Viele Trinkbrunnen bleiben trotz Hitze ungenutzt: So können Städte das Problem lösen
Öffentliche Trinkbrunnen sollen an heißen Tagen die Wasserversorgung auf der Straße sichern. Doch viele nutzen das kostenlose Angebot nicht. Eine neue Studie zeigt, dass nicht die Infrastruktur das Hauptproblem ist, sondern die individuelle Wahrnehmung der Sicherheit.

Deutschland erlebt immer häufiger frühsommerliche Hitzewellen. Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius sind längst keine Ausnahme mehr. Gerade in dicht bebauten Städten gewinnen öffentliche Trinkwasserangebote deshalb an Bedeutung. Sie sollen Menschen unterwegs unkompliziert mit kostenlosem Wasser versorgen und gesundheitliche Risiken durch Hitze reduzieren.
In der Realität jedoch bleiben viele öffentliche Trinkbrunnen ungenutzt. Forschende der Otto-Friedrich-Universität Bamberg haben untersucht, woran das liegt und wie sich die Nutzung verbessern lässt. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Water veröffentlicht und nun vorgestellt.
Wenn Sicherheit nicht sichtbar ist
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht ein psychologischer Schutzmechanismus, der Menschen vor potenziellen Gefahren bewahren und dabei helfen soll, mögliche Krankheitsrisiken in unbekannten Situationen schnell einzuschätzen.
„Unser Schutzsystem ist darauf ausgelegt, Erkrankungsrisiken in wechselnden Umgebungen schnell einzustufen“, erklärt Robert Bruckmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juniorprofessur für Gesundheitspsychologie. „Es ist im Alltag überlebenswichtig und schützt vor unbekannten Risiken, weil es uneindeutige Situationen als mögliche Gefahr einstuft.“ Der Preis dafür sei, dass man manchmal auch sichere Quellen meidet, wenn sie nicht eindeutig als sicher erkennbar sind.

Eine repräsentative Befragung von 1095 Personen zeigt, wie stark solche Wahrnehmungen das Verhalten beeinflussen. Rund 60 Prozent der Teilnehmenden gaben an, noch nie einen öffentlichen Trinkbrunnen in Deutschland genutzt zu haben. Besonders häufig nannten sie Sorgen über mögliche Verunreinigungen oder mangelnde Hygiene als Grund für ihre Zurückhaltung.
Schilder ändern das Verhalten
Um herauszufinden, ob sich die Unsicherheit verringern lässt, führten die Forschenden ein Feldexperiment an vier Trinkbrunnen in Bamberg durch. Insgesamt wurden 14.128 Nutzungssituationen unter realen Bedingungen beobachtet. Dabei wurden die Brunnen abwechselnd mit und ohne Hinweisschilder untersucht.
Die Schilder informierten über Sauberkeit und Sicherheit der Wasserquelle. Wurde die Unbedenklichkeit des Trinkwassers sichtbar kommuniziert, stieg die Wahrscheinlichkeit, direkt aus dem Brunnen zu trinken, um 82 Prozent. Auch Verhaltensweisen zur Abkühlung, etwa das Benetzen von Händen oder Gesicht, nahmen um 37 Prozent zu.
Darüber hinaus deuteten die Analysen darauf hin, dass Menschen die Brunnen mit Beschilderung eigenständiger nutzten. Sie orientierten sich weniger daran, ob andere Personen den Brunnen bereits verwendeten, um dessen Sicherheit einzuschätzen.
„Trinkbrunnen können technisch einwandfrei sein und trotzdem ungenutzt bleiben, wenn man ihnen die Sicherheit nicht ansieht“, sagt Philipp Sprengholz, Mitautor der Studie und Inhaber der Juniorprofessur für Gesundheitspsychologie. „Städte und Kommunen investieren Zeit und Geld in die öffentliche Trinkwasserinfrastruktur – wichtig ist jedoch nicht nur, mehr Brunnen zu bauen, sondern auch die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur sicherzustellen.“
Die Ergebnisse haben auch politische Bedeutung. Der Zugang zu öffentlichem Trinkwasser ist ein wichtiger Bestandteil der Hitzeanpassung und ist durch die europäische Trinkwasserrichtlinie ausdrücklich vorgesehen.
Nach Ansicht der Forschenden sollten psychologische Aspekte künftig stärker in die Stadtplanung einfließen. Klare Kennzeichnungen, sichtbare Hinweise auf Wartung und Hygiene sowie kontaktlose Bedienmöglichkeiten könnten dazu beitragen, Vorbehalte abzubauen.
Quellenhinweis:
Bruckmann, R. W., & Sprengholz, P. (2026): Understanding and addressing contamination aversion in the use of drinking fountains. Nature Water.
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