Klimawandel begünstigt Tigermücke: Chikungunya-Risiko rückt bis nach Mitteleuropa vor

Die Asiatische Tigermücke breitet sich in Europa aus – und damit auch das Chikungunya-Virus. Mitteleuropa avanciert damit zum möglichen Übertragungsgebiet einer Krankheit, die bisher vor allem in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet ist.

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist längst in Deutschland angekommen – und mit das Risiko für neue Infektionskrankheiten. Bild: James Gathany/CDC
Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist längst in Deutschland angekommen – und mit das Risiko für neue Infektionskrankheiten. Bild: James Gathany/CDC

Es ist wieder Mückenzeit. Und bereits jetzt wird vor der gefährlichen Tigermücke gewarnt, die das Dengue-Fieber und andere Tropenkrankheiten übertragen kann – so auch das Chikungunya-Virus, das in den kommenden Jahrzehnten endgültig in Mitteleuropa ankommen könnte. Das geht aus einer neuen Studie hervor.

Chikungunya kann Fieber und starke Gelenkschmerzen verursachen. Hinzu kommen Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit sowie Hautausschläge. Zwar verläuft die Erkrankung selten tödlich, doch Gelenkbeschwerden können über Monate oder Jahre anhalten.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), deren Verbreitungsgebiet sich seit Jahren ausdehnt. Die Art profitiert sowohl von steigenden Temperaturen als auch von der zunehmenden globalen Mobilität von Menschen und Waren. In Europa wird sie inzwischen regelmäßig nachgewiesen, so auch in Deutschland.

Tigermücke entscheidender Überträger

Die Forschenden untersuchten mithilfe von Klimamodellen und Verbreitungsdaten der wichtigsten Überträger, wie sich das Virus bis zum Jahr 2100 entwickeln wird. Dabei zeigte sich, dass die Mückenarten Aedes aegypti und Aedes albopictus maßgeblich bestimmen, wo das Virus auftritt.

„In unserer Studie spielte die Asiatische Tigermücke eine besonders wichtige Rolle und sie erklärte über 70 Prozent der prognostizierten Virusverbreitung“, so Co-Autor Yang Wu vom Customs Technology Center in Guangzhou. Insgesamt lassen sich anhand beider Mückenarten rund 84 Prozent des weltweiten Chikungunya-Risikos erklären.

Die geografische Verbreitung des Chikungunya-Virus bis zum Jahr 2020. Bild: CDC
Die geografische Verbreitung des Chikungunya-Virus bis zum Jahr 2020. Bild: CDC

Die Widerstandsfähigkeit der Tigermücke erhöht ihr Ausbreitungspotenzial erheblich. Ihre Eier können selbst Temperaturen von bis zu minus zehn Grad Celsius überstehen. Dadurch ist die Art besser an gemäßigte Klimazonen angepasst als viele andere tropische Mücken.

Risiko verschiebt sich nach Norden

Aktuell sind 139 Länder und Regionen Risikogebiete für das Chikungunya-Virus. Das entspricht gut 21 Prozent der globalen Landfläche.

„Unsere Klimamodelle zeigen jedoch, dass sich das Virus weiter nach Norden in gemäßigte Regionen ausbreiten wird, insbesondere nach Nordost-Nordamerika, Mitteleuropa und Ostasien“, sagt Studienleiter Ye Xu von der Zhejiang Chinese Medical University.

Bereits bis 2040 rechnen die Wissenschaftler in Teilen Mitteleuropas mit einem steigenden Übertragungsrisiko. In den folgenden Jahrzehnten könnten weitere Regionen hinzukommen, darunter auch höher gelegene Gebiete. Neben Deutschland nennen die Forscher unter anderem Großbritannien und Irland als potenziell betroffene Länder.

„Die Bevölkerung muss nicht in Panik geraten, aber die Gesundheitssysteme sollten sich frühzeitig vorbereiten“, unterstreicht Xu. Er empfiehlt ein konsequentes Monitoring von Aedes-Mücken, die Schulung medizinischen Personals sowie verstärkte Maßnahmen zur Mückenbekämpfung. Zudem sollten Notfallpläne für mögliche Ausbrüche entwickelt werden.

In den vergangenen Jahren kam es bereits zu größeren Ausbrüchen in Italien, Frankreich und Spanien. Im Sommer des vergangenen Jahres wurden zudem Infektionen nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt registriert. Eine Übertragung durch heimische Mücken in Deutschland ist jedoch noch nicht bekannt geworden.

Quellenhinweis:

Zhang, Q., Zhang, L., Ma, Y., et al. (2026): Predicting the global risk of chikungunya virus under climate change using ensemble species distribution models. Frontiers in Cellular and Infection Microbiology.

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