-20°C, -30°C oder noch kälter? Der Februar kann eisige Temperaturen bringen – Experte: Wo Deutschlands Kältegrenze liegt

Der Februar ist berüchtigt für späte Kälteattacken. Immer wieder überrascht er mit eisigen Nächten. Doch wie kalt kann es wirklich werden – und was ist realistisch?
Der Februar besitzt einen besonderen Ruf. Obwohl die Tage länger werden, ist die Atmosphäre oft noch voll winterlicher Energie. Der Boden ist ausgekühlt, Schneedecken liegen regional noch flächig, und klare Nächte ermöglichen eine starke Abstrahlung. Genau diese Kombination sorgt dafür, dass der Februar immer wieder für überraschend tiefe Temperaturen bekannt ist.
Viele Menschen verbinden ihn mit schneidendem Frost, klirrend kalten Morgenstunden und gefrorenem Atem. Meteorologisch ist das kein Zufall, denn der Winter hat zu diesem Zeitpunkt längst nicht alle Reserven verbraucht.
Warum Kälte gerade jetzt besonders effektiv ist
Im Spätwinter kann sich Kaltluft besonders gut behaupten. Die Sonne steht zwar höher, doch ihre Kraft reicht oft nicht aus, um eingeflossene Kaltluft rasch zu vertreiben. Vor allem Hochdrucklagen sorgen für wolkenlose Nächte, schwachen Wind und damit für maximale Abkühlung.

Wenn dann noch Schnee liegt, verstärkt sich dieser Effekt deutlich. Die Folge sind eisige Tiefstwerte, die subjektiv oft kälter wirken als im Hochwinter. Gerade diese Wetterlagen nähren jedes Jahr die Sorge, der Winter könne jetzt erst richtig zuschlagen.
Extreme Schlagzeilen und ihre Wirkung
Sobald irgendwo in Europa oder Nordamerika extreme Minusgrade gemessen werden, ist die Aufmerksamkeit groß. Bilder von vereisten Städten, minus 40 Grad in Sibirien oder zweistelligen Minuswerten in den USA erzeugen schnell den Eindruck, Ähnliches könne auch hier drohen.
Solche Vergleiche wirken emotional stark, lassen aber einen entscheidenden Punkt außer Acht: Deutschland liegt klimatisch in einer völlig anderen Zone. Dennoch prägen diese Berichte die Wahrnehmung und verstärken die Vorstellung eines möglichen Kälteextrems im Februar.
Die wirklichen Kälterekorde in Deutschland
Ein Blick auf die Messgeschichte bringt Klarheit. Der offizielle deutsche Kälterekord liegt bei rund minus 37,8 Grad, gemessen 1929 in Bayern. Häufig wird auch der Funtensee erwähnt, wo noch tiefere Werte registriert wurden. Diese Messungen stammen jedoch aus einer abgeschlossenen Senke mit extremen lokalen Bedingungen, fernab von Ortschaften. Für das allgemeine Winterwetter in Deutschland spielen sie praktisch keine Rolle. Realistisch bewegen sich selbst sehr kalte Februarnächte meist zwischen minus 15 und minus 25 Grad, lokal begrenzt und zeitlich kurz.
Warum Deutschland kein neues Sibirien wird
Der entscheidende Faktor bleibt die geografische Lage. Deutschland liegt zwischen atlantischem und kontinentalem Einfluss, wobei der Atlantik wie ein natürlicher Temperaturpuffer wirkt. Mildere Luftmassen sind größtenteils nicht weit entfernt und setzen sich früher oder später durch. Selbst kräftige Kaltluftvorstöße verlieren dadurch schnell an Intensität. Eine wochenlange, flächendeckende Extremfrostlage passt schlicht nicht zur Klimadynamik Mitteleuropas, auch wenn einzelne Nächte unangenehm kalt ausfallen können.
Was der Februar realistisch noch leisten kann
Der Februar kann winterlich, frostig und zeitweise sehr kalt werden. Bittere Nächte, gefrorene Böden und knackiger Dauerfrost sind möglich, besonders bei stabilen Hochdrucklagen. Doch es gibt klare Grenzen. Temperaturen jenseits von minus 30 oder gar minus 40 Grad gehören nicht zum realistischen Spektrum deutscher Winter. Der Februar ist der letzte große Auftritt des Winters – eindrucksvoll, manchmal eisig, aber kein Tor zur Extremkälte.