Frühlingswetter "open end" im Rheinland - Meteorologe sieht "Gefahr durch Spätfröste, wenn die Natur bald erblüht"

Was für ein fulminanter meteorologischer Frühlingsbeginn: Der Februar endete schon mit rekordverdächtigen Temperaturen und jetzt macht der März mit dem Frühlingswetter genauso weiter. Im Rheinland wird schon bald die Vegetation nachhaltig anfangen zu blühen. Drohen dann wieder Schäden durch Spätfröste?

Bei dem sehr milden Frühlingswetter wird die Vegetation im Rheinland zunehmend erwachen
Bei dem sehr milden Frühlingswetter wird die Vegetation im Rheinland zunehmend erwachen

Bis vor wenigen Tagen herrschte im Nordosten Deutschlands noch Dauerfrost und Teile der Ostseeküste sind immer noch eisbedeckt. Das Rheinland wurde zwar von der großen Kälte im vergangenen Winter verschont (die Region gehörte zur mildesten Ecke im Winter 2025/26 in Deutschland), jedoch sehnten sich auch hier die Menschen nach den vielen trüben Wochen nach Sonnenschein und wärmeren Temperaturen.

Pünktlich zum meteorologischen Frühlingsbeginn setzten sich schon in den letzten Februartagen sehr milde Luftmassen in fast ganz Deutschland durch. Dabei wurde die höchste Temperatur am vergangenen Freitag (27. Februar) in Ohlsbach in Baden-Württemberg mit 23,0°C erreicht, was immerhin für einen neuen Bundeslandrekord dort reichte.

Die ersten 20-er des Jahres im Rheinland

Der absolute deutschlandweite Februar-Monatsrekord stammt übrigens aus dem Jahr 1900 (von vor 126 Jahren!), als in Arnsberg (Nordrhein-Westfalen) am 26. Februar 24,5°C gemessen wurden. Mit solchen Temperaturen konnte das Rheinland noch nicht ganz mithalten, am vergangenen Freitag (27.02.) reichte es aber in Köln und Bonn immerhin für die ersten 20-er des Jahres. Am Flughafen Köln/Bonn lag die Höchsttemperatur bei 20,4°C und im Botanischen Garten in Köln und in Bonn-Auerberg jeweils bei 20,3°C.

Abgesehen von einem kleinen Dämpfer am Samstag ging und geht es mit dem Frühlingswetter im Rheinland aber weiter. Dadurch das der Winter hier deutlich zu mild ausfiel (NRW +2,1°C über dem Mittel 1961-1990) und auch jetzt die Temperaturen weit über dem Durchschnitt liegen, wird es bis zum nachhaltigen Vegetationsbeginn nicht mehr lange dauern.

Die ersten Frühblüher sind im Rheinland ja schon zu finden. Ein Messwert, der den Beginn des nachhaltigen Pflanzenwachstums anzeigt, ist die sogenannte Gründlandtemperatursumme (GTS), der Schwellenwert, den die Agrarmeteorologen dafür festgelegt haben, liegt bei 200 Grad. Der Boden hat sich dann so weit erwärmt, dass er den aufgenommenen und gespeicherten Stickstoff wieder verarbeiten und dem Pflanzenwachstum zur Verfügung stellen kann.

Zur Berechnung der Grünlandtemperatursumme werden alle positiven Werte der Tagesmitteltemperaturen seit Jahresbeginn aufsummiert. Dabei erfolgt eine Gewichtung nach Monaten. Im Januar wird das Tagesmittel mit dem Faktor 0,5 multipliziert, im Februar mit 0,75. Ab März geht dann der volle Wert ein.

Wie ist nun aber der aktuelle Stand der GTS? Während im Nordosten Deutschlands der 200 Grad-Schwellenwert noch sehr weit entfernt ist (Greifswald 50,5 Grad), ist er in den mildesten Ecken des Rheinlands bald erreicht. Am 1. März lag die GTS in Aachen bei 190,5 Grad, in Düsseldorf sogar bei 196,6 und am Flughafen Köln/Bonn bei 184,4 Grad. Eine private Messtation im Kölner Süden hat am 2. März schon die 199 Grad überschritten, so dass der Schwellenwert von 200 in Kürze erreicht sein wird.

Weiterhin sonnig und frühlingshaft mild

Bei den Aussichten für die kommenden Tage dürfte sich die Vegetation im Rheinland nun schnell entwickeln, denn es bleibt bis zum Wochenende überwiegend sonnig und für die Jahreszeit viel zu mild. Tagsüber kratzen die Temperaturen am Rhein und in der Voreifel nahe an der 20 Grad-Marke und auch nachts ist Frost nur in geschützten Tallagen der Eifel und des Bergischen Landes ein Thema. In den größeren Städten wird es trotz klarem Himmel nur 5 bis 8 Grad als Tiefsttemperatur geben.

Durch den Klimawandel kommt es im Schnitt immer früher zur nachhaltigen Vegetationsentwicklung. Und so sehr sich die meisten Menschen über den frühen Frühling nach dem Winter freuen, so sehr liegt hier auch der Haken an der Sache. Denn trotz des Klimawandels sind auch jetzt noch bis weit in den April Spätfröste möglich, die dann die schon weit entwickelte Vegatation und Blüten gefährden können. Im Moment ist ein Kälterückfall zwar noch nicht in Sicht, die Gefahr dafür besteht aber noch bis weit ins Frühjahr hinein.