Sturm-Doppelschlag Freitag und Sonntag: Diese unsichtbare Gefahr lauert über Straßen und Gleisen

Zwei Sturmtiefs in drei Tagen, ein Super-Taifun vor Taiwan, Regenmassen am Mittelmeer. Für Deutschland lauert dabei eine Gefahr, die kaum jemand auf dem Schirm hat. Und sie hängt über uns.
Das Wetter schaltet in den Krawallmodus, und zwar gleich doppelt. Nach ruhigen Tagen mit Nebel, Ostwind und örtlich leichtem Frost rauscht am Freitag das erste Sturmtief vom Atlantik heran. Kaum ist es durch, steht am Sonntag schon das nächste vor der Tür, ausgerechnet in der Nacht der Zeitumstellung.
Gleichzeitig spielt das Wetter rund um den Globus verrückt. Vor Taiwan wirbelt ein Super-Taifun, am westlichen Mittelmeer haben Wettermodelle örtlich bis zu 500 Liter Regen pro Quadratmeter berechnet. Viele fragen sich jetzt: Steckt hinter all dem ein und dieselbe Kraft?
Freitag: Das erste Sturmtief trifft den Westen und Norden
In der Nacht zum Freitag erreicht das Tief mit einem Kerndruck um 970 Hektopascal den Südwesten Englands und schiebt seine Fronten anschließend über Deutschland. Im Westen und Norden gibt es verbreitet stürmische Böen, an der Nordsee und auf den Gipfeln der Mittelgebirge sogar Sturmböen. Dazu breitet sich kräftiger Regen aus.

Im Süden bleibt es zunächst etwas ruhiger, doch auch dort frischt der Wind spürbar auf. Mit dem Regen wird es nass, windig und richtig ungemütlich. Wer am Freitag unterwegs ist, sollte deutlich mehr Zeit einplanen und sich vor der Abfahrt über die aktuelle Lage informieren.
Sonntag: Der zweite Schlag mit großem Fragezeichen
In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt. Genau dann nähert sich das zweite, sehr tiefe Sturmtief, dessen Kern nördlich von Schottland liegt. Die Wettermodelle sind sich hier noch erstaunlich uneinig, die Unsicherheit ist ungewöhnlich groß.
Klar ist aber: An den Küsten und in den Gipfellagen sind schwere Sturmböen bis hin zu Orkanböen nicht ausgeschlossen. Auch im Binnenland kann es bis in die Nacht zum Montag kräftig blasen. Das Wochenende wird damit alles andere als gemütlich.
Die unsichtbare Gefahr: Laub macht Bäume zur Falle
Und jetzt kommt der Punkt, den viele unterschätzen. Die meisten Bäume tragen noch fast ihr komplettes Laub. Jede Krone wirkt bei Sturm wie ein riesiges Segel, der Wind greift mit voller Wucht an. Nach dem extrem trockenen Sommer sind viele Bäume zudem geschwächt, Wurzeln und Äste oft spröde.

Genau diese Kombination kann brandgefährlich werden. Äste brechen ab, ganze Bäume können umkippen, auf Straßen, Oberleitungen und Gleise. Bei der Bahn drohen Streckensperrungen und Verspätungen, im Straßenverkehr blockierte Fahrbahnen. Meiden Sie Wälder, Parks und Alleen, und parken Sie Ihr Auto nicht unter Bäumen.
Super-Taifun und Mittelmeer-Unwetter: Alles El Niño?
Fast zeitgleich zieht vor Taiwan der Super-Taifun Champi vorbei. Auf Guam hat er bereits Dächer abgedeckt und Bäume umgerissen, dem Norden und Osten Taiwans bringt er am Freitag und Samstag heftigen bis extremen Regen. Am westlichen Mittelmeer haben sich über dem viel zu warmen Wasser gewaltige Unwetter mit Starkregen und Gewittern entladen.
Steckt dahinter etwa La Niña? Nein, ganz im Gegenteil: Im Pazifik tobt ein Super-El-Niño, der zu den stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen zählen könnte. Er begünstigt im Westpazifik besonders langlebige, kräftige Taifune. Am Mittelmeer ist dagegen vor allem das extrem warme Meerwasser der Motor der Unwetter.
Was der El Niño für unseren Herbst und Winter bedeutet
Für unsere Sturmtiefs ist der El Niño nicht der direkte Auslöser. Seine Fernwirkung auf Europa ist deutlich schwächer als in Amerika oder Asien. Trotzdem bringt ein so extremes Ereignis die globalen Windsysteme durcheinander, und das kann sich über den Jetstream auch bei uns bemerkbar machen.
Für die kommenden Tage gilt: Lose Gegenstände auf Balkon und Terrasse schon vor Freitag sichern, die Wetterlage im Blick behalten und Fahrten möglichst flexibel planen. Der Herbst zeigt jetzt seine wilde Seite, und das womöglich nicht zum letzten Mal.