Pro Grad Erwärmung 7 Prozent mehr Wasserdampf: Hessisches Fulda reagiert und etabliert prämiertes Starkregenwarnsystem

Heftigen Starkregenereignisse im Jahr 2018 machten dringlichen Handlungsbedarf deutlich, den Landkreis Fulda auch verstand. Der Kreis wurde aktiv: Gemeinsam mit allen 23 Städten und Gemeinden wurde ein Frühwarnsystem etabliert, das heute als preisgekröntes Beispiel für Klimaanpassung gilt.

Wenn die Straße bereits unter Wasser steht, ist Abwarten keine Strategie! Fulda setzt auf Sensoren und KI, um vor der Flut zu warnen.
Wenn die Straße bereits unter Wasser steht, ist Abwarten keine Strategie! Fulda setzt auf Sensoren und KI, um vor der Flut zu warnen.

Wärmere Luft kann heftigere Regengüsse bedingen, denn pro Grad Erwärmung kann Luft etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Unter geeigneten Wetterbedingungen steht dadurch mehr Feuchtigkeit für kräftige Niederschläge bereit. Das bedeutet nicht automatisch mehr Regen überall, erhöht aber das Potenzial für intensive Regengüsse, die meteorologisch als Starkregen oder Sturzfluten betitelt werden.

Wenn enorme Wassermengen innerhalb kurzer Zeit niedergehen, besteht ein enormes Risiko von Anschwellen kleiner Bäche gefährlich zu gefährlich reißenden Gewässern. Straßen werden zu Abflusswegen, Keller laufen voll. Der vorbildliche Landkreis Fulda beschloss die wetterbedingten Gefahren für seine Bürger früher erkennen zu wollen, statt erst auf überflutete Häuser zu reagieren.

Mehr als 180 Sensoren liefern Echtzeitdaten

Seit Ende April 2024 ist das Starkregenfrühalarmsystem im gesamten Landkreis im Einsatz. Mehr als 180 Sensoren erfassen an Gewässern, in Kanälen und an öffentlichen Gebäuden Niederschlagsmengen und Wasserstände.

Uns so funkionierts:

  • die Messwerte werden in eine Cloud übertragen
  • mithilfe künstlicher Intelligenz ausgewertet
  • und mit Wetterdaten kombiniert

Dies ermöglicht Ableitungen bezüglich der Einschätzungen zur lokalen Überflutungsgefahr. Die KI soll zudem mit zunehmender Datengrundlage dazulernen und die Vorhersagen weiter verbessern.

Drei Warnstufen, mehrere Alarmwege

Das System unterscheidet drei Stufen:

S1 bezeichnet intensiven Starkregen mit Überstau, S2 ein außergewöhnliches Ereignis mit Überflutung und S3 extremen Starkregen mit Sturzfluten.

Warnungen erreichen die Bevölkerung über Push-Nachrichten, SMS oder E-Mail. Bei der höchsten Warnstufe kommt ein Telefonanruf hinzu.

Die Starkregen-App kann ohne Registrierung genutzt werden; Nutzer wählen ihre Kommune aus.

Häuser im Wasser, Straßen verschwunden: Wer erst handelt, wenn die Flut da ist, hat wertvolle Zeit verspielt. Fulda setzt auf frühere Warnungen.
Häuser im Wasser, Straßen verschwunden: Wer erst handelt, wenn die Flut da ist, hat wertvolle Zeit verspielt. Fulda setzt auf frühere Warnungen.

Einsatzkräfte erhalten zusätzliche Werkzeuge:

digitale Alarm- und Einsatzplanung sowie Karten mit möglichen Überflutungsschwerpunkten, Fließtiefen und Fließgeschwindigkeiten. Damit können sie Schutzmaßnahmen gezielter vorbereiten.

Bis zu 60 Minuten Vorsprung

Nach Angaben des Umweltbundesamtes sind Warnungen bis zu 60 Minuten vorher möglich. Dieser Vorsprung ist keine Garantie für jedes Ereignis. Er kann jedoch entscheidend sein, um Menschen zu erreichen und Einsätze vorzubereiten.

Bei Starkregen im Mai 2024 half das System laut Umweltbundesamt bereits, Feuerwehreinsätze frühzeitig zu koordinieren. Weitere hessische Landkreise entwickeln inzwischen ähnliche Systeme.

Ausgezeichnete Vorsorge statt bloßer Absichtserklärungen

Im September 2026 erhielt der Landkreis Fulda den Bundespreis „Blauer Kompass“ in der Kategorie Kommunen – die höchste staatliche Auszeichnung für Projekte zur Vorsorge und Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt würdigten das Projekt mit 25.000 Euro Preisgeld. Ein großes Loch in der Kasse blieb dem Landkreis bei der Umsetzung erspart: Von den 920.000 Euro Projektkosten übernahm das Hessische Digitalministerium 828.000 Euro und damit 90 Prozent.

Artikelreferenzen

Landkreis Fulda. Starkregenfrühalarmsystem.
Umweltbundesamt. Wettbewerb Blauer Kompass.
Umweltbundesamt. 10 Jahre Bundespreis „Blauer Kompass“: Sechs herausragende Projekte zur Anpassung an den Klimawandel ausgezeichnet.