Extremwetterkongress: "Vom Klimawissen zum Handeln" - Hamburg diskutiert die Folgen der Klimakrise

Extremwetter ist längst keine rein meteorologische Frage mehr: Angesichts von Hitzewellen, Trockenheit und zunehmenden Extremwetterereignissen haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Extremwetterkongress in Hamburg eindringlich vor den Folgen der fortschreitenden Erwärmung gewarnt.

Der Extremwetterkongress in Hamburg wurde mit einer Pressekonferenz eröffnet (Foto: Markus Köss)
Der Extremwetterkongress in Hamburg wurde mit einer Pressekonferenz eröffnet (Foto: Markus Köss)


Unter dem gemeinsamen Leitgedanken „Vom Wissen zur Lösung“ kamen an der HafenCity Universität in Hamburg etwa 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen. Wissenschaft, Meteorologie, Kommunen, Wirtschaft, Politik und Praxis diskutierten drei Tage lang über aktuelle Entwicklungen, Risiken und konkrete Möglichkeiten der Klimaanpassung.

Der zurückliegende Hitzesommer lieferte dazu den passenden Kontext. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellte zum Auftakt sein Extremwetter-Faktenpapier vor. Bereits Mitte Juni gab es eine elf Tage andauernde Hitzewelle in Deutschland. Am 27. Juni wurden in Drewitz (Sachsen-Anhalt) 41,8 Grad gemessen und damit ein neuer deutscher Allzeit-Temperaturrekord.

Eine Attributionsstudie vom DWD zeigt zudem, dass der menschengemachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensität solcher Hitzewellen deutlich erhöht. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt für den Sommer 2026 mehr als 16.000 hitzebedingte Todesfälle.

Neben der Hitze rückt zunehmend auch die Wasserverfügbarkeit in den Mittelpunkt. Die auf dem Kongress vorgestellten Daten zeigen, dass die erneuerbaren Wasserressourcen in Deutschland in elf der vergangenen 15 Jahre unter dem langjährigen Durchschnitt lagen. Gleichzeitig können jedoch längere Trockenphasen und extreme Starkregenereignisse nebeneinander auftreten. Die Herausforderung besteht damit nicht nur in der Menge des Niederschlags, sondern zunehmend auch in seiner Verteilung und Intensität.

Vom Klimamodell zur konkreten Anpassung

Eine zentrale Frage des Kongresses lautete deshalb: Wie kommt wissenschaftliches Wissen in die Praxis?

Moderne Klimamodelle ermöglichen immer detailliertere regionale Prognosen. Damit können Risiken beispielsweise durch Hitze, Starkregen oder Dürre besser abgeschätzt werden. Doch die Daten müssen dort ankommen, wo Entscheidungen getroffen werden – bei der Stadtplanung, beim Hochwasserschutz, bei der Infrastruktur oder in Unternehmen.

Genau hier setzte die KlimaManagementTagung (KMT) an. Während beim ExtremWetterKongress vor allem wissenschaftliche Erkenntnisse und die Entwicklung von Extremwetter im Mittelpunkt standen, ging es bei der KMT stärker um deren Umsetzung. In mehr als 40 Workshops wurden konkrete Fragen des Klimamanagements und der Anpassung diskutiert.

Der Autor dieses Artikels beim Workshop auf dem EWK/KMT in Hamburg (Foto Sebastian Köss)
Der Autor dieses Artikels beim Workshop auf dem EWK/KMT in Hamburg (Foto Sebastian Köss)

Dabei durfte auch der Autor dieses Artikels einen gemeinsamen Workshop mit Sebastian Köss zur „Zukunft des Tourismus in den Alpen in Zeiten des Klimawandels“ anbieten. Denn steigende Temperaturen, veränderte Saisonverläufe und zunehmende Wetterrisiken stellen auch sensible Regionen wie die Alpen vor neue Herausforderungen.

Warnen alleine reicht nicht

Ein weiterer Schwerpunkt war die Kommunikation von Wetter- und Klimarisiken. Denn eine Warnung allein schützt noch nicht, sie muss die Menschen auch rechtzeitig erreichen, verständlich sein und im entscheidenden Moment zu einer konkreten Handlung führen.

Der Deutsche Wetterdienst arbeitet deshalb an einer Weiterentwicklung seines Warnsystems. Das Projekt „RainBow“ sieht unter anderem ein einheitlicheres dreistufiges Warnsystem, neu strukturierte Warntexte und eine weiterentwickelte Gewitterwarnung vor.

Auch die Frage, warum aus einem Extremereignis manchmal eine Katastrophe wird, wurde diskutiert. Der WeltRisikoBericht 2026 betont dabei die Bedeutung gesellschaftlicher Verwundbarkeit. Nicht allein die Stärke eines Ereignisses entscheidet über seine Folgen, auch Vorsorge, Infrastruktur und die Fähigkeit zur Anpassung bestimmen das Risiko.

„Nichtstun wird noch teurer“

Damit rückte eine zentrale Botschaft der drei Tage in den Mittelpunkt. „Klimaanpassung wird teuer – Nichtstun wird noch teurer“, sagte Karl G. Gutbrod, Geschäftsführer von meteoblue Schweiz, im Rahmen des Kongresses.

Klimaanpassung betrifft dabei längst nicht mehr nur einzelne Fachbereiche, denn Gesundheit, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Stadtentwicklung, Katastrophenschutz, Immobilienwirtschaft, Infrastruktur und Tourismus sind gleichermaßen betroffen.

Der ExtremWetterKongress und die KlimaManagementTagung zeigten deshalb vor allem eines: Die wissenschaftliche Grundlage ist vorhanden. Die entscheidende Aufgabe besteht nun darin, daraus konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Das Motto „Vom Wissen zur Lösung“ beschreibt diesen Schritt treffend. Extremwetter lässt sich nicht verhindern, Risiken und Schäden können jedoch durch Vorsorge, Anpassung, funktionierende Warnsysteme und eine verständliche Kommunikation beeinflusst werden.

Die drei Tage in Hamburg waren damit weit mehr als eine Bestandsaufnahme der Klimakrise. Sie zeigten zugleich, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen über unser sich veränderndes Klima konkrete Lösungen und Maßnahmen entstehen können.