Winter-Schock droht: 45 Zentimeter Schnee, Strommasten knicken, Dauerfrost bis Silvester – wie im Eiswinter 2010

Winter-Schock droht: 45 Zentimeter Schnee, Strommasten knicken, Dauerfrost bis Silvester – wie im Eiswinter 2010

Grau, nass, langweilig? Der November kann auch ganz anders. Binnen Tagen kippt das Wetter, Schneemassen legen ganze Regionen lahm. Was passiert, wenn sich 2010 wiederholt?

Viele halten den November für den langweiligsten Monat des Jahres: Nebel, Nieselregen, früh dunkel. Doch wer so denkt, unterschätzt ihn gewaltig. Gerade in der zweiten Monatshälfte kann der Winter mit voller Wucht zuschlagen, und zwar nicht nur in den Alpen oder auf dem Feldberg, sondern bis hinunter ins Flachland.

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Dafür braucht es gar nicht viel: ein kräftiges Hoch über Skandinavien, eine nördliche oder östliche Strömung, und schon fließt Polarluft ins Land. Trifft die dann auf feuchte Luft aus Westen, wird aus dem grauen Herbst innerhalb von Stunden eine weiße Landschaft. Genau solche Lagen hat Deutschland schon mehrfach erlebt, mit teils dramatischen Folgen.

November 2010: Der Winter kam und blieb bis Silvester

Ein Paradebeispiel ist der November 2010. Lange lief der Monat eher unauffällig, phasenweise sogar ausgesprochen mild. Kaum jemand rechnete mit einem frühen Winter. Doch in der letzten Novemberwoche drehte die Wetterlage komplett: Von Nordosten strömte eiskalte Luft nach Mitteleuropa, die Temperaturen fielen Tag für Tag, und vielerorts setzte Schneefall ein.

Ende des Monats lag in weiten Teilen Deutschlands eine geschlossene Schneedecke, nachts gab es verbreitet strengen Frost. Und das Entscheidende: Der Winter ging nicht wieder. Er hielt sich nahezu ohne Pause bis zum Jahresende. Der Dezember 2010 ging als einer der kältesten und schneereichsten seit Jahrzehnten in die Geschichte ein, mit Dauerfrost, Chaos auf Straßen, an Flughäfen und Bahnhöfen und weißen Weihnachten in vielen Regionen.

Münsterland 2005: Als Strommasten wie Streichhölzer knickten

Noch heftiger, wenn auch regional begrenzt, traf es am 25. November 2005 das Münsterland. Ein Tief aus dem Nordmeer schaufelte feuchte Luft heran, die über Westfalen auf kalte Luftmassen traf. Das Ergebnis: nasser, schwerer Schnee in Mengen, die man in dieser flachen Gegend kaum für möglich gehalten hätte. Schon innerhalb von zwölf Stunden kamen rund 30 Zentimeter Neuschnee zusammen, örtlich türmten sich am Ende sogar bis zu 45 Zentimeter.

Schneemassen? Das kann auch der November - siehe das Schneechaos im Münsterland im Jahr 2005 (Symbolbild).
Schneemassen? Das kann auch der November - siehe das Schneechaos im Münsterland im Jahr 2005 (Symbolbild).

Dazu wehte ein kräftiger Wind. Der Schnee klebte an den Leitungen, Eis setzte sich fest, die Seile gerieten ins Schwingen. Am Ende knickten mehr als 80 Strommasten um. Rund 250.000 Menschen saßen im Dunkeln, manche über Tage, ohne Licht und vor allem ohne Heizung. Bis heute gilt das Münsterländer Schneechaos als einer der größten Stromausfälle in der Geschichte der Bundesrepublik.

Was der November an Schnee wirklich draufhat

Diese Beispiele zeigen: Der November hat mehr Potenzial, als viele glauben. In den Mittelgebirgen wie Harz, Erzgebirge oder Schwarzwald ist eine erste Schneedecke im späten November eher die Regel als die Ausnahme. In höheren Lagen kommen schnell 20, 30 oder sogar 50 Zentimeter zusammen, wenn sich Tiefs am Alpenrand oder über Mitteldeutschland festsetzen.

Im Flachland sieht es anders aus. Hier bleibt Schnee im November oft nur kurz liegen, weil die Böden noch relativ warm sind. Aber eben nicht immer. Gerade Nassschnee bei Temperaturen um null Grad ist besonders tückisch: Er ist schwer, lässt Äste und Bäume brechen und legt den Verkehr in kürzester Zeit lahm. Der Schaden entsteht dann oft nicht durch extreme Kälte, sondern durch das Gewicht.

Die gefährliche Mischung: Polarluft trifft auf Atlantik-Tief

Meteorologisch sind solche Ereignisse kein Zufall. Fast immer steckt eine ähnliche Großwetterlage dahinter. Blockiert ein Hoch über Skandinavien oder dem Nordatlantik die übliche Westströmung, kann kalte Luft aus Norden oder Osten weit nach Süden vorstoßen. Schieben sich dann Tiefdruckgebiete von Westen heran, entstehen an der Luftmassengrenze ergiebige Schneefälle.

Der November 2026 kühlt nach und nach aus. Die Temperaturanomalie wird in der ersten Woche negativ ausfallen.
Der November 2026 kühlt nach und nach aus. Die Temperaturanomalie wird in der ersten Woche negativ ausfallen.

Besonders kritisch wird es, wenn sich diese Grenze kaum bewegt. Dann schneit es stundenlang am selben Ort, genau das passierte 2005 im Münsterland. Im Jahr 2010 dagegen sorgte die enorme Erhaltungsneigung der Kältelage dafür, dass sich der Winter wochenlang festbeißen konnte. Liegt erst einmal Schnee, kühlt die Luft darüber nachts zusätzlich stark aus. Der Winter verstärkt sich dann quasi selbst.

Ein November wie 2010 bleibt jederzeit möglich

Kurz gesagt: Ausgeschlossen ist so etwas nie. Auch wenn die Winter in den vergangenen Jahren im Schnitt milder geworden sind, verschwinden Kälteeinbrüche nicht einfach. Erst im vergangenen November gab es einen markanten Temperatursturz, bei dem es von fast frühlingshaften Werten binnen weniger Tage in Frost und Schnee ging. Solche Umschwünge gehören zum mitteleuropäischen Wetter einfach dazu.

Ob es in diesem Jahr ähnlich kommt, entscheidet sich meist erst kurzfristig. Langfristprognosen können Tendenzen zeigen, aber keine Schneedecke zum ersten Advent versprechen. Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, sollte deshalb rechtzeitig an Winterreifen denken. Denn eines hat der November schon oft bewiesen: Wenn er umschlägt, dann meist schneller, als vielen lieb ist.