Ein Sommer, wie er früher einmal am Mittelmeer war - "Köln wie Venedig, Freiburg auf Sizilien"

Einer der heißesten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn hat in Deutschland für Rekord-Hitze und Rekord-Dürre gesorgt und damit in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe gesetzt. In vielen Regionen war es ein Sommer, der früher typisch für Südeuropa und das Mittelmeer war.

Der Sommer 2026 brachte zahlreiche Hitzerekorde in Deutschland
Der Sommer 2026 brachte zahlreiche Hitzerekorde in Deutschland

Als der, schon nicht mehr ganz so junge Autor dieses Artikels, noch ein Kind war, da war der Sommer in Deutschland in der Regel sehr wechselhaft und eher kühl. Wer es sich leisten konnte und garantiert "schönes Wetter" mit Sonne und Hitze haben wollte, verbrachte genau aus diesem Grund seinen Sommerurlaub im Süden Europas, in "bella italia" oder in Spanien am Mittelmeer.

Denn am Mittelmeer, so lernten wir es noch in der Schule, gab es ein anderes Klima als bei uns in Deutschland. Das sogenannte Mittelmeerklima zeichnete sich nämlich schon immer dadurch aus, dass die Sommer sehr warm bis heiß und (bis auf vereinzelte Gewitter) sehr trocken waren.

Zweitwärmster Sommer seit 1881

Das gilt soweit auch heute noch, nur das durch den beschleunigten Klimawandel die Sommer in Südeuropa noch viel heißer und das Mittelmeer noch viel höhere Wassertemperaturen hat als vor einigen Jahrzehnten. Das Klima des Mittelmeers stößt durch den Klimawandel zudem immer weiter Richtung Norden vor.

Der Sommer 2026 war mit einem Temperaturmittel von 19,6°C der zweitwärmste seit dem legendären "Jahrhundertsommer" im Jahr 2003. Nur den gemäßigteren Temperaturen im Norden und Nordosten Deutschlands ist es zu verdanken, dass der Sommer 2003 knapp nicht getoppt wurde. In der Südwesthälfte des Landes setzte der diesjährige Sommer dagegen neue Maßstäbe.

Für viele ist es heute kaum vorstellbar, dass es in den 1960 und 1970'er Jahren Sommer gab, in denen es in Deutschland fast überall keinen einzigen heißen Tag mit Temperaturen über 30 Grad gab. Im Jahr 1977 kam Köln immerhin auf 3 (in Worten "drei") solcher Tage, am Oberrhein gab es damals örtlich 5 Tage. Das waren allerdings schon die "Hotspots" in Deutschland gewesen, in vielen Regionen gab es gar keinen Hitzetag.

In diesem Sommer kommt Hamburg auf 11-15 (je nach Station) heiße Tage, Köln auf 37, München (auf 500 Höhenmetern!) auf 41 und Frankfurt am Main auf 50 Tage mit 30 Grad und mehr. Getoppt wird dies noch von vielen Stationen am Oberrhein mit teils über 60 Hitzetagen, Spitzenreiter ist Rheinfelden nahe der Schweizer Grenze mit unglaublichen 66 heißen Tagen, davon 24 "sehr heiße Tage" mit 35 Grad und mehr.

Damit nicht genug, denn mit 41,8°C erreichte die Station Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt am 27. Juni einen neuen Allzeit-Hitzerekord. Aber auch die Nächte waren so warm wie noch nie seit Aufzeichnungsbeginn, in Kabschütz (Sachsen) sank die Temperatur in der Nacht vom 27. bis 28.06. nicht unter 29,4°C.

Ein Sommer wie am Mittelmeer

Hinter uns liegt aber nicht nur ein ungewöhnlich heißer, sondern auch ein sehr trockener Sommer. Am Rhein wurden zahlreiche neue Rekord-Niedrigstände verzeichnet. Damit hatte insbesondere die Südwesthälfte Deutschlands ein Klima, wie es früher für den Süden Europas und das Mittelmeer typisch war.

Der Meteorologe Silvio Wandel vom privaten Wetterdienst "Kachelmannwetter" hat sich mal die Mühe gemacht, die klimatische Verschiebung einiger deutschen Städte zu visualisieren. Dabei wird anhand der Mitteltemperatur im Sommer 2026 gezeigt, wo diese Städte nach der Klimanormalperiode von 1961-1990 klimatisch liegen würden.

Das Ergebnis: Köln hatte in diesem Sommer mit einem Temperaturmittel von 21,00°C das Klima, wie es früher am Gardasee oder in Venedig typisch war. München kommt mit 21,78°C auf Städte wie Barcelona oder Nizza und Freiburg im Breisgau hat mit 24,55°C ein Temperaturniveau gehabt wie Palermo auf Sizilien im Mittel 1961-1990.