Polar­luft lässt die Schneefallgrenze abstürzen: Britenhoch gegen Mittelmeertief – droht jetzt schon der Wintereinbruch

Ein mächtiges Hoch über den Britischen Inseln lenkt eisige Polarluft nach Süden, ein Mittelmeertief lauert mit Feuchtigkeit: Jetzt beginnt das Kräftemessen der Druckgebilde. Hält der Hochdruckblock dagegen – oder schafft es das Tief, Niederschläge in die kalte Alpenluft zu drücken? Kommt die

Kalte Luft, ein Mittelmeertief und eine sinkende Schneefallgrenze: Die Zutaten für eine Schneeüberraschung sind da – doch kommen Kälte und Niederschlag über den Alpen auch zusammen?
Kalte Luft, ein Mittelmeertief und eine sinkende Schneefallgrenze: Die Zutaten für eine Schneeüberraschung sind da – doch kommen Kälte und Niederschlag über den Alpen auch zusammen?

Auf Europas Wetterbühne beziehen zwei Wetter-Antagonisten Stellung. Ein Hoch über den Britischen Inseln erreicht in den gezeigten Modellkarten zum Novemberstart rund 1043 Hektopascal. Südlich von Italien liegt gleichzeitig ein Tief. Die spannende Frage: Hält der Hochdruckblock die Niederschläge auf Abstand, oder schafft es feuchte Mittelmeerluft bis in die kühleren Alpenregionen?

Das Britenhoch öffnet der Kälte eine Tür

Ein wetterbestimmendes Hochdruckgebiet bringt nicht automatisch Wärme. Entscheidend ist, auf welcher Seite man sich befindet. Auf der Nordhalbkugel bewegt sich die Luft um Hochdruckgebiete im Uhrzeigersinn. An der Ostflanke des Britenhochs kann deshalb kältere Luft aus nördlichen Breiten nach Süden gelangen.

Die weißen Linien auf den Karten verbinden Orte mit gleichem Bodenluftdruck. Ihre Anordnung zeigt, wie sich das Hoch in die europäische Wetterlage einfügt. Sie verrät allerdings nicht allein, wie stark die Kälte Deutschland tatsächlich erfasst. Dafür betrachten die Synoptiker zusätzlich die Luftmassen und die Entwicklung in der Höhe.

Britenhoch gegen Mittelmeertief: Öffnet dieser Machtkampf der kalten Luft den Weg zu den Alpen – und liefert das Tief den Schnee dazu?
Britenhoch gegen Mittelmeertief: Öffnet dieser Machtkampf der kalten Luft den Weg zu den Alpen – und liefert das Tief den Schnee dazu?

In 1500 Metern Höhe beginnt der Luftmassencheck

Schon der aktuelle Wetterwechsel zeigt, wie schnell sich die Verhältnisse ändern können: Nach 10 bis 13 Grad in 850 Hektopascal am Dienstag folgen hinter NAOMIs Kaltfront am Mittwoch nur noch ungefähr 1 bis 2 Grad. Diese Druckfläche liegt häufig etwa 1500 Meter über dem Meer.

Für Anfang November zeigen die Karten erneut einen Gegensatz zwischen milderer Luft im Westen und kälterer Luft weiter östlich. Dabei ist wichtig: Die dargestellten Temperaturen gelten für die Höhe, nicht unmittelbar für den Garten oder die Straße.

Kälte lauert in rund fünf Kilometern Höhe: Die GFS-Karte zeigt für Sonntagabend einen markanten Temperaturkontrast über Europa – wird daraus die nächste Winterüberraschung für die Alpen?
Kälte lauert in rund fünf Kilometern Höhe: Die GFS-Karte zeigt für Sonntagabend einen markanten Temperaturkontrast über Europa – wird daraus die nächste Winterüberraschung für die Alpen?

Auch weit oben wird um die Wetterrichtung gerungen

Die GFS-Karte für Sonntagabend zeigt in 500 Hektopascal, ungefähr fünf bis sechs Kilometer hoch, kältere Luft über Nord- und Osteuropa sowie Teilen Südosteuropas. Weiter westlich liegt mildere Höhenluft.

Diese Verteilung gehört zum großräumigen Kräftemessen. Wie stabil der Höhenrücken bleibt und wohin benachbarte Höhentiefs ziehen, beeinflusst auch die Entwicklung am Boden. Die Temperaturkarte allein liefert jedoch noch keinen vollständigen Verlauf der Höhenströmung.

800 Meter: Jetzt fehlt die entscheidende Zutat

Die ECMWF-Karte für Dienstag, 3. November, berechnet örtlich im nordbayerischen Raum und bei Dresden eine Schneefallgrenze um 800 Meter. Im Westen liegt sie deutlich höher.

Damit könnten höhere Mittelgebirgslagen bei Niederschlag Flocken abbekommen. Doch genau hier entscheidet sich das Duell: Kälte allein macht keine weiße Landschaft. Das Mittelmeertief müsste seine Feuchtigkeit weit genug nach Norden bringen, wie zum Beispiel bei einer 5b-Wetterlage.

Das Hoch kann zugleich Kaltluft lenken und Niederschläge unterdrücken. Ob Schnee fällt, bleibt deshalb offen. Auch stammen die gezeigten Karten aus unterschiedlichen Modellen: Sie liefern spannende Szenarien, aber noch keinen gesicherten Winterfahrplan.