Nach den Fluten in Spanien: Jetzt schlägt die Regenfront in Italien zu – was macht das Mittelmeer so gefährlich?
Fast 400 Liter auf Korsika, massive Überflutungen in Südfrankreich und Unwetterwarnungen für Italien: extrem warmes Meer, zu feuchte Luft und ein blockierendes Russlandhoch … Das sind Wetterparameter, die für die katastrophale Wetterlage hier in Europa sorgen. Was kommt da noch auf uns zu?

Nördlich von Solenzara meldete Météo-France am Dienstag bereits nahezu 400 Liter Regen pro Quadratmeter seit Beginn des Ereignisses. Örtlich wurden Intensitäten von bis zu 100 Litern innerhalb einer Stunde erreicht. Intensive Gewitterschauer blieben nahezu ortsfest. Die große Summe war ein Zwischenstand des Ereignisses, keine ausdrücklich ausgewiesene 24-Stunden-Menge.
Genau darin liegt die Gefahr: Ein Gewitter zieht normalerweise weiter. Bleiben kräftige Regenzellen dagegen über derselben Gegend liegen oder bilden sich ständig neu, bekommt ein begrenztes Gebiet immer wieder Nachschub. Straßen, Bäche und Entwässerungssysteme müssen dann enorme Wassermengen in kurzer Zeit verkraften.
Südfrankreich: Mehrere Monate Regen auf einmal
Auch auf dem Festland dokumentiert der französische Wetterdienst außergewöhnliche Mengen. In den zurückliegenden 24 Stunden wurden 221 Liter in Saint-Chamas, 181 Liter in Salon-de-Provence und 140 Liter in Marseille gemessen. Météo-France berichtet außerdem von über die Ufer tretenden Gewässern und laufenden Hochwasserereignissen.
Damit stehen hinter den dramatischen Bildern konkrete Messwerte. Sie dürfen allerdings nicht einfach mit den korsischen Ereignissummen zusammengerechnet oder gleichgesetzt werden: Ort und Messzeitraum gehören zu jeder Regenzahl dazu.
Italien steht als Nächstes im Fokus
Für Mittwoch, 21. Oktober, hat der italienische Zivilschutz Orange für Ligurien und Teile von Piemont, Venetien, Friaul-Julisch Venetien, Latium und Kampanien ausgewiesen. Erwartet werden kräftige Gewittergüsse, starke Böen, örtlicher Hagel und häufige Blitze.
Die Behörde beschreibt eine atlantische Störung, die ostwärts über Italien zieht. Die Unwetter in Spanien, Frankreich und Italien gehören damit in einen größeren Wetterzusammenhang.

Das Meer liefert Wasser – die Atmosphäre hebt es an
Die vorgelegte Wassertemperaturkarte zeigt über weiten Teilen des westlichen und zentralen Mittelmeers ungefähr 20 bis 24 Grad, weiter südlich und östlich teilweise höhere Werte. Das Meer steht damit als Feuchtequelle bereit. Ob es aktuell „extrem warm“ ist, lässt sich aus dieser Karte ohne Vergleich zum Klimamittel nicht bestimmen.
Strömt Luft über das Wasser, kann sie Feuchtigkeit aufnehmen. Trifft sie anschließend auf eine Front oder ein Gebirge, wird sie angehoben. Beim Aufsteigen kühlt sie ab, Wasserdampf kondensiert: Wolken und Regen entstehen.
„Zu feuchte Luft“ bedeutet meteorologisch deshalb vor allem: Für die jeweilige Wetterlage steht viel Wasserdampf zur Verfügung. Wie heftig es regnet, hängt zusätzlich von Hebung, Instabilität und Dauer ab.

In fünfeinhalb Kilometern Höhe kommt Bewegung hinein
Deine Atmosphärendaten beschreiben einen Höhentrog, der über Westeuropa nach Süden bis Richtung Westalpen vorstößt. Davor richtet sich die Höhenströmung zunehmend aus Süden auf.
Auf 500 hPa, ungefähr fünfeinhalb Kilometer Höhe, nähert sich kältere Luft. Eine zeitweise negativ geneigte Trogachse und starke Krümmung der Strömung liefern dynamische Unterstützung für Hebung. Treffen diese Vorgänge auf feuchte Luft, können sich kräftige Niederschlagsgebiete entwickeln.
Russlandhoch: Der Weiterzug wird ausgebremst
Auf den Wetterkarten liegt über Russland ein Hoch mit rund 1040 Hektopascal. Der dazugehörige Höhenrücken erschwert den westlichen Trögen das Vorankommen nach Osten.
Diese Wetterbremse ist entscheidend: Systeme ziehen langsamer, die Strömung wird umgelenkt, Regenfronten können länger wirksam bleiben ist ein wichtiger und mit ausschlaggebender Teil der großräumigen Konstellation in der Troposphäre über Europa.

An den Alpen wird aus Regen Schnee
Alpen und Apennin verstärken die Hebung, wenn feuchte Luft gegen ihre Hänge strömt. Die Summenkarte bis Samstag zeigt Niederschlagsschwerpunkte im Alpenraum und über Teilen Italiens. Das sind berechnete Gesamtmengen bis zum Kartenzeitpunkt, keine bereits gefallenen Niederschläge.
Am deutschen Alpenrand endet unterdessen der Föhn. Bodennah dreht der Wind auf Nordwest, eine Gegenstrom- und Staulage entsteht. Deine Vorhersagedaten nennen bis Donnerstagvormittag häufig 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter in knapp 24 Stunden, örtlich mehr.
Auf 850 hPa sinkt die Temperatur auf ungefähr null Grad, im Stau teilweise darunter. Die Schneefallgrenze kann nachts bis nahe 1.000 Meter zurückgehen. Besonders oberhalb von 1.500 bis 2.000 Metern sammelt sich Neuschnee.
Die entscheidende Frage lautet jetzt: Wo hält der Feuchtenachschub am längsten an? Wo kräftige Hebung, Gebirgsstau und langsamer Weiterzug zusammentreffen, kann die Wetterlage gefährlich werden.
Fällt nasser Schnee unterhalb der Baumgrenze auf noch belaubte Bäume, droht zusätzlich Schneebruch: Die schwere Last kann Äste abbrechen lassen, Straßen blockieren und Stromleitungen beschädigen. Die Warnungen für Italien zeigen, welche Regionen aktuell besonders aufmerksam bleiben müssen.
Artikelreferenzen
Dipartimento della Protezione Civile. Maltempo: allerta arancione in sei regioni.
Météo-France. pisode méditerranéen sur la région PACA avec des cumuls de pluie importants sur la Corse.
Dipartimento della Protezione Civile. Maltempo: allerta arancione in sei regioni.
Météo-France. Épisode méditerranéen sur la région PACA avec des cumuls de pluie importants sur la Corse.