45 Grad in nur 4 Wochen? Hitzekuppel steuert Deutschland auf den nächsten Jahrhundertrekord zu

Kaum ist die Jahrhunderthitze vorbei, rollt schon die nächste Monster-Welle an. Die Modelle streiten sich um bis zu 45 Grad – und ein neuer Rekord liegt plötzlich in Reichweite.
Erst vor vier Wochen hat Deutschland Geschichte geschrieben – und zwar die heißeste. Ende Juni kletterte das Thermometer auf sagenhafte 41,8 Grad, ein Wert, den vorher kaum jemand für möglich gehalten hätte. Kaum haben sich die Böden abgekühlt und die Menschen einmal durchgeatmet, steht schon der nächste Hammer vor der Tür.
Denn ab Wochenmitte baut sich über Westeuropa eine gewaltige Hitzekuppel auf, im Fachjargon Heat Dome genannt. Sie presst glühend heiße Luft von der iberischen Halbinsel geradewegs Richtung Mitteleuropa. Und die Frage, die jetzt alle umtreibt, lautet: Fällt schon wieder ein Rekord – nur vier Wochen nach dem letzten?
Ab Mittwoch dreht das Wetter komplett
Noch zeigt sich der Sommer von seiner harmlosen Seite. Zum Wochenstart bleibt es mit Werten um die 25 Grad angenehm, hier und da fällt sogar ein Schauer. Doch das ist die Ruhe vor dem Sturm. Ab Mittwoch dreht die Großwetterlage, das Hoch schaufelt die Wüstenluft nach Norden, und die Temperaturkurve kennt dann nur noch eine Richtung: steil nach oben.

Schon am Donnerstag knacken viele Regionen im Südwesten locker die 35-Grad-Marke. Vom Saarland über den Oberrhein bis nach Frankfurt wird es dann richtig unangenehm. Und das ist erst der Anfang, denn den Höhepunkt erreicht diese Welle voraussichtlich am Wochenende – wenn die Kuppel voll über uns liegt und die Sonne ungebremst herunterbrennt.
GFS gegen ECMWF – hier tobt der Modellstreit
Jetzt wird es spannend, denn die großen Wettercomputer sind sich überhaupt nicht einig. Das amerikanische Modell GFS prescht vor und rechnet für das kommende Wochenende Spitzenwerte von bis zu 45 Grad – ein Wert, der in Deutschland noch nie offiziell gemessen wurde. Das wäre keine normale Hitze mehr, das wäre eine Sensation.
Das europäische Modell ECMWF tritt dagegen kräftig auf die Bremse. Es sieht die Höchstwerte eher bei knapp 40 Grad und hält die ganz große Extremhitze für übertrieben. Auch das deutsche Modell ICON pendelt sich in diesem ruhigeren Bereich ein. Fünf Grad Unterschied klingen nach wenig – für den Kreislauf und für die Rekordbücher sind sie eine ganze Welt.
Wer hat recht? So sind die 45 Grad einzuordnen
Wer jetzt schon von 45 Grad träumt oder davor zittert, den muss man ein wenig einbremsen. Solche Ausreißer nach ganz oben tauchen in den Berechnungen immer wieder auf, gerade wenn eine Hitzekuppel über Frankreich liegt, wo Werte um 46 Grad tatsächlich realistisch sind. Für Deutschland gilt jedoch: Je weiter der Blick in die Zukunft reicht, desto größer die Unsicherheit.
Am wahrscheinlichsten ist ein Korridor zwischen 40 und 42 Grad an den heißesten Punkten. Das reicht bereits, um den einen oder anderen lokalen Stationsrekord zu pulverisieren. Ob am Ende die magische Marke von 41,8 Grad wirklich fällt, entscheidet sich oft an wenigen Kilometern – und an einer einzigen wolkenlosen Stunde am Nachmittag.
Vier bis fünf Gluttage – und Nächte ohne Abkühlung
Doch selbst ohne neuen Allzeitrekord hat es diese Welle faustdick hinter den Ohren. Wir müssen uns auf vier bis fünf Gluttage einstellen, also Tage mit mindestens 40 Grad, dazu reihenweise Wüstentage jenseits der 35 Grad. Der Körper kommt bei dieser Dauerbelastung kaum noch zur Ruhe, und genau das macht die Lage so tückisch.
Denn auch die Nächte bringen keine echte Erholung. In den Innenstädten sinken die Werte kaum noch unter 20 Grad – Fachleute sprechen dann von tropischen Nächten. Wer schlecht schläft, wird gereizt, unkonzentriert und anfällig für Kreislaufprobleme. Trinken Sie deshalb mehr, als Ihnen lieb ist, und meiden Sie die pralle Mittagssonne.
Was jetzt wirklich auf uns zukommt
Unterm Strich steht Deutschland eine der intensivsten Hitzewellen des Jahres bevor – die dritte wuchtige Welle in diesem Ausnahmesommer. Ob der ganz große Rekord fällt, bleibt bis zur letzten Minute offen, doch die Zutaten für ein neues Extrem liegen längst auf dem Tisch. Es wird knapp, es wird spannend, und es wird verdammt heiß.
Ein Tipp zum Schluss: Nehmen Sie diese Hitze ernst. Verlegen Sie Sport und Gartenarbeit in die frühen Morgenstunden, kühlen Sie Ihre Wohnung nachts konsequent herunter und behalten Sie ältere Nachbarn im Auge. Zum Ende der Woche zieht die Kuppel dann ostwärts ab – und bringt zum Abschied kräftige, teils unwetterartige Gewitter mit. Erst danach ist der Spuk vorbei.