorts erst nach Schulbeginn aufgeht.
Dunkelheit erhöht das Unfallrisiko
Für ihre Untersuchung, die nun in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht wurde, werteten die Wissenschaftler tatsächliche Unterrichtszeiten und Sonnenaufgangsdaten von mehr als 16.000 Schulen in 14 Bundesstaaten aus. Dort würde eine permanente Sommerzeit gegenüber dem bisherigen Wechselmodell rund 356 Millionen zusätzliche Tage mit Schulwegen vor Sonnenaufgang verursachen. Landesweit errechneten die Forscher jährlich mehr als zwei Milliarden zusätzliche Wege im morgendlichen Dunkeln.

Besonders deutlich wird das am Beispiel Washingtons. Bei durchschnittlichen Schulanfangszeiten müssten Kinder bei einer dauerhaften Sommerzeit zwischen November und Februar an den meisten Schultagen vor Sonnenaufgang aufbrechen. Je nach Schulform kämen pro Kind etwa 30 bis 40 zusätzliche Tage mit einem morgendlichen Schulweg im Dunkeln hinzu.
Dass das nicht nur in der Theorie problematisch ist, zeigt die Auswertung nationaler Verkehrsunfalldaten aus den Jahren 2015 bis 2024. Die Forscher analysierten tödliche Unfälle an Schultagen zwischen 7 Uhr und 8.30 Uhr. Dabei zeigte sich, dass Zusammenstöße mit Fußgängern bei Dunkelheit viel häufiger waren als bei Tageslicht.

Für die Altersgruppe der 5- bis 18-Jährigen lag die Wahrscheinlichkeit, dass ein tödlicher Verkehrsunfall einen Fußgänger betraf, morgens vor Sonnenaufgang mehr als doppelt so hoch. Über alle Altersgruppen hinweg betrug der entsprechende Wert das 1,77-Fache. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass eine dauerhafte Sommerzeit mehr Kinder regelmäßig Bedingungen aussetzen würde, unter denen Fußgänger besonders gefährdet sind.
Weitere Nachteile der dauerhaften Sommerzeit
Neben der Verkehrssicherheit weisen die Wissenschaftler auch auf die gesundheitlichen Folgen hin. Der spätere Sonnenaufgang verschiebe den natürlichen Tagesrhythmus gegenüber den äußerlich vorgegebenen Schulzeiten noch weiter nach hinten. Gerade Jugendliche, deren biologische innere Uhr ohnehin häufig nicht mit frühen Unterrichtszeiten harmoniert, könnten dadurch noch schlechter schlafen. Das könne sich negativ auf Gesundheit, Konzentration und schulische Leistungen auswirken.
Besonders Kinder aus einkommensschwächeren Familien könnte das treffen, weil sie oft bereits vor dem regulären Unterricht die Schule aufsuchen. Da die Untersuchung individuelle Anfahrtswege und tatsächliche Abfahrtszeiten nicht berücksichtigt, könnten die berechneten Belastungen sogar noch unterschätzt worden sein.
Die Autoren sagen zwar, dass ihre Ergebnisse auf Beobachtungsdaten beruhen und keinen experimentellen Nachweis darstellen. Dennoch finden sie, dass die gesundheitlichen und sicherheitsrelevanten Folgen bei der politischen Entscheidung stärker berücksichtigt werden sollten.
Artikelreferenz
Rodríguez Ferrante, G., Dasika, N., Nam, A. et al. (2026). Over a billion more dark-morning school commutes for K–12 children under the Sunshine Protection Act. Current Biology.