Großeltern und Klimaschutz: Die Meinung zum Klimawandel ändert sich auch durch Enkelkinder nicht, so eine neue Studie
Wer Kinder und Enkel hat, blickt stärker in die Zukunft – und sorgt sich deshalb mehr um das Klima? Jüngste Untersuchungen finden keinen Beleg dafür, dass sich Großeltern durch ihre Enkelkinder stärker wegen des Klimawandels sorgen.

Der Wunsch, kommenden Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen, wird häufig als Grund dafür genannt, das Klima zu schützen. Doch eine neue Studie, die unter Beteiligung der Universität Trier entstanden ist, kommt nun zu dem Ergebnis, dass Oma und Opa nicht automatisch ihre Haltung ändern.
„Wir konnten nicht feststellen, dass die Geburt von Enkelkindern im Durchschnitt dazu führt, dass sich die Großeltern mehr um den Klimawandel sorgen“, sagt Dr. Lieke Voorintholt von der Universität Trier sowie vom IAAEU, dem Institut für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Union. Voorintholt wertete Daten der britischen Langzeitstudie Understanding Society aus.
Warum Großeltern nicht automatisch die Haltung verändern
Untersucht wurden Menschen zwischen 40 und 79 Jahren, die mindestens ein Kind im Alter von 14 Jahren oder älter hatten. Verglichen wurde die Einstellung vor und nachdem die Befragten Großeltern geworden waren. Ausschlaggebend war, ob der Aussage zugestimmt wurde: „Die Auswirkungen des Klimawandels liegen zu weit in der Zukunft, um mir Sorgen zu machen.“
Die Auswertung ergab, dass sich die Klimasorgen nach der Geburt eines Enkelkindes nicht bedeutsam veränderten. Auch zusätzliche statistische Prüfungen bestätigten das. Die zwei unterschiedlichen statistischen Verfahren beruhen auf verschiedenen Annahmen, führten aber zu dem übereinstimmenden Befund, dass zwischen Großelternschaft und größerer Sorge vor dem Klimawandel kein kausaler Zusammenhang besteht.

Die Forschenden schränken das Ergebnis zugleich ein. So liefert etwa der gewählte wissenschaftliche Ansatz weniger genaue Ergebnisse und gilt nur für eine bestimmte Untergruppe.
„Weitere Forschung muss noch prüfen, ob ein Meinungsumschwung vielleicht schon vor der Geburt von Enkelkindern stattfindet, wenn die eigenen Kinder z. B. erwachsen und in einer festen Beziehung sind und so die Aussicht auf Großelternschaft besteht“, erklärt Voorintholt.
Auch die Formulierung in der Befragung könnte eine Rolle spielen. Eine frühere Untersuchung zeigte beispielsweise, dass die Zustimmung zur Aussage deutlich sinkt, wenn sie allgemeiner formuliert wird. Die Messung von Klimasorgen könnte also davon abhängen, wie Befragte den zeitlichen Horizont verstehen.
Was das bedeutet
Die Studie kann nicht belegen, dass familiäre Nähe zu älteren Menschen diese automatisch stärker für den Klimawandel sensibilisiert. Vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung ist das relevant, denn der Anteil älterer Menschen an Bevölkerung und Wählerschaft nimmt unentwegt zu.
Die Autoren sehen deshalb Anlass, Strategien zur Klimakommunikation nicht allein auf das Wohlergehen von Kindern und Enkeln zu stützen. Andere Motive könnten entscheidender sein, wenn ältere Menschen für Klimaschutz erreicht werden sollen, etwa konkrete Folgen in ihrer Region, im Alltag und in der Gesellschaft.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift European Economic Review veröffentlicht. Sie soll die bisherige Forschung zu Elternschaft und Umweltverhalten ergänzen.
Artikelreferenz
Lieke Voorintholt, L., van den Berg, G. J., & Soetevent, A. R. (2026). For the future of our grandchildren: Grandparenthood and climate change concerns. European Economic Review.