Wetterextreme in Europa: Hitzewellen werden zur neuen sommerlichen Normalität

Hitzerekorde, intensivere Regenfälle und wachsende Dürrerisiken – der Klimawandel verändert das extreme Wetter, auch in Europa. Der Forschungsverbund ClimXtreme hat sechs Jahre lang Ursachenforschung betrieben und die Ergebnisse nun öffentlich vorgestellt.

Wissenschaftler haben untersucht, wie sich das Extremwetter in Europa entwickeln wird, mit teils beunruhigenden Ergebnissen. Bild: KI-generiert
Wissenschaftler haben untersucht, wie sich das Extremwetter in Europa entwickeln wird, mit teils beunruhigenden Ergebnissen. Bild: KI-generiert

Die globale Erwärmung verändert, wie häufig und mit welcher Intensität Extremwetterereignisse in Europa auftreten. Zu diesem Ergebnis kommt ClimXtreme, ein vom Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt geförderter Forschungsverbund aus 17 deutschen Forschungseinrichtungen und 25 Teilprojekten. Das sechsjährige Vorhaben wurde von der Freien Universität Berlin koordiniert.

„Insgesamt werden Ereignisse, die bislang als äußerst selten oder gar als unmöglich galten, mit wachsender Häufigkeit auftreten“, sagt Prof. Dr. Uwe Ulbrich vom Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Steigende Durchschnittstemperaturen, stabile Hochdrucklagen, großräumige Luftströmungen und eine abnehmende Aerosolkonzentration sind schuld an der Entwicklung.

Hitzewellen, Dürren und Starkregen

Die Analysen zeigen, dass die jüngsten Hitzewellen ohne den menschengemachten Klimawandel kaum erklärbar wären. „In fast allen europäischen Ländern wurden Allzeitrekorde gebrochen“, merkt Ulbrich an. Die heutige Extremhitze könne in den kommenden Jahrzehnten zur sommerlichen Normalität werden.

Vor allem die Zukunftsaussichten sind alarmierend: Bereits für die 2030er Jahre werden für einzelne Jahre intensive Hitzewellen, wie sie erst gegen Ende des Jahrhunderts erwartet wurden, mit etwa 10-%-iger Wahrscheinlichkeit vorausgesagt.

Zunehmende Bodentrockenheit kann zu häufigeren Missernten führen. Bild: Joakim Mosebach/Pixabay
Zunehmende Bodentrockenheit kann zu häufigeren Missernten führen. Bild: Joakim Mosebach/Pixabay

Bei Dürren ist die Lage etwas anders. Für starken Niederschlagsmangel wie im Frühjahr 2025 in Norddeutschland kann nicht nachgewiesen werden, dass der Klimawandel schuld daran ist. Allerdings verschiebt sich das niederschlagsarme Frühjahr von Februar und März in Richtung April. Höhere Temperaturen sorgen dafür, dass die Verdunstung zunimmt, wodurch sich die Bodentrockenheit verstärkt.

Das erhöht besonders im Südwesten Europas die Gefahr von Waldbränden. Wie sehr die Landwirtschaft leidet, hängt hingegen stark von den Pflanzenarten ab. Hier könnte KI die Auswirkungen auf Ernten besser berechnen.

Beim Starkregen hingegen lässt sich der Zusammenhang zum Klimawandel besser nachweisen: In Deutschland steigt die Intensität solcher Niederschläge pro Grad globaler Erwärmung um etwa 6 bis 8,5 Prozent. Auch die Wahrscheinlichkeit einzelner Ereignisse nimmt erheblich zu.

Häufigkeit und Stärke von Hitzewellen seit dem Jahr 1950. Bild: ClimXtreme
Häufigkeit und Stärke von Hitzewellen seit dem Jahr 1950. Bild: ClimXtreme

Für die verheerenden Überschwemmungen in Westdeutschland im Jahr 2021 berechneten die Forschenden eine klimabedingte Zunahme des maximalen Tagesniederschlags um 3 bis 19 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses erhöhte sich demnach um den Faktor 1,2 bis 9.

Hagel und Sturm regional unterschiedlich

Beim Hagel belegen Radardaten der vergangenen zwei Jahrzehnte eine zunehmende Aktivität in Süddeutschland. Andere Regionen sind eher rückläufig. Für Süddeutschland wird auch künftig mehr Hagel unter wärmeren Bedingungen erwartet. Für das restliche Deutschland sind die Prognosen weniger klar.

Auch zum Sturmrisiko zeichnen sich noch keine einheitlichen Vorhersagen ab. Zwar deutet vieles auf weniger Tiefdruckgebiete über Westeuropa und der Deutschen Bucht hin, intensive Tiefdrucksysteme könnten jedoch häufiger oder stärker werden. Dass sich extreme Windgeschwindigkeiten systematisch verändern, lässt sich nicht feststellen.

Die Ergebnisse stehen auf einer öffentlichen Wissensplattform bereit. Sie richtet sich unter anderem an Kommunen, Landesverwaltungen, Verkehrsbetriebe, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Betreiber kritischer Infrastrukturen. Eigens entwickelte Statistiken sollen die Risikobewertung vereinfachen und dabei helfen, Schutzmaßnahmen zu planen.

„Mit dem ClimXtreme-Programm konnten wir zu einer genaueren Einschätzung der heutigen und zukünftigen Risiken durch die verschiedenen Arten meteorologischer Extremereignisse beitragen“, sagt Ulbrich. Entscheidend sei nun, wissenschaftliche Erkenntnisse dauerhaft mit der Praxis zu verbinden, damit sich Gesellschaft und Wirtschaft rechtzeitig auf zunehmende Wetterrisiken einstellen können.

Artikelreferenz

Schröter, J., Fischer-Frenzel, P., Sauerbrei, R., et al. (2026). Attributionsstudie zum Hitzeereignis in Deutschland im Juni 2026.