22 Grad im Februar – Ausrutscher oder wird der Winter in Deutschland gerade heimlich abgeschafft?
Bis zu 22 Grad im Südwesten: Ein früher Frühling überrascht Deutschland. Zufall oder Zeichen eines langfristigen Wandels? Ein Blick hinter die ungewöhnliche Wärme.

Bis zu 22 Grad am Freitag im Südwesten Deutschlands Ende Februar wirken wie ein verfrühter Frühling. Spaziergänge im T-Shirt, erste Blüten und ungewöhnlich milde Abende prägen derzeit das Bild.
Doch eigentlich gehört diese Jahreszeit noch zum Spätwinter. Normal wären jetzt Temperaturen um 5 bis 10 Grad, teilweise sogar Frost. Dass sich die Wärme nun offenbar bis mindestens Anfang März halten soll, lässt viele fragen: Ist das noch Wetter – oder schon Klimawandel?
Warum es gerade jetzt so mild ist
Meteorologisch lässt sich die aktuelle Lage zunächst verständlich erklären. Verantwortlich ist eine stabile Hochdrucklage über Mitteleuropa, die immer wieder milde Luft aus Südwesten nach Deutschland lenkt. Solche Wetterlagen gab es auch früher, und sie können sich über mehrere Wochen festsetzen. Besonders der Südwesten profitiert davon, weil sich die Luft dort zusätzlich erwärmt. Temperaturen über 20 Grad im Spätwinter sind selten, aber nicht völlig neu.
Ein Blick in die Vergangenheit
Auch in früheren Jahrzehnten gab es vereinzelt sehr warme Februartage. Dennoch zeigen Messreihen deutlich, dass solche Ereignisse heute häufiger auftreten als noch vor einigen Jahrzehnten. Was früher als außergewöhnliche Ausnahme galt, tritt inzwischen öfter auf. Rekordwerte sind nicht notwendig, um einen Wandel zu erkennen – entscheidend ist die Häufung milder Phasen. Gerade die letzten Winter waren auffällig frostarm und kurz, was vielen Menschen im Gedächtnis geblieben ist.
Der Einfluss des Klimawandels
Der Klimawandel sorgt dafür, dass sich das Temperaturniveau insgesamt nach oben verschiebt. Selbst wenn die Wetterlage dieselbe wäre wie vor 50 Jahren, würde es heute meist einige Grad wärmer ausfallen. Genau deshalb wirken stabile Hochdrucklagen inzwischen oft deutlich frühlingshafter als früher. Einzelne warme Tage beweisen zwar nichts, doch die langfristige Entwicklung zeigt klar nach oben. Besonders im Winterhalbjahr fällt diese Veränderung zunehmend auf.
Bleibt die Wärme jetzt dauerhaft?
Dass es bis mindestens zum 10. März mild bleiben könnte, ist nicht ungewöhnlich. Wetterlagen können stabil sein und über Wochen bestehen bleiben. Trotzdem ist der Winter damit nicht zwangsläufig vorbei. Kälteeinbrüche im März oder sogar im April sind in Mitteleuropa durchaus möglich. Die Geschichte zeigt, dass späte Schneefälle keine Seltenheit sind – selbst nach sehr milden Phasen.
Frühling als neue Normalität?
Die entscheidende Frage bleibt offen: Handelt es sich um einen kurzen Ausreißer oder um einen Vorgeschmack auf zukünftige Winter? Viele Menschen empfinden die Wärme als angenehm, andere sehen darin ein Warnsignal. Sicher ist nur: Milde Spätwinter werden wahrscheinlicher, während lange Frostperioden seltener werden. Ob 22 Grad im Februar bald als normal gelten oder weiterhin überraschen, wird sich in den kommenden Jahrzehnten zeigen.