Urzeitstern entdeckt: Forschende finden bisher metallärmsten und damit ursprünglichsten Stern der Milchstraße

Die ersten Sterne, die im Universum entstehen konnten, konnten sich allein aus Wasserstoff und Helium bilden – und nicht aus Metallen, denn die entstanden erst, als die ersten Sterne in Supernovae kollabierten. Forschende haben nun einen außergewöhnlich metallarmen – und damit sehr ursprünglichen – Stern entdeckt.

Künstlerische Darstellung (nicht maßstabsgetreu) des Roten Riesen SDSS J0915-7334, der nahe der Magellanschen Wolke geboren wurde und nun bis zur Milchstraße gereist ist. Bild: Navid Marvi/Carnegie Science
Künstlerische Darstellung (nicht maßstabsgetreu) des Roten Riesen SDSS J0915-7334, der nahe der Magellanschen Wolke geboren wurde und nun bis zur Milchstraße gereist ist. Bild: Navid Marvi/Carnegie Science

Astronominnen und Astronomen haben einen Stern entdeckt, welcher der bisher reinste und ursprünglichste Stern überhaupt sein könnte. Er liegt in den Randbereichen der Milchstraße, nahe der Großen Magellanschen Wolke. Seine chemische Zusammensetzung erlaubt erste Rückschlüsse auf die Frühphase der Sternentstehung – und damit die ersten Kapitel der kosmischen Geschichte.

Die Große Magellansche Wolke ist eine irreguläre Zwerggalaxie, welche die Milchstraße in etwa 160.000 Lichtjahren Entfernung als kleine Nachbargalaxie begleitet.

Die Entdeckung basiert auf Daten des Sloan Digital Sky Survey und wurde im Fachjournal Nature Astronomy veröffentlicht. Der Stern, ein Roter Riese, trägt die Bezeichnung SDSS J0715-7334. Besonders auffällig ist die chemische Zusammensetzung, denn er besteht fast ausschließlich aus Wasserstoff und Helium und enthält weniger als 0,005 Prozent der Metallanteile unserer Sonne.

Damit ist er der bisher beste bekannte Vertreter eines Sterns, der den ersten Sternen des Universums – den sogenannten Population-III-Sternen – ähnelt, die sich heute nicht mehr direkt beobachten lassen.

Spurensuche nach den ersten Sternen

Der Astrophysiker Kevin Schlaufman von der Johns Hopkins University erklärt die Schwierigkeit der Forschung: „Es wurden noch nie Population-III-Sterne beobachtet – entweder weil sie massereich waren, schnell lebten und früh starben, oder weil die masseärmsten Exemplare, die bis heute überdauern könnten, extrem selten sind.“

In jedem Fall gehören die Eigenschaften dieser ersten Sternengeneration zu den größten Unbekannten der modernen Astrophysik.

Der Stern entstand vermutlich aus einer Gaswolke, die zuvor mit Material einer Supernova angereichert wurde. Diese Explosion eines frühen Sterns hinterließ messbare chemische Spuren. Anhand der Elementverhältnisse können Forschende heute Rückschlüsse auf die Eigenschaften des ursprünglichen Sterns ziehen, etwa auf seine Masse und die Energie seiner Explosion.

Hinweise auf extreme Bedingungen

„Diese ursprünglichen Sterne sind Fenster in die Frühzeit der Sterne und Galaxien im Universum“, kommentiert Erstautor Alexander Ji die Bedeutung des Fundes. Für die Analyse nutzte das Team unter anderem das Magellan-Clay-Hochleistungsteleskop in Chile, um selbst kleinste Spuren von Elementen wie Kohlenstoff und Eisen nachzuweisen.

Die chemische Signatur deutet darauf hin, dass der ursprüngliche Stern ungewöhnlich massereich war. Zudem muss seine Explosion mit außergewöhnlich hoher Energie erfolgt sein. Solche Erkenntnisse helfen dabei, theoretische Modelle zur Entstehung der ersten Sterne zu verfeinern und die Sternenentwicklung besser zu verstehen.

SDSS J0715-7334 befindet sich rund 80.000 Lichtjahre entfernt in der Nähe der Großen Magellanschen Wolke, die zu den wichtigsten Satellitengalaxien der Milchstraße zählt. Da sie lange Zeit isoliert war, konnte sie über einen längeren Zeitraum Material aus dem kosmischen Netz aufnehmen. Das könnte die Entstehung besonders metallarmer Sterne begünstigt haben.

Blick zurück zu den Anfängen

„Es ist möglich, dass wir in Galaxien wie den Magellanschen Wolken einen vergleichsweise höheren Anteil extrem metallarmer Sterne finden als in unserer eigenen Milchstraße“, erklärt Schlaufman. Solche Sterne zu erforschen, eröffnet einen direkten Zugang zur Frühgeschichte des Universums. Offene Fragen bleiben jedoch.

„Es gibt noch viel zu tun, um zu verstehen, was in jener fernen Epoche geschah, als die Milchstraße jung war“, fasst Schlaufman zusammen. Mit der aktuellen Phase des Sloan Digital Sky Survey hätten die Forschenden bisher nur an der Oberfläche gekratzt.

Quellenhinweis:

Ji, A. P., Chandra, V., Mejias-Torres, S., et al. (2026): A nearly pristine star from the Large Magellanic Cloud. Nature Astronomy.

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