Etwas, das es seit 70 Jahren nicht gab: Über dem Nordpol bricht der Polarwirbel, jetzt kommt der Schnee zu uns

Etwas, das es seit 70 Jahren nicht gab: Über dem Nordpol bricht der Polarwirbel, jetzt kommt der Schnee zu uns

Hoch über der Arktis passiert gerade etwas, das Messungen noch nie erfasst haben. Die Folgen reichen bis zu uns: Um den 10. November könnte Deutschland plötzlich weiß werden.

Noch zeigt sich der Herbst von seiner ruhigen Seite. Ein kräftiges Hoch hält Deutschland fest im Griff, vielerorts wabert zäher Nebel, und nachts gibt es schon den ersten Frost. Wer morgens die Autoscheibe freikratzen muss, ahnt längst: Der Sommer ist endgültig Geschichte.

Sei einer der Ersten, der die neuesten Wetter-Updates erhält, indem Du unserem neuen WhatsApp-Kanal beitrittst. Folge uns und schalte die Benachrichtigungen ein.

Doch das ist nur das Vorspiel. In den aktuellen Wetterkarten braut sich etwas zusammen, das selbst erfahrene Meteorologen staunen lässt. Erster Schnee bis in tiefe Lagen ist plötzlich ein Thema, und zwar nicht irgendwann im Dezember, sondern schon in der ersten Novemberhälfte.

Polarwirbel gerät so früh ins Wanken wie noch nie

Der Grund liegt hoch über unseren Köpfen. In rund 30 Kilometern Höhe kreist über der Arktis der Polarwirbel, ein riesiger Kaltluftkessel, der die eisige Luft normalerweise wie ein Deckel am Nordpol festhält. Je stabiler er ist, desto zuverlässiger strömt milde Atlantikluft zu uns nach Mitteleuropa.

Kommt der erste Wintereinbruch bis in tiefe Lagen schon in wenigen Tagen nach Deutschland?
Kommt der erste Wintereinbruch bis in tiefe Lagen schon in wenigen Tagen nach Deutschland?

Genau dieser Wirbel schwächelt jetzt massiv. Die Westwinde, die ihn antreiben, brechen Anfang November regelrecht ein, einzelne Berechnungen zeigen sogar eine kurzzeitige Umkehr der Windrichtung. Um den 5. bis 6. November könnte sich der Wirbel in zwei Zentren aufspalten. Ein so früher Einbruch wurde seit Beginn der Messungen vor rund 70 Jahren noch nie beobachtet.

Wettermodelle sehen um den 10. November einen Kälteschock

Die Folgen könnten wir schneller spüren als gedacht. Sowohl das europäische ECMWF als auch das amerikanische GFS lassen nach dem Abbau des Hochs um den 10. November polare Kaltluft aus Norden weit nach Deutschland hineinströmen. Dass zwei große Modelle bei fast zwei Wochen Vorlauf so ähnlich rechnen, ist alles andere als alltäglich.

In diesem Szenario wäre verbreiteter Frost angesagt, in den Hochlagen sogar Dauerfrost. Tagsüber käme das Thermometer vielerorts kaum noch über 0 bis 3 Grad hinaus, in klaren Nächten wären im Osten und Süden bis minus 10 Grad drin. Einzelne Läufe zeigen dazu Niederschläge, die bis ins Flachland als Schnee fallen könnten, lokal mit bis zu 10 Zentimetern.

Das ist in diesem Jahr so ungewöhnlich

Schnee im November an sich ist keine Sensation. Ungewöhnlich ist aber das Zusammenspiel: ein Polarwirbel, der früher schwächelt als je zuvor, dazu ein hartnäckiges Blockadehoch über Mitteleuropa, das die gewohnte Westwetterlage seit Wochen ausbremst. Genau das öffnet der Kaltluft aus Norden und Osten die Tür.

In ganz Europa startet der November recht frisch. Die Temperaturanomalie wird stark negativ.
In ganz Europa startet der November recht frisch. Die Temperaturanomalie wird stark negativ.

Hinzu kommt: Schon im vergangenen Jahr gab es eine auffallend frühe Störung, die damals einen Rekord aufstellte. Jetzt wird dieser Rekord offenbar noch einmal unterboten. Viele Menschen haben Schnee bis ganz runter in der ersten Novemberhälfte schon lange nicht mehr erlebt. Das macht die aktuelle Lage so spannend.

Milde Winterprognosen plötzlich auf dem Prüfstand

Die meisten Langfristmodelle haben für den Winter 2026/27 bislang eher mild gerechnet. Fliegt das jetzt alles über Bord? Ganz so einfach ist es nicht. Der Polarwirbel befindet sich im November noch im Aufbau, seine Winde sind viel schwächer als im Hochwinter. Die Störung fällt deshalb trotz des Rekordtermins vergleichsweise schwach aus.

Einige Berechnungen sehen schon um den 11. November eine erste Erholung, andere erst gegen Monatsende. Entscheidend ist aber: Ein früh angeschlagener Wirbel kann für weitere Störungen im Dezember und Januar anfälliger bleiben. Die milde Winterprognose steht damit zumindest auf wackligen Beinen, und das allein ist schon eine Nachricht.

Winterreifen drauf, aber keine Panik

Bei gut zehn Tagen Vorlauf kann sich in den Wettermodellen noch eine Menge verschieben. Ob am Ende wirklich eine weiße Landschaft im Flachland steht oder nur nasskalte Schauer mit Schneeregen, entscheidet sich erst in den nächsten Tagen. Hochdruck bringt zudem oft eher trockene Kälte als große Schneemengen.

Trotzdem sollten Sie die Lage im Blick behalten. Wer noch mit Sommerreifen unterwegs ist, sollte den Reifenwechsel nicht mehr auf die lange Bank schieben, Eiskratzer und Handschuhe gehören ab sofort ins Auto. Der Winter klopft an, früher als viele gedacht hätten. Ob er gleich hereinplatzt oder nur kurz durchs Fenster schaut, zeigt sich in den kommenden Tagen.