Bodenfrost: Plusgrade in der Vorhersage, Frost im Beet

Drei Grad plus in der Nachtvorhersage klingen harmlos. Für empfindliche Pflanzen im Beet kann es trotzdem eine Frostnacht werden. Der Grund liegt in der Messhöhe und in einer dünnen, eiskalten Luftschicht direkt über dem Boden.

Reif auf dem Rasen: Am Boden kann es frieren, während die Wetterhütte noch Plusgrade misst. Foto: David Todd McCarty
Reif auf dem Rasen: Am Boden kann es frieren, während die Wetterhütte noch Plusgrade misst. Foto: David Todd McCarty


Der Wetterbericht meldet für die Nacht drei Grad plus, am Morgen liegt trotzdem Reif auf dem Rasen. Ein Messfehler ist das nicht. Die Temperatur in der Vorhersage gilt für eine andere Höhe als die, in der Beetpflanzen wachsen. Direkt über dem Boden kann es in klaren Nächten bis zu rund fünf Grad kälter sein.

Zwei Meter oder fünf Zentimeter über dem Boden

Die Lufttemperatur aus Vorhersagen und Messreihen stammt aus 2 Metern Höhe. Dort sitzen nach Vorgabe der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) die Messfühler in der Wetterhütte.

Sinkt dieser Wert unter 0 °C, spricht der Deutsche Wetterdienst (DWD) von Frost oder Luftfrost. Ein Frosttag ist ein Tag, an dem das Minimum der Lufttemperatur unter dem Gefrierpunkt liegt.

Beim Bodenfrost kühlt dagegen die Luftschicht bis 5 Zentimeter über dem Erdboden unter 0 °C ab. In der Wetterhütte können dann noch Plusgrade herrschen, und auch der Boden selbst muss nicht gefroren sein. Eine Nacht mit Bodenfrost ist deshalb nicht automatisch ein Frosttag.

In Landwirtschaft und Bauwesen meint Bodenfrost Temperaturen unter 0 °C im Erdboden selbst. Wie tief der Frost eindringt, hängt laut DWD unter anderem von Bewuchs, Bodenart und Wassergehalt ab. Eine Schneedecke wirkt dabei als Kälteschutz.

Für Pflanzen zählt genau diese bodennahe Schicht. Frost in Bodennähe kann empfindliche Kulturen schädigen, auch wenn das Thermometer in zwei Metern Höhe knapp über null bleibt.

Klare, trockene und windstille Nächte

Ob es am Boden friert, entscheidet vor allem die nächtliche Ausstrahlung. Nachts gibt die Erdoberfläche Wärme als langwellige Strahlung in Richtung Weltraum ab und kühlt dabei selbst aus. Die Luft direkt darüber kühlt am kalten Boden mit ab.

Bei klarem Himmel entweicht diese Strahlung ungehindert. Wolken schicken einen Teil davon zurück und bremsen die Abkühlung. Unter einer dichten Wolkendecke liegen die Werte am Boden und in zwei Metern Höhe deshalb meist nah beieinander.

Dazu kommt der Wind. Kalte Luft ist schwerer als warme und sammelt sich am Boden. Frischer Wind mischt diese dünne Kaltluftschicht mit der wärmeren Luft darüber. Auch trockene Luft begünstigt die Auskühlung. Klar, trocken und windstill sind Nächte vor allem unter Hochdruckeinfluss.

Am kältesten wird es in Mulden, Senken und Tälern. Dorthin fließt die schwere Kaltluft nachts von den umliegenden Hängen und sammelt sich am tiefsten Punkt.

Abdecken und einpacken schützt empfindliche Pflanzen

Schützen lassen sich empfindliche Pflanzen mit einer Abdeckung. Der DWD zählt das Abdecken gefährdeter Kulturen zu den unmittelbaren Frostschutzmaßnahmen, etwa mit Vlies. Auch die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau setzt auf flach aufgelegte Vliese und Folien, die Beete besonders in Frostnächten schützen sollen.

Kübelpflanzen brauchen mehr Schutz. Im Topf greift der Frost von allen Seiten an, der Wurzelballen gefriert deutlich schneller als im Gartenboden. Deshalb sollte man den Topf einpacken, etwa mit Noppenfolie oder Kokosmatten. Empfindliche Topfpflanzen stellt man in Frostnächten an einen geschützten Ort, etwa an die Hauswand, oder holt sie ins Haus.

Warum eine fehlende Frostwarnung nicht reicht

Die amtliche Frostwarnung des DWD richtet sich nach der Lufttemperatur. Sie gilt, wenn diese verbreitet unter den Gefrierpunkt sinkt. Bodenfrost allein löst sie nicht aus. In seinen Wetterberichten nennt der DWD Bodenfrost aber eigens, wenn er ihn erwartet.

Wer Pflanzen im Freien hat, achtet deshalb nicht nur auf den Tiefstwert. Kündigt die Vorhersage für die Nacht klaren Himmel und schwachen Wind an, ist Frost am Boden schon bei drei bis fünf Grad plus möglich. Eine Nacht ohne Frostwarnung kann für das Gemüsebeet also trotzdem eine Frostnacht sein.