Über der Arktis passiert etwas, das es so früh noch nie gab – und plötzlich taucht Schnee in den Wetterkarten auf

Über der Arktis passiert etwas, das es so früh noch nie gab – und plötzlich taucht Schnee in den Wetterkarten auf

Draußen Traumwetter, in den Wetterkarten plötzlich Kaltluft und Schnee bis in tiefe Lagen. Hoch über dem Nordpol bahnt sich Ungewöhnliches an. Was dahintersteckt und was noch offen ist.

Wer in diesen Tagen vor die Tür geht, denkt an vieles, nur nicht an den Winter. Das Wetter zeigt sich von seiner schönen Seite, und viele genießen die vielleicht letzten richtig angenehmen Tage des Herbstes. Umso mehr Aufsehen sorgen gerade die neuen Wetterkarten.

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Ab dem 10. November tauchen in den Modellen immer wieder Vorstöße von Kaltluft auf. Richtung Monatsmitte zeigen einzelne Berechnungen sogar eine Schneedecke bis in tiefe Lagen. Gleichzeitig ist ganz oben in der Atmosphäre etwas in Bewegung geraten, das für diese Jahreszeit höchst ungewöhnlich ist.

Polarwirbel gerät ungewöhnlich früh ins Wanken

Rund 30 Kilometer über dem Nordpol kreist im Winterhalbjahr der Polarwirbel, ein gewaltiges Band aus starken Westwinden. Er hält die eisige Luft wie ein Zaun über der Arktis zusammen. Läuft er stabil, bleibt die Kälte meist dort, wo sie hingehört.

Schon ab der zweiten Novemberdekade wird es spannend: Aus Nordosten nähern sich "zu kalte" Luftmassen für die Jahreszeit, aus Südwesten "zu warme".
Schon ab der zweiten Novemberdekade wird es spannend: Aus Nordosten nähern sich "zu kalte" Luftmassen für die Jahreszeit, aus Südwesten "zu warme".

Jetzt berechnen die Modelle etwas ganz anderes. Um den 5. und 6. November könnten die Winde in dieser Höhe komplett drehen, von West auf Ost. Meteorologen sprechen dann von einem Major Warming, einer plötzlichen Erwärmung der Stratosphäre. Die Luft kann sich dort oben innerhalb weniger Tage um 30 bis 50 Grad aufheizen.

Ein Ereignis ohne Vorbild

Das Besondere daran ist der Zeitpunkt. Seit Ende der 1950er-Jahre wird die Stratosphäre systematisch ausgewertet, und so früh im Jahr wurde ein solches Ereignis noch nie registriert. Die bisherigen Frühstarter lagen erst Ende November, darunter der 28. November 1968.

Dazu passt, dass sich der Wirbel im Oktober noch früher und kräftiger aufgebaut hatte als in vielen anderen Jahren. Für die Wissenschaft ist das hochspannend, für die Prognose aber schwierig. Es fehlen schlicht die Vergleichsfälle. Wie die Atmosphäre auf eine so frühe Störung reagiert, lässt sich aus der Vergangenheit kaum ablesen.

Die Kälte kommt nicht direkt aus der Stratosphäre

Hier lohnt ein genauer Blick, denn so einfach ist die Rechnung nicht. Eine Störung des Polarwirbels braucht meist einige Wochen, bis sie sich nach unten in unsere Wetterschicht durchgearbeitet hat. Für die Kaltluft ab dem 10. November wäre das viel zu früh.

Wahrscheinlicher ist eine gemeinsame Ursache. Der Jetstream verläuft derzeit in großen Wellen, und genau diese Wellen setzen dem Polarwirbel von unten zu. Zugleich können sie Kaltluft aus dem Norden weit nach Süden führen. Die eigentlichen Folgen des Polarwirbel-Bebens wären für Deutschland eher ab Mitte November bis in den Dezember hinein interessant.

Schneedecke bis ins Flachland: Das ist noch völlig offen

Bei allem Wirbel um die Karten gilt: Eine Schneedecke in zehn Tagen ist keine Vorhersage, sondern ein mögliches Szenario. Schon eine Verschiebung der Tiefs um wenige hundert Kilometer entscheidet darüber, ob es schneit, regnet oder einfach nur kühl und grau wird. Außerdem müssen Kaltluft und Feuchtigkeit genau zur gleichen Zeit zusammenkommen, und das klappt im November im Flachland nur selten.

Ab Montag ziehen im Südwesten Regenwolken auf. Doch es ist unklar, wieviel Niederschlag genau fallen wird.
Ab Montag ziehen im Südwesten Regenwolken auf. Doch es ist unklar, wieviel Niederschlag genau fallen wird.

Auch ein Major Warming ist keine Garantie für einen Wintereinbruch. Es gab schon Fälle, in denen die Stratosphäre verrücktspielte und am Boden kaum etwas davon ankam. Selbst ein Rückfall in mildes Westwetter mit Regen und Wind ist weiterhin möglich.

Wetter-Trend für November: So geht es jetzt weiter

Entscheidend werden die nächsten Tage. Bleiben die Modelle bei ihrer Linie, und rücken die kalten Varianten näher an den aktuellen Termin heran, wird die Sache belastbarer. Springen sie weiter hin und her, bleibt es vorerst bei einem Trend. Die Entwicklung über der Arktis und die neuen Berechnungen beobachten wir deshalb jeden Tag sehr genau.

Für Sie heißt das, die schönen Tage ganz entspannt zu genießen, denn für Panik gibt es keinen Grund. Wer die Winterreifen noch nicht aufgezogen hat, sollte sich aber langsam um einen Termin kümmern. Sicher ist bisher nur, dass dieser November noch richtig spannend werden kann.