Unwetter-Alarm für Deutschland? „Es kann jederzeit überschwappen" – was uns dieser Herbst wirklich droht

Erst Mallorca, dann wir? Die Bilder aus dem Süden lassen viele zittern. Die entscheidende Frage: Können die extremen Unwetter im Herbst auch Deutschland treffen?

Die Bilder aus dem Süden gehen um die Welt: überflutete Straßen, Sturzfluten, zerstörte Häuser. Und in Deutschland stellen sich Millionen Menschen dieselbe bange Frage – schwappt das jetzt auch zu uns über?

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Kein Wunder, dass die Sorge groß ist. Denn was sich derzeit über dem Mittelmeer zusammenbraut, hat mit unserem Wetter mehr zu tun, als viele denken. Die kurze Antwort lautet: Ja, ein Stück weit hängt beides zusammen.

Einen Medicane bekommen wir nicht – aber seine Energie

Erst mal Entwarnung an einer Stelle: Einen echten Medicane, also den „Hurrikan des Mittelmeers", wird Deutschland nicht abbekommen. Dafür sind wir schlicht zu weit weg vom warmen Wasser, das solche Wirbel überhaupt erst antreibt.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die gewaltige Energie und die feuchtwarme Luft, die sich über dem Mittelmeer aufladen, machen an den Alpen nicht einfach halt. Über bestimmte Wetterlagen wird genau dieser Cocktail zu uns transportiert – und dann wird es auch bei uns brenzlig.

Das Zauberwort heißt Vb-Wetterlage

Meteorologen kennen den Mechanismus gut, er trägt einen unscheinbaren Namen: Vb-Wetterlage (gesprochen „Fünf B"). Dabei zieht ein Tief vom Mittelmeer ostwärts, umrundet die Alpen und kommt von Südosten wieder nach Deutschland hinein.

Die Wetterlage beruhigt sich in den kommenden Tagen wieder ein wenig. Rund ums westliche Mittelmeer wird es wieder ruhiger.
Die Wetterlage beruhigt sich in den kommenden Tagen wieder ein wenig. Rund ums westliche Mittelmeer wird es wieder ruhiger.

Auf diesem Weg pumpt es literweise feuchtwarme Luft aus dem Süden zu uns. Trifft die auf kühlere Luft, regnet es sich stunden- oder tagelang aus – stationär und ergiebig. Es sind ausgerechnet diese Lagen, die in der Vergangenheit die verheerendsten Hochwasser in Deutschland ausgelöst haben.

Warmes Wasser – auch vor unserer Haustür

Und es gibt einen zweiten Faktor, der oft übersehen wird: Nord- und Ostsee sind nach dem heißen Sommer ebenfalls deutlich wärmer als normal. Auch das ist zusätzlicher Treibstoff, direkt vor unserer Haustür.

Je wärmer das Wasser, desto mehr Feuchtigkeit steht in der Luft zur Verfügung – und desto heftiger können sich Gewitter und Starkregen entladen. Es gilt eine grobe Faustregel: Ein Grad wärmere Luft kann rund sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen. Klingt wenig, ist bei Unwettern aber der Unterschied zwischen „nass" und „Land unter".

Was der Herbst 2026 wirklich bringen könnte

Heißt das nun, dass uns ein Unwetter-Herbst wie auf Mallorca sicher bevorsteht? Nein – seriös lässt sich das Wetter nicht Wochen im Voraus auf den Tag festnageln, wer das behauptet, betreibt Kaffeesatzleserei.

Rund um die Balearen soll es in diesem September immer wieder sehr nass werden.
Rund um die Balearen soll es in diesem September immer wieder sehr nass werden.

Aber das Potenzial ist da, und zwar größer als in einem durchschnittlichen Jahr. Die Zutaten – warmes Meer, viel Feuchtigkeit, die passenden Strömungsmuster – liegen bereit. Es braucht dann nur noch den richtigen Auslöser, damit es auch bei uns richtig kracht.

Darauf solltest Du jetzt achten

Für die kommenden Wochen gilt deshalb: Augen auf. Kräftige Herbststürme, Starkregen und lokale Überflutungen sind jederzeit möglich, gerade beim Übergang von der warmen zur kühlen Jahreszeit.

Am wichtigsten ist ein einfacher Rat: Nimm amtliche Unwetter-Warnungen ernst, halte dich bei Starkregen von Bächen, Unterführungen und Kellern fern und lass das Wetter in diesem Herbst nicht aus den Augen. Die Ruhe kann trügen – und die Natur hat 2026 schon mehrfach bewiesen, wozu sie fähig ist.