Sintflut über Südfrankreich: Eine Region versinkt in über 200 Litern Regen, und das Schlimmste kommt erst noch
Sintflut-Alarm am Mittelmeer: Bis Dienstag rollt Regenwelle um Regenwelle über Südfrankreich, Montpellier drohen über 200 Liter. Und weil die Böden vollaufen, wird jede neue Welle gefährlicher.

Der Regen, der heute über Südfrankreich einsetzt, ist erst der Anfang. Bis in die nächste Woche hinein rollt eine gefährliche Unwetterwelle nach der anderen über den Süden des Landes. Eine echte Pause ist nicht in Sicht, und genau das macht diese Lage so brisant.
Die aktuelle Regenkarte bis Dienstagabend (10. November) sieht zum Fürchten aus. Rund um Montpellier färbt sie sich tiefrot, dort stehen 204 Liter Regen pro Quadratmeter auf der Karte. In den Bergen nördlich der Stadt sind es sogar gut 226 Liter. Das ist grob ein Drittel dessen, was in Montpellier sonst in einem ganzen Jahr fällt.
Über 200 Liter: Hier säuft Südfrankreich am schlimmsten ab
Mitten im Zentrum der Sintflut liegt das Languedoc mit den Ausläufern der Cevennen. Für Alès zeigt die Karte rund 141 Liter, für Aubenas in der Ardèche 111 Liter und für Arles gut 100 Liter. Auch Montélimar bekommt fast 95 Liter ab, Nîmes immerhin 87 Liter.
Entlang der Rhône geht es nass weiter, mit rund 75 Litern in Pierrelatte, 62 in Avignon und 59 in Valence. In Marseille und Toulon sind es etwa 40 Liter. Wie brutal die Grenze verläuft, zeigt der Blick nach Westen: Narbonne bekommt nur rund 7 Liter ab, Toulouse nicht einmal 2 Liter.
Warum jede neue Regenwelle gefährlicher wird als die letzte
Am Anfang kann der Boden noch einen Teil des Wassers aufnehmen. Doch mit jedem Schub füllt er sich weiter, bis er kaum noch etwas schlucken kann. Was dann vom Himmel kommt, schießt direkt in Bäche und Flüsse. Deshalb kann ein Regenguss am Montag weit mehr Schaden anrichten als ein gleich starker am Freitag.
Der Motor dahinter ist bekannt. Feuchtwarme Mittelmeerluft strömt nach Norden, prallt gegen die Berge und regnet sich oft stundenlang über denselben Orten ab. Die Franzosen nennen das épisode cévenol. Die Region hat zudem schon einen harten Herbst hinter sich: Ende September galt im Gard und im Hérault bereits die höchste Warnstufe.
Lebensgefahr durch Sturzfluten, Erdrutsche und gesperrte Straßen
Die größte Bedrohung sind Sturzfluten. In den Cevennen können harmlose Bäche und fast trockene Flussbetten innerhalb kurzer Zeit zu reißenden Strömen werden. Das gilt auch für Flüsse wie den Gardon, die Cèze, den Hérault und die Ardèche. An steilen Hängen drohen zudem Erdrutsche und Geröll auf den Straßen.

In den Städten können die Kanäle die Wassermassen schnell nicht mehr fassen. Dann laufen Straßen, Keller und Unterführungen voll. Auch Bahnstrecken und Autobahnen können betroffen sein. Die A9, eine wichtige Route Richtung Spanien, führt mitten durch das Gebiet. Eingelagerte Gewitter können den Regen örtlich noch einmal verschärfen.
Urlauber aufgepasst: Das müssen Sie jetzt unbedingt wissen
Wer in der Region unterwegs ist, sollte die offiziellen Warnungen vor Ort täglich prüfen und den Anweisungen der Behörden sofort folgen. Campingplätze und Stellplätze in Flussnähe sind jetzt ein echtes Risiko. Wanderungen in Schluchten und Ausflüge in enge Täler sollten Sie unbedingt verschieben.
Fahren Sie niemals durch überflutete Straßen. Schon rund 30 Zentimeter fließendes Wasser können ein Auto mitreißen, und wie tief eine Senke wirklich ist, sieht man von außen nicht. Meiden Sie Tiefgaragen und Unterführungen, sobald es heftig regnet. Wer anreisen will, sollte die Route vorher prüfen und einen Plan B einpacken.
Bis Dienstag keine Entwarnung: Darum wird es jetzt erst richtig ernst
Wer nach dem ersten Regen aufatmet, wiegt sich in falscher Sicherheit. Die Regensummen wachsen bis Dienstagabend immer weiter an, und die Unwettergefahr bleibt über das Wochenende hinaus bestehen. Jeder neue Schub kann andere Orte besonders hart treffen, während es wenige Kilometer weiter glimpflich ausgeht.
Genau das macht solche Lagen so tückisch. Verschiebt sich der Kern nur ein Stück, können die Mengen vor Ort ganz anders ausfallen, und einzelne Gewitter können die Prognose sogar übertreffen. Wer in den nächsten Tagen nach Südfrankreich reisen will oder schon dort ist, sollte die Lage deshalb genau im Blick behalten.