Sorbet und Torte für die Einigung Italiens: Turin war schon immer ein Ort für süße Sünden
Schokolade, Pralinen, Bonbons und Eis: Die viertgrößte Stadt Italiens ist nicht nur für barocke Pracht und ihre Automobilindustrie berühmt. Sie ist auch die Welthauptstadt der Chocoholics.

Berge von aufgetürmtem Schokoladen- und Nougateis liegen in den Theken der Eisdielen. In den Cafés wird heiße Schokolade serviert, so dickflüssig, dass sie sich löffeln lässt. Die zahlreichen Confiserien der Stadt sind erfüllt vom Duft der „gianduiotti“, kleiner, in Goldpapier gehüllter Nougatstücke, die den Gaumen betören und sich von dort unverzüglich auf die Hüften senken.
Bildet das Piemont mit weißen Trüffeln, Steinpilzen, den edlen Weinen Barolo und Barbaresco sowie Castelmagno-Käse eine Essenz italienischer Genussfreude, so ist seine Hauptstadt Turin das Sahnehäubchen darauf. Denn hier werden nicht nur Autos hergestellt, sondern auch die beste Schokolade Italiens.
Die Schokoladencreme aus Alba ist ein Weltstar
Die mit der Piemonteser Haselnuss veredelte Schokoladencreme aus Alba ist Kindern überall in Europa ein Begriff. Durch die Confiserien, Eisdielen und Kaffeehäuser Turins muss man sich hingegen probieren: beim Bummel durch die langen Arkaden der prächtigen Barockstadt am Ufer des Po. 1997 wurde ein Teil des Zentrums unter dem Namen „Residenzen des Königshauses von Savoyen" zum UNESCO-Welterbe erklärt.

An den Designer-Boutiquen, Kaffehäusern und Eisdielen der Via Roma vorbei geht es von der Piazza Castello, dem Hauptplatz Turins mit dem Residenzschloss der Savoyer, zur Piazza San Carlo. Vorsicht: Wer sich unterwegs vom Anblick verschwenderisch gefüllter Eistheken verführen lässt, wird bald schlapp machen. Und das wäre vor dem Besuch bei „Stratta“ schade.
In dem kleinen Geschäft an der Piazza San Carlo, dem vielleicht schönsten Platz Turins, ließen schon die Fürsten von Savoyen und später Camillo Benso Graf Cavour einkaufen, ein gebürtiger Turiner. Von 1852 bis 1861 war er Präsident des Ministerrats von Sardinien und betrieb die Einigung Italiens.
Turin war vier Jahre lang Hauptstadt Italiens
Cavour nutzte die Süßigkeiten von Stratta, um den Botschaftern der europäischen Nationen seine Idee eines geeinten italienischen Königreichs schmackhaft zu machen. 29 Kilogramm glacierter Maronen, 18 Kilogramm Sorbet, 37 Kilogramm karamellisierter Früchte sowie Torte, Konfitüre und Baisers ließ er sich den guten Zweck kosten. Es zahlte sich aus: 1861 wurde das Königreich Italien proklamiert, Turin war vier Jahre lang italienische Hauptstadt.
Cavour hatte aber wohl auch jenseits politischen Kalküls eine Vorliebe für Süßes, denn das unter Aristokraten und Intellektuellen beliebte Café Fiorio an der Via Po fand in ihm ebenfalls einen dankbaren Stammgast.
Nicht einfache Kalorienbomben, sondern Luxusartikel
In Turin sind Süßigkeiten nie nur Kalorienbomben, sondern Luxusartikel, bei deren Herstellung nichts dem Zufall überlassen wird. Sorgfalt und Kreativität sind so wichtig wie die besten Zutaten. Das „Caffè Baratti & Milano“ an der Piazza Castello ist seit 1875 eine der ersten Adressen für süße Sünden und zudem Treffpunkt von Künstlern und Literaten. Der einstige Hoflieferant hat sich neben Schokolade auf Bonbons spezialisiert, in allen Farben und Größen, mit und ohne Zucker, mit Geschmacksrichtungen von Ananas bis Pfefferminz.