Polarwirbel bricht so früh wie nie ein: Frost im Nordosten, 20 Grad im Südwesten – an dieser Grenze drohen Schneemassen

Polarwirbel bricht so früh wie nie ein: Frost im Nordosten, 20 Grad im Südwesten – an dieser Grenze drohen Schneemassen

Nächste Woche wird das Land zweigeteilt. Am Nordpol bricht so früh wie nie der Polarwirbel ein, und im Pazifik tobt ein Super-El-Niño. An der Grenze kann es richtig krachen.

So etwas sieht man im November selten. Zur Wochenmitte wird Deutschland regelrecht in zwei Hälften geteilt. Im Nordosten kommen die Temperaturen kaum noch über 0 bis 5 Grad hinaus, nachts gibt es verbreitet Frost. Wer in Berlin, Rostock oder Cottbus vor die Tür geht, braucht Mütze und Handschuhe.

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Ein paar Hundert Kilometer weiter fühlt es sich völlig anders an. Im Südwesten sind fast 20 Grad drin, am Oberrhein und im Breisgau vielleicht sogar noch etwas mehr. Dazwischen liegt eine messerscharfe Luftmassengrenze, und genau dort wird es spannend.

Rekord-Störung am Nordpol bringt das Wetter durcheinander

Der Grund für dieses Durcheinander liegt rund 30 Kilometer über der Arktis. Dort kreist im Winter normalerweise der Polarwirbel, ein riesiges Windband, das die eisige Luft im hohen Norden festhält. In diesem Jahr gerät er aber schon jetzt kräftig ins Wanken. Die Stratosphäre heizt sich innerhalb weniger Tage massiv auf, die Westwinde brechen zusammen.

Im Nordosten zur Wochenmitte kälter "als normal" und im Südwesten dagegen deutlich zu warm.
Im Nordosten zur Wochenmitte kälter "als normal" und im Südwesten dagegen deutlich zu warm.

Fachleute sprechen dann von einem Major Warming. Und das Verrückte daran: Seit Ende der 1950er-Jahre wird die Stratosphäre systematisch ausgewertet, und noch nie kam so ein Ereignis so früh im Jahr. Bisher lagen die frühesten Fälle Ende November. Die Wettermodelle betreten damit echtes Neuland.

Super-El-Niño heizt zusätzlich ein

Als wäre das nicht genug, läuft gleichzeitig im Pazifik ein El Niño der Superlative. Die Meerestemperaturen im tropischen Pazifik liegen weit über dem Normalwert, die Modelle sehen den Höhepunkt genau jetzt, im November und Dezember. Es könnte eines der stärksten Ereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen werden.

Allerdings muss man ehrlich bleiben. El Niño ist für das Wetter in Europa nur einer von vielen Faktoren, eine direkte Linie zu Schnee in Deutschland gibt es nicht. Er kann aber die Störung des Polarwirbels begünstigen, und genau diese Kombination macht den Winter 2026/27 so unberechenbar.

An der Luftmassengrenze kann es richtig schneien

Wenn ein Polarwirbel schwächelt, ändert sich unten am Boden die gesamte Strömung. Statt der üblichen milden Westwetterlage geht es plötzlich von Nord nach Süd. Polare Kaltluft und subtropische Warmluft prallen dann direkt aufeinander, und zwar oft genau über Mitteleuropa.

Die kommende Woche bringt Deutschland eine Temperaturzweiteilung.
Die kommende Woche bringt Deutschland eine Temperaturzweiteilung.

Solche Grenzen sind gefährlich. Zieht dort ein Tief entlang, kann es auf der kalten Seite kräftig schneien, während es wenige Kilometer weiter nur regnet. Bei 0 bis 5 Grad trifft es zunächst vor allem die Mittelgebirge. Wird die Kaltluft aber noch einen Tick kälter, ist auch im Flachland plötzlich alles drin.

Ab Mitte November wird es ernst

Wichtig zu wissen: Die Störung oben in der Stratosphäre schlägt nicht sofort auf unser Wetter durch. Sie braucht meist einige Wochen, bis sie sich bis nach unten durchgearbeitet hat. Der Zeitraum von Mitte November bis in den Dezember hinein ist deshalb besonders interessant.

Genau in diesem Fenster könnten sich die Kältevorstöße aus Nordosten häufen. Die Grenze, die sich jetzt andeutet, wäre dann nur der Auftakt. Eine Garantie für Schnee und Dauerfrost ist das aber trotzdem nicht, dafür schwanken die Modelle im Moment noch zu stark.

So geht es in den nächsten Wochen weiter

Fest steht: Langweilig wird dieser Spätherbst nicht. Die nächsten Tage zeigen, wo die Luftmassengrenze genau zum Liegen kommt und ob sie Niederschlag mitbringt. Liegt sie mitten über Deutschland, kann es regional schnell zu Glätte und Schneeverwehungen kommen, besonders in höheren Lagen.

An einer Luftmassengrenze kann sich im Winter häufig Starkschneefall bilden. Das wird aber in der kommenden Woche eher nicht der Fall sein.
An einer Luftmassengrenze kann sich im Winter häufig Starkschneefall bilden. Das wird aber in der kommenden Woche eher nicht der Fall sein.

Wer im Nordosten oder in den Mittelgebirgen unterwegs ist, sollte also rechtzeitig an Winterreifen denken. Und für alle anderen gilt: Die fast 20 Grad im Südwesten sollten Sie noch genießen. Sie könnten für eine ganze Weile die letzten sein.