Heat Dome auf dem Sprung nach Deutschland - Wetterexperte: "Die Modelle rechnen Erschreckendes"

Der Heat Dome liegt noch über Spanien und Frankreich. Doch das amerikanische Wettermodell lässt ihn nach Osten kippen – im Westen Deutschlands drohen Dienstag und Mittwoch bis zu 40 Grad.
Es ist der Begriff, der diesen Sommer prägt wie kein zweiter: Heat Dome. Übersetzt: Hitzeglocke. Gemeint ist ein extrem kräftiges Hoch, das sich über alle Luftschichten bis in rund 5.000 Meter Höhe erstreckt und die Luft darunter wie ein Deckel auf dem Kochtopf festhält.
Die Luft sinkt ab, wird beim Absinken wärmer, Wolken lösen sich auf, die Sonne knallt ungefiltert auf den Boden.
Und weil der Boden längst staubtrocken ist, geht die eingestrahlte Energie fast komplett in Erwärmung – nicht in Verdunstung. Der Heat Dome heizt sich also selbst weiter auf. Genau dieses Monster lag Ende Juni über Deutschland. Jetzt sitzt es über Spanien und Frankreich. Und es wackelt.
Das Hoch beginnt zu kippen
Aktuell liegen wir noch auf der kühlen Seite. Doch das Tief über dem Nordosten zieht ab, und das Azorenhoch schiebt sich Meter für Meter nach Mitteleuropa. Ab dem Wochenende geht es los, ab Montag zieht es im Westen und am Rhein rasant an.

Und dann kommt die Rechnung, die aufhorchen lässt: Das amerikanische Modell GFS setzt für Dienstag und Mittwoch kommender Woche im Westen Spitzenwerte in Richtung 40 Grad an – örtlich sogar noch etwas mehr. Das europäische Modell bleibt zurückhaltender und sieht verbreitet 30 bis 35 Grad, im Südwesten bis 38. Zwei Modelle, zwei Welten.
Omega – der Buchstabe, der Hitze bedeutet
Die Zutat, auf die Meteorologen jetzt starren, heißt Omega-Lage. Ein kräftiges Hoch wird links und rechts von zwei Tiefs eingeklemmt, die Strömung bildet auf der Wetterkarte den griechischen Buchstaben Ω. Solche Lagen sind blockiert. Sie bewegen sich tagelang, manchmal wochenlang kaum von der Stelle.
Das Hoch, das uns die Hitze bringt, trägt – wie alle Hochs in diesem Jahr – einen Männernamen. Nach aktuellem Stand bleibt es mindestens bis zum 18. Juli wetterbestimmend. Erst danach nähert sich Störung aus Richtung Island und Skandinavien. Vielleicht.
Diesmal ist die Hitze anders
Ein wichtiger Unterschied zur Höllenhitze Ende Juni: Die Luft kommt diesmal deutlich trockener zu uns. Die Taupunkte bleiben im erträglichen Bereich, die drückende Schwüle fehlt zunächst. 35 Grad bei trockener Luft fühlen sich spürbar anders an als 35 Grad im Dampfbad.

Aber Vorsicht: Trocken heißt nicht harmlos. Trockene Luft heizt sich schneller auf. Und die stärksten Zuspitzungen erkennen die Modelle oft erst zwei bis drei Tage vorher. Wer die 40-Grad-Marke jetzt schon abschreibt, macht es sich zu einfach.
Der Boden ist am Limit
Das eigentliche Problem liegt nicht in der Luft, sondern darunter. Die Oberböden sind vielerorts ausgedörrt, die wenigen Hitzegewitter der vergangenen Tage haben kaum etwas gebracht – der Regen läuft auf verkrusteter Erde einfach ab. Die Waldbrandgefahr steigt mit jedem sonnigen Tag weiter an.
Landwirte schauen auf vertrocknete Bestände, Flusspegel sinken, die Grundwasserstände geben nach. Kommt jetzt eine weitere Woche ohne nennenswerten Niederschlag, verschärft sich die Dürre massiv. Und der Kreislauf beginnt von vorn: trockener Boden, mehr Hitze, noch trockenerer Boden.
Ist dieser Sommer ein Heat-Dome-Sommer?
Die ehrliche Antwort lautet: ja. Erst die außergewöhnliche Mai-Hitze, dann die historische Juni-Welle mit 41,7 Grad, mit 252 Stationen auf Allzeitrekord und 46 Stationen jenseits der 40-Grad-Marke. Jetzt die dritte Runde. Jedes Mal dasselbe Muster: ein blockierendes Hoch, das sich festsetzt und nicht weichen will.
Das ist kein Zufall mehr, das ist eine Erhaltungsneigung. Ob wir Dienstag und Mittwoch tatsächlich die 40 Grad sehen, entscheidet sich in den nächsten Modellläufen. Sicher ist nur: Der Sommer 2026 ist noch lange nicht fertig mit uns.