Eisigster November-Start seit Jahren – und jetzt kippen auch noch die Prognosen. Wetterforscher: "Das hat Folgen“

Eisigster November-Start seit Jahren – und jetzt kippen auch noch die Prognosen. Wetterforscher: "Das hat Folgen“

Frost, Nebel, Eiseskälte am Morgen: Der November zeigt sich so frostig wie lange nicht. Doch die eigentliche Überraschung steckt in den neuesten Langfristprognosen – und die betrifft auch den Rhein.

Wer am Freitagmorgen das Haus verlassen hat, musste vielerorts erst einmal Scheiben kratzen. In Franken, in Sachsen, im Ruhrgebiet und in zahlreichen Tälern sank das Thermometer unter den Gefrierpunkt, örtlich auf minus 3 bis minus 5 Grad. Für viele Regionen war das die kälteste Nacht seit dem vergangenen Winter.

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Dazu kam dichter Nebel, teils mit Sichtweiten unter 150 Metern. Wer genauer hinschaut, merkt schnell: Das war kein Ausrutscher. Der November zeigt sich bisher von einer Seite, die man in den letzten Jahren kaum noch kannte.

Ein Novemberstart wie aus einer anderen Zeit

Die ersten Novembertage liefen in Deutschland deutlich zu kühl. Tagsüber kamen viele Orte nur auf 5 bis 10 Grad, unter zähem Hochnebel teils kaum darüber. Für Anfang November ist das ungewöhnlich, denn normalerweise sind um diese Zeit noch Werte um 10 oder 11 Grad drin. Die Abweichung lag zeitweise bei 1 bis 3 Grad unter dem Soll.

Auch der Samstagmorgen startet deutlich zu kalt für die Jahreszeit. Die Temperaturanomalien sind eindeutig negativ.
Auch der Samstagmorgen startet deutlich zu kalt für die Jahreszeit. Die Temperaturanomalien sind eindeutig negativ.

Das klingt nach wenig, ist es aber nicht. Die Novembermonate der vergangenen Jahre waren fast durchweg zu warm, Frost am Monatsanfang war eher die Ausnahme. Einen so frostigen Auftakt muss man schon eine Weile suchen. Am ehesten erinnert die Lage an den November 2016, als früh die ersten Flocken fielen und der Monat unterm Strich zu kalt endete.

Schuld ist ein Hoch über der Nordsee

Hinter der Kälte steckt eine klassische Ostlage. Ein kräftiges Hoch hat sich zwischen Nordsee und Skandinavien festgesetzt und schaufelt mit östlicher Strömung trockene, kühle Festlandsluft zu uns. Die atlantischen Tiefs, die sonst im November für milde und nasse Westwinde sorgen, kommen einfach nicht durch.

Wer noch auf Sommerreifen unterwegs ist, sollte jetzt wechseln. Frost und überfrierende Nässe gibt es morgens schon verbreitet, und wenn Mitte November die nächste Kaltluft kommt, wird es auf den Straßen schnell glatt.

In klaren Nächten strahlt die Wärme ungehindert ab. Gerade in Senken und Flusstälern sammelt sich die Kaltluft, dort wird es am frostigsten. Tagsüber hält sich der Hochnebel oft hartnäckig, denn die Novembersonne hat kaum noch Kraft, ihn aufzulösen. So bleibt es grau, feucht und kalt.

Wird es jetzt noch kälter?

Zum Wochenende kommt erst einmal Bewegung in die Lage. Von Südwesten erreicht ein schwacher Tiefausläufer das Land, am Sonntag fällt in der Mitte zeitweise etwas Regen, in den Alpen oberhalb von etwa 1000 Metern gibt es ein paar Flocken. Viel ist das nicht. Wo es nachts aufklart, bleibt Frost weiter möglich.

Von einem "zu warmen" November ist in der neusten ECMWF-Monatsprognose nicht viel übrig geblieben.
Von einem "zu warmen" November ist in der neusten ECMWF-Monatsprognose nicht viel übrig geblieben.

Spannend wird es ab etwa dem 10. November. Ein Teil der Wettermodelle lässt mildere Atlantikluft herein, ein anderer Teil baut die Ostlage neu auf und hätte dann sogar noch deutlich kältere Luft im Gepäck. Die Rechnungen gehen derzeit weit auseinander. Ein richtiger Kälteeinbruch ist also nicht vom Tisch, sicher ist er aber auch nicht.

Die Monatsprognosen sind regelrecht abgestürzt

Noch vor wenigen Wochen sah alles nach einem viel zu warmen November aus. Die Langfristmodelle hatten den Monat 2 bis 3 Grad über dem Mittel gesehen, dazu sollte es nass werden. Davon ist kaum etwas übrig. Inzwischen liegt der November in den Berechnungen nur noch ausgeglichen, gemessen am Klimamittel von 1991 bis 2020.

Noch auffälliger ist der Umschwung beim Niederschlag. Aus einem zu nassen Monat ist in den neuesten Läufen ein deutlich zu trockener geworden, und das Signal reicht bis in den Dezember hinein. Für einen Herbst, der ohnehin viel zu wenig Regen gebracht hat, ist das keine gute Nachricht.

Rhein im Dauertief: Die Trockenheit könnte sich festbeißen

Am deutlichsten sieht man die Folgen am Rhein. Am Pegel Kaub, dem wichtigsten Nadelöhr für die Binnenschifffahrt, standen zuletzt nur noch rund 20 Zentimeter. Normal wären gut zwei Meter. Der Sturmregen Ende Oktober hat dem Fluss nur eine kurze Atempause verschafft, seitdem fallen die Pegel wieder. Frachter fahren nur teilbeladen, die Transporte werden teurer.

Bleibt es über Wochen so trocken, wie die Prognosen es derzeit andeuten, dürfte sich die Niedrigwasserlage bis in den Winter ziehen. Nötig wäre tagelanger Landregen, und genau dafür gibt es bisher kein Signal. Mit jedem trockenen Tag sinkt die Chance, dass der Rhein in diesem Jahr noch einmal richtig Wasser bekommt.