Spagat zwischen Ehrgeiz und Erhalt des Erbes

UNESCO-Welterbe in Städten hat es nicht leicht. Bedrängen Bauprojekte das Erbe, kann der Titel entzogen werden. Köln konnte dieses Schicksal abwenden, Dresden scheiterte. Eine europäische Stadt steht weiter auf der Roten Liste.

Geplante Hochhäuser würden Wiens Skyline korrumpieren - dafür gab's eine Abmahnung der UNESCO. Foto: Adobe Stock
Geplante Hochhäuser würden Wiens Skyline korrumpieren - dafür gab's eine Abmahnung der UNESCO. Foto: Adobe Stock

Nach sechsstündiger Debatte und einer geheimen Abstimmung in Sevilla stand es fest: Das Dresdner Elbtal wurde aus der Liste des Weltkulturerbes gestrichen. Es war das erste Mal, das einer europäischen Welterbestätte der Titel aberkannt wurde und erst der zweite Fall weltweit.

Brückenbau kostete Dresden den Titel

Streitpunkt war der Bau der Waldschlösschenbrücke, die „den außergewöhnlichen universellen Wert des Elbtals zerstören und die Kulturlandschaft in der Mitte zerschneiden" würde, so das Komitee. Tatsächlich dominiert der unter heftigen Protesten erbaute, 2013 fertiggestellte Bau das Bild von Elbwiesen, Altstadt, Weinbergen und drei Schlösschen.

Drei Jahre waren zwischen der Herabstufung des Elbtals auf die „Rote Liste des gefährdeten Welterbes" und der Streichung 2009 vergangen, während der auch die Stadt über der Brückenfrage gespalten war, sich aber kein Kompromiss fand.

Hochhaustürme gefährden das Erbe in Wien

Die Schmach droht auch dem historischen Zentrum in Wien. Seit 2017 steht es auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes; kürzlich wurde dieser Status neuerlich bestätigt. Geplante Hochhaustürme am Heumarkt, neue U-Bahnstationen und weitere Bauprojekte sind die Gründe.

In Rumänien steht mit der Bergbaulandschaft Roșia Montană eine zweite europäische Welterbestätte auf der Roten Liste - aufgrund industrieller Bemühungen um den Goldabbau.

Die Kulturbehörde der Vereinten Nationen zeichnet Bauwerke, Ensembles, Stadtteile und Landschaften aus, die auf ihre Art einzigartig sind. 1248 Stätten umfasst das Weltkulturerbe derzeit. In Deutschland gibt es 55 Welterbestätten; die Schlösser König Ludwigs II. sind in diesem Jahr neu hinzugekommen.

Der Titel bringt kein Geld, befördert aber Besucherandrang und Prestige. Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, gibt es indessen nicht. Es gilt, sich der Worte Goethes zu erinnern: „Was du ererbst von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen." Jede Generation muss sich historische Bauten verdienen, indem sie sie erhält; auch jede Generation von Politikern.

Krieg und Naturkatastrophen sind größte Risiken

Denn die Bausubstanz steht immer im Mittelpunkt - auch aller städtebaulichen Planungen. 53 Welterbestätten gelten als bedroht und stehen auf der Roten Liste - meist wegen Krieg, Naturkatastrophen, Verstädterung und Umweltzerstörung.

In Europa, wo es kaum Abmahnungen gibt, stecken in der Regel Bauprojekte dahinter, so wie in Dresden, Wien und einst in Köln.

Der Kölner Dom blieb Welterbe

2004 fand sich der von der UNESCO als eines der „europäischen Meisterwerke gotischer Architektur" gelobte Kölner Dom auf der unrühmlichen Roten Liste wieder. Grund war der geplante Bau mehrerer Hochhäuser auf der gegenüber liegenden Rheinseite. Sie hätten die „visuelle Integrität des Doms und der einzigartigen Stadtsilhouette" gefährdet, so die UNESCO.

Die Politik gab nach. Das ab 1248 erbaute Gotteshaus, eine der meistbesuchten Attraktionen Deutschlands, wurde 2006 rehabilitiert. Der als „vollkommene Kathedrale" gerühmte Dom blieb Weltkulturerbe.

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